Was war vor 20 Jahren? Die Eishockey-Saison 2006/07

Langsam nähern wir uns dem Ende unserer kleinen Zeitreise im Rahmen unserer kleinen Sommerserie. Vor 20 Jahren wurde in der DEL eine Reform durchgeführt, die trotz stellenweiser starker Kritik viele Jahre Bestand haben sollte. Es gab (wieder einmal) keinen sportlichen Absteiger.
Sollte es einen potenziellen Aufsteiger geben, mussten neben der sportlichen Qualifikation auch die finanziellen Rahmenbedingungen passen, festgeschrieben in der berühmten 9.000-Punkte Vorgabe. Und es musste ein Platz in der DEL frei sein.
Eine weitere Änderung betraf die Spiele, die nach sechzig Minuten unentschieden endeten. Es wurde eine fünfminütige Verlängerung mit einem eventuell danach notwendigen Penaltyschießen eingeführt. Zuvor gingen die Spiele nach 60 Minuten direkte in den Schusswettbewerb.
Auch hallentechnisch gab es etwas Neues aus Düsseldorf zu berichten. Die dortige, kultige Brehmstraße hatte ausgedient und nun übernahm der ISS-Dome mit einem Fassungsvermögen von 13.400 Zuschauern die Führung. Somit war Düsseldorf bereits der achte DEL-Standort mit einer Multifunktionsarena.
Der Start in die DEL gestaltete sich für den Titelverteidiger, die Eisbären Berlin, durchaus erfolgreich. In den ersten vier Spielen gab es drei Siege, lediglich, allerdings auf eigenem Eis, ein 5:6 gegen den Mitfavoriten aus Mannheim. Ganz anders die Situation in Düsseldorf. Die DEG als Vizemeister wollte nahtlos an den Erfolg der letzten Saison anschließen und vermasselte erst einmal den Start. Einem 1:5 in Iserlohn folgte in der Premiere im ISS-Dome ein 2:3 gegen die Hannover Scorpions. Danach fingen sich die Rheinländer, starteten mehrere Siegesserien und am Ende der Hauptrunde landeten sie auf Rang zwei, hinter den Mannheimern. Die Adler starteten kompakt, besiegten Frankfurt mit 3:0, gewannen in Berlin mit 6:5, unterlagen zwar in Köln mit 3:4, aber dann folgte gegen die Duisburger Füchse ein 8:3, wobei es schon nach zwanzig Minuten 6:0 stand. Zwar spielten die Kurpfälzer eine hervorragende Hauptrunde, aber die größte Pleite kassierten sie zuhause. Ausgerechnet der letztjährige Halbfinalist Scorpions gewann am 15. Oktober 2006 mit 4:0 in Mannheim. Aber eine Krise löste die Pleite nicht aus und am Ende thronten die Adler mit neun Punkten Vorsprung vor der DEG auf Platz eins, hatten als einzige DEL-Mannschaft auch die 100-Punkte-Marke geknackt. Eine weitere Ligaüberraschung waren die damaligen Sinupret Ice Tigers aus Nürnberg. Ein Jahr vorher noch nach einer starken Hauptrunde im Viertelfinale gegen Köln mit 0:4 unterlegen, kamen sie in dieser Saison auf einem dritten Platz über die Ziellinie. Den vierten Platz holte sich Ingolstadt knapp vor Köln. Der sechste Platz und damit die direkte Qualifikation für die Play-Offs war stark umkämpft, wurde letztlich von den Hannover Scorpions erkämpft, die sich gegen den Nordrivalen Hamburg und Frankfurt durchsetzen. Der deutsche Meister Eisbären Berlin dümpelte dagegen auf Platz neun, musste in die Pre-Play-Offs und Neuling Straubing Tigers konnte mit Platz 12 einen Achtungserfolg erkämpfen. Dahinter nur noch die Augsburger Panther und die Füchse aus Duisburg.
In den Pre-Play-Offs zeigte sich dann die Schwäche der diesjährigen Eisbären, die zwar zum Auftakt 4:3 in Frankfurt gewannen, danach aber zuhause mit 1:2 unterlagen und im entscheidenden dritten Spiel beim 0:6 keine Chance hatten. Außerdem setzte sich Hamburg gegen Krefeld durch.
Im Viertelfinale gab es dann fast nichts Neues. Lediglich der Hauptrundenvierte aus Ingolstadt hatte scheinbar keine Kraft mehr unter unterlag in der Best-of-Seven-Serie den Kölner Haien mit 2:4. Im Halbfinale träumten dann besonders die rheinischen Fans mal wieder von einem Finale DEG – Köln, wurden aber bitter enttäuscht. Beide flogen gegen ihre Gegner raus. Köln mit 0:3 gegen Mannheim und die Düsseldorfer EG sogar mit 1:3 gegen Nürnberg. Im Finale zeigte sich dann, dass die Ice Tigers ihre Kräfte in den Runden zuvor ausgereizt hatten. Mannheim setzte sich klar mit 3:0 Siegen (3:2, 6:2, 5:2) durch und Durde deutscher Meister.
Das damalige Team der Adler Mannheim: Torhüter: Danny aus den Birken, Ilpo Kauhanen, Robert Müller, Jean-Marc Pelletier; Verteidiger: Martin Ančička, François Bouchard, Sven Butenschön, Christopher Fischer, Benedikt Kohl, Felix Petermann, Stephan Retzer, Blake Sloan, Pascal Trépanier; Angreifer: Ronny Arendt, Sachar Blank, Fabio Carciola, René Corbet, Rico Fata, Colin Forbes, Rick Girard, Jason Jaspers, Marcus Kink, Eduard Lewandowski, Tomáš Martinec, François Méthot, Nathan Robinson, André Schietzold, Jeff Shantz, Christoph Ullmann; Cheftrainer: Greg Poss.
Auch in der 2. Bundesliga gab es Neuerungen. So trug die Liga erstmals den Namen des Hauptsponsors im Namen, hieß nun offiziell „Asstel Eishockey Liga“. Neu waren DEL-Absteiger Kassel Huskies sowie die Aufsteiger aus Crimmitschau und Landsberg. Und letztere starteten stark in die Saison. Am ersten Spieltag konnte gleich Dresden mit 6:5 besiegt werden und am 24. September gewann der EVL sogar mit 2:1 gegen die Kassel Huskies. Die Huskies taten sich zunächst schwer, aber als die Defensive immer fester wurde, zeigte sich das auch in den Ergebnissen und am Ende stand ein überlegener, mit 13 Punkten Vorsprung, Hauptrundenmeistertitel zu Buche. Dahinter kamen mit Wolfsburg und Bremerhaven zwei Nordlichter über die Ziellinie und dann mit Schwenningen der erste Verein aus dem tiefen Süden. Neuling Landsberg zeigte dabei eine beherzte Saison und konnte sich am Ende mit 78 Punkten auf einem hervorragenden zehnten Platz setzen.
Da es aber noch keine Pre-Play-Offs gab, war die Saison für die Landsberger wie auch für den Neunten Bietigheim vorbei. In den Viertelfinals wurde es dann richtig spannend. Kassel und Wolfsburg hatten mit Regensburg und Essen, je 4:0, keine Probleme, aber dafür Bremerhaven mit München und Schwenningen mit Landshut. Die Außenseiter setzten sich jeweils durch und für die leicht Favorisierten begannen die Sommerferien. Im Halbfinale ging es mit dem Siegeszug der Topteams weiter. Kassel und Wolfsburg siegten mit 3:0 gegen München und Landshut. Jetzt erwarteten alle eine Machtdemonstration der Huskies, aber dem war nicht so. Die Grizzly Adams Wolfsburg zeigten eine überragenden Defensivserie und gewannen mit 3:0 die Finals (1:0, 3:2, 2:1) und da sie neben der sportlichen Qualifikation auch die 9000er-Hürde erfolgreich nahmen, war der sportliche Aufsteiger in die DEL gefunden.
Eine nahe zu unglaubliche Überraschung brachten in der Abstiegsrunde die Lausitzer Füchse. Im sächsischen Duell gegen die Dresdner Eislöwen waren sie als Tabellenletzter nach der Hauptrunde klarer Außenseiter, aber dieser Rückstand motivierte die Füchse eher. Mit 4:2 gewannen sie die Serie und schickten damit Dresden in die Oberliga. Ähnliches passierte in einer noch spannenderen zweiten Serie. Neuling Crimmitschau blieb gegen Kaufbeuren mit 4:3 erfolgreich und der ESVK stieg in die Oberliga Süd ab.
In der Oberliga war im Sommertheater 2006 im vollen Gange. Mit den Stuttgart Wizards im Süden sowie den Revier Löwen Oberhausen, den Roten Teufeln Bad Nauheim und dem SC Mittelrhein Neuwied stiegen gleich vier Teams vor der Saison aus, und am Ende gab es nicht mehr 19 Teams wie ein Jahr zuvor, sondern nur noch 13, und von denen kamen lediglich zwei Vertretungen aus dem Norden, die Eisbären Berlin Juniors und die Hannover Indians.
Und der Süden zeigte sich dann auch bei der Vergabe der Hauptrundenmeisterschaft überlegen. Altmeister SC Riessersee gewann mit acht Punkten Vorsprung vor Heilbronn, Bad Tölz und Ravensburg. Die beiden Nordteams hielten gut mit, die Indians erreichten Rang fünf, die Eisbären konnten immerhin mit Platz 12 die Rote Laterne verhindern. Die ging an Miesbach.
In den Play-Offs wurde es dann richtig spannend und turbulent. Meister Riessersee schied im Halbfinale sang und klanglos mit 0:4 gegen Ravensburg aus und damit war der Weg für den Vizemeister aus Heilbronn frei. Die Falken setzten sich erst klar mit 4:0 gegen Freiburg durch, gewannen dann 4:1 gegen Bad Tölz und im Finale 2:0 (5:3, 7:1) gegen Ravensburg und stiegen in die 2. Bundesliga auf.














