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Die kleine Sommerserie, Teil 6

Was war vor 30 Jahren? Die Eishockey-Saison 1996/97

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Christian Lukes nimmt einen Schluck aus dem Pott: Die Adler Mannheim wurden in der Saison 1996/97 Deutscher Meister.
Christian Lukes nimmt einen Schluck aus dem Pott: Die Adler Mannheim wurden in der Saison 1996/97 Deutscher Meister. (Foto: dpa/picture alliance/Roth)

Unsere Zeitsprünge sind überschaubar, betreffen jeweils nur zehn Jahre und trotzdem entsprechen sie manchmal gefühlt deutlich größeren Zeiträumen. Vor dreißig Jahren, im Sommer 1996, feierte die höchste deutsche Spielklasse, die DEL, ihren zweiten Geburtstag. 1994 waren die 1. und 2. Bundesliga zur DEL zusammengefasst worden und mit 18 Vereinen gestartet. Zwei Jahre später waren es nur noch 16 Vereine und wieder zwei Jahre später sollten es nur noch 14 sein.

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Doch kehren wir zurück in das Jahr 1996, dessen Sommer besonders heiß war. Im Juni wurde die deutsche Fußball-Nationalmannschaft letztmalig Europameister und Anfang Juli wurde die Rechtschreibreform beschlossen.

Im Eishockey galt diesmal die Düsseldorfer EG als Favorit, waren sie doch im Frühjahr 1996 Deutscher Meister geworden, als sie in einer mitreißenden Finalserie den Kölner Nachbarn mit 3:1 besiegten. Als zweites wurde natürlich auch Köln genannt, aber auch Mannheim oder die Berlin Capitals standen als Geheimfavoriten parat. Nur eine kleine Kostprobe auf die zukünftigen Glanzzeiten gaben die Berliner Eisbären.

Dafür gab es ein besonderes Stück im jährlichen Sommertheater mit einem Verein aus der Region Hannover. Der traditionsreiche ECH war zwar ein Gründungsmitglied der DEL, musste aber im zweiten Jahr seiner Ligazugehörigkeit Insolvenz anmelden und absteigen. Kurios war, dass im gleichen Zeitraum die regionale Konkurrenz aus der Wedemark sportlich aufstieg und ungewollt den Platz des ECH einnahm. Und dieser Liganeuling, der sich den griffigen Zusatz „Scorpions“ zugelegt hatte, zeigte sofort seine „Krallen“ und beendete die Saison mit einem überraschenden 14. Tabellenplatz, noch vor den Nürnberg Ice Tigers und den Ratinger Löwen. Den ersten Heimsieg fuhren die Wedemärker übrigens am 18. Oktober 1996 mit einem 2:1 gegen Ratingen ein, den ersten Auswärtssieg, ebenfalls ein 2:1, am 27. Oktober 1996 in Frankfurt.

Das, was den Wedemärkern passierte, fuhr auch ein Team ein, dem man dieses nicht zugetraut hatte. Die Düsseldorfer EG startete katastrophal. Zum Auftakt gab es ein 3:5 in Köln, und die Saisoneröffnung zwei Tage später wurde von den Ratinger Gästen gecrasht, als diese an der Brehmstraße mit 8:2 gewannen. Danach folgte noch ein 0:6 in Mannheim, ehe wenigstens Krefeld mit 4:2 besiegt werden konnte. Danach gab es eine kleine Siegesserie, aber am Ende landete der Titelverteidiger nach der Vorrunde nur auf Platz neun und auch in der Relegation konnte der Rückstand auf die Krefeld Pinguine nicht verkürzt werden.

Anders dagegen in Köln. Die Haie starteten mit drei Siegen, kassierten zwei Niederlagen und dann holten sie gleich zehn Siege in Folge, bis es ausgerechnet in Düsseldorf ein 3:5 gab. Am Ende der Vorrunde standen die Haie auf Rang eins, vor Mannheim und den Berlin Capitals. Die Überraschung waren jedoch die Kassel Huskies und die Berliner Eisbären. Die Huskies landeten auf Rang vier, die Eisbären auf fünf und Rosenheim immerhin noch auf sechs.

Dramatisch wurde es dann in der Meisterrunde, in der nur die ersten sechs teilnahmeberechtigt waren. Die Vorrundenpunkte wurden mitgenommen und in dieser Phase beherrschten die Mannheimer die Schlagzeilen. Sie gewannen fünf von acht Punkten gegen Köln und überholten am Ende bei gleicher Punktzahl die Haie. 17 Punkte dahinter freuten sich die Huskies über Platz drei und die Eisbären über Rang vier, während die geschockten Berlin Capitals auf Platz fünf zurückfielen. Rosenheim konnte in dieser Runde nur phasenweise mithalten und hatte mit einer besseren Platzierung nichts zu tun. In der Relegationsrunde hielten Landshut und Krefeld ihren Vorrundenvorsprung und wurden mit dem Erreichen der Play-offs belohnt.

Und die Überraschungen gingen weiter. Im Viertelfinale hatten die Mannheimer mit Krefeld (3:0) und die Kasselaner mit Rosenheim (3:0) keinerlei Probleme. Die hatten aber die Haie mit Landshut. Nach einem Auftakt 6:3 kassierten die Kölner drei Niederlagen in Folge und waren raus und das gleiche passierte den Berlin Capitals, die im Stadtduell gegen die Eisbären mit 1:3 den Kürzeren zogen.

Im Halbfinale hatten die Mannheimer Adler mit Landshut ebenfalls keinerlei Probleme (3:0). In der zweiten Serie setzten sich die Huskies mit 3:1 gegen die Eisbären durch und erreichten völlig überraschend das Finale, wo sie gegen die favorisierten Mannheimer zwar eine gute Figur abgaben, am Ende aber mit 0:3 (4:5, 2:5, 2:4) unterlagen.

Das Meisterteam der Adler Mannheim: Torhüter: Joachim Appel, Mike Rosati; Verteidiger: Harold Kreis, Paul Stanton, Christian Lukes, Bob Nardella, Alexander Erdmann, Stéphane Richer, Martin Ulrich, Mike Pellegrims; Angreifer: Steve Thornton, Mario Gehrig, Pavel Gross, Dave Tomlinson, Daniel Körber, Rob Cimetta, François Guay, Jochen Hecht, Florian Keller, Till Feser, Philippe Bozon, Alexander Serikow, Christian Pouget, Dieter Kalt, Paul Beraldo; Cheftrainer: Lance Nethery.

In der Ligarelegation mussten sich schließlich Neuling Wedemark mit dem TSV Erding und die Ratinger Löwen mit dem EHC Neuwied auseinandersetzen. Beide Erstligisten schafften den Klassenerhalt mit je 2:0 Siegen deutlich, wobei es allerdings ein kleines „Geschmäckle“ gab, denn die Zweitligisten durften nur zwei Kontingentspieler einsetzen, die DEL-Clubs dagegen unbegrenzt.

In der zweiten Spielklasse, der sogenannten 1. Liga Nord, hatte der EHC Neuwied am Ende die Nase vor dem EV Duisburg und dem ESC Moskitos Essen vorne. Im Süden holte sich der EC Bad Tölz den Titel vor Heilbronn und Erding. In den gemeinsamen Play-offs schienen zunächst die Südvereine den Takt vorzugeben. Die Achtelfinale ging mit 5:3 an den Süden. Aber der Norden schlug im anschließenden Viertelfinale zurück, wobei der EC Bad Nauheim überraschte, der den Südmeister Bad Tölz in dessen Stadion mit 10:1 düpierte. Im Halbfinale setzte sich dann Neuwied mit zwei 5:4 Erfolgen gegen Heilbronn durch und Erding gewann mit 2:1 Erfolgen gegen Bad Nauheim. Das mit Spannung erwartete Finale war dann eine klare Angelegenheit vom EHC Neuwied, der mit 2:0 Siegen (11:3, 4:2) Erstligameister wurde.

Zur Komplettierung seien noch die Klassifizierungen in der 2. Liga erwähnt, wie damals die dritte Klasse genannt wurde. Im Norden holte sich der EHC Harz Braunlage den Titel vor dem Berliner SC und Schalke, im Süden gewann der SC Bietigheim-Bissingen vor dem ERSC Amberg und dem EV Regensburg. Das deutsche Drittligafinale ging an Bietigheim-Bissingen, das sich gegen Braunlage mit einem 5:6 und 5:2 durchsetzte.

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