SHL-Vorschau 2025/26: Timrå IK

Wir befinden uns im Endspurt unserer SHL-Teamanalysen – heute mit Timrå IK.
Die zunächst erfolgreiche Zusammenarbeit mit NHL-Legende Olli Jokinen hinter der Bande endete deutlich früher als geplant. Der Finne kehrte zusammen mit Sportchef Kimmo Kapanen im Frühjahr überraschend in die Heimat zurück – und Timrå stand ohne das Gerüst seines Zukunftsprojekts da.
Mit Tommy Samuelsson (Nybro Vikings) übernimmt nun ein Trainer mit reichlich Erfahrung – unter anderem mit Station in Ingolstadt. Samuelsson gilt als bodenständiger Gegenentwurf zum medienwirksamen Jokinen.
Trotzdem bleibt Timrå in dieser Saison ein Stück weit eine Wundertüte: Der Kader und die sportliche Ausrichtung wurden ursprünglich auf ein anderes System und einen anderen Führungsstil zugeschnitten. Wie schnell sich die Mannschaft auf den neuen Ton hinter der Bande einstellen kann, wird entscheidend dafür sein, wohin die Reise geht.
Bemerkenswert: Timrå IK geht komplett ohne Importspieler in die neue Saison.
Tor
Timrå verfügt über ein sehr starkes Torhütergespann mit Tim Juel und Jacob Johansson, die in der vergangenen Saison jeweils in wichtigen Statistiken zur Ligaspitze gehörten.
Juel beendete die Spielzeit mit einer beeindruckenden Fangquote und Ligabestwert von 92,9 % und wurde dafür völlig verdient als bester Torhüter der SHL ausgezeichnet.
Mit Johansson hat er jedoch einen Backup, der ihm in nichts nachsteht. In gerade einmal 24 Einsätzen brachte es Johansson auf fünf Shutouts – ebenfalls Ligabestwert. Bedeutet: Juel kann sich keineswegs zurücklehnen, wenn er seinen Status als Starter behaupten will.
Verteidigung
Die Defensive stand vor der vergangenen Saison noch im Schatten des starken Torhüterduos und war von einigen Fragezeichen begleitet – doch mehrere Spieler überraschten positiv. Vor allem Linus Nässén und Simon Forsmark machten deutliche Entwicklungssprünge und stabilisierten das Spiel von hinten.
In diesem Jahr bleibt das Grundgerüst bestehen, ergänzt durch Neuzugang Marcus Hardegård (Luleå HF), der als neuer Taktgeber und Ruhepol in der Defensive agieren soll. Dazu kommt frische Perspektive durch die jungen Verteidiger Albin Sundin (Frölunda HC) und Alfons Freij (Björkloven), die schrittweise an größere Rollen herangeführt werden.
Es ist keine spektakuläre Abwehr – aber eine, die spürbar gefestigter und breiter wirkt als noch im Vorjahr.
Angriff
Timrå stellte in der vergangenen Saison eine der gefährlichsten Offensivreihen der gesamten SHL. Die Abgänge von Filip Hållander (Pittsburgh Penguins) und Oliver Kapanen (Montreal Canadiens) wiegen allerdings spürbar, denn sie waren ein zentraler Faktor für Tempo, Kreativität und Abschlussqualität. Trotzdem ist der Kern weiterhin erstklassig besetzt: Jonathan Dahlén, Anton Wedin, Emil Pettersson, Anton Lander und Sebastian Hartmann bilden ein Fundament mit viel Spielintelligenz und Scoring-Potential.
Mit den Neuzugängen Anton Heikkinen (Skellefteå AIK), David Lilja (Luleå HF) und Marcus Westfält (Färjestad BK) wurde zudem in der Breite nachgelegt – physisch, läuferisch, spielstark. Auch Linus Eriksson gilt als Breakout-Kandidat: Sollte er den nächsten Schritt machen, gewinnt die Offensive noch einmal eine zusätzliche Dimension.
Prognose
Die Jokinen-Ära endete nach nur einem Jahr – und wer nach Fragezeichen sucht, muss nicht lange suchen. Timrå hatte den Kader auf eine langfristige Entwicklung unter Olli Jokinen und Sportchef Kimmo Kapanen ausgerichtet. Dass beide nun praktisch über Nacht weg sind, wirft zwangsläufig Schatten auf das Projekt. Mit Tommy Samuelsson hat man zwar die bestmögliche Lösung unter den gegebenen Umständen gefunden, aber die Umstellung wird Zeit benötigen.
Hinzu kommt, dass die Abgänge von Filip Hållander und Oliver Kapanen sportlich wie strukturell schwer wiegen. Die Offensive besitzt zwar weiterhin Qualität – insbesondere in den ersten beiden Reihen – allerdings ist das Gerüst im Kern etwas älter geworden, vor allem jene Spieler, die in Schlüsselrollen liefern müssen. Dass die geplante nächste Generation ihren Schritt nun unter völlig neuen Vorzeichen machen müssen, könnte die Entwicklung bremsen.
Am Ende bleibt Timrå ein nur schwer einzuschätzendes Team: Die Basis ist dennoch gut genug, um durchaus eine Playoff-Teilnahme ins Auge zu fassen.











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