„Wir könnten je Spiel 500 weitere Sitzplätze verkaufen“

Die Saison 2025/26 in der DEL2 ist vorüber, und an allen Standorten laufen die Vorbereitungen auf die neue Spielzeit. Wir haben uns mit Dirk Rohrbach, dem Geschäftsführer der Lausitzer Füchse, getroffen und mit ihm über die aktuelle Situation in der Liga und am Standort Weißwasser gesprochen.
Die Flexbande in der Eisarena konnte durch die unklare Finanzierung letztes Jahr erst sehr spät bestellt werden, sodass zunächst eine gebrauchte eingebaut wurde. Dieses Jahr wird deshalb erneut umgebaut – wie wird das den Trainingsbeginn beeinflussen?
Wenn alles normal läuft, wird die jetzige Bande bis Anfang Juni abgebaut. Danach beginnt der Einbau der neuen Flexbande. Damit können wir Ende Juli in die Vorbereitung gehen. Am 12. August soll dann das Eis bereit sein, dann beginnt auch das Torwartcamp von Sebastian Elwing. stattfinden wird.
In den letzten zwei Jahren haben die Füchse Vorbereitungsspiele in England und in Polen bestritten. Schaut Sie sich auch dieses Jahr wieder im Ausland um?
Die Planungen für die Vorbereitung laufen auf Hochtouren. Wir werden auch gegen die Eisbären spielen, aber nicht in Weißwasser. Es wird zwei oder drei Heimspiele geben, auswärts werden wir mit einem Turnier starten. Wir denken, dass solch eine Tour auch für das Mannschaftsgefüge vorteilhaft ist, und wir werden sie wieder gemeinsam mit unseren Sponsoren gestalten. Insgesamt dürften es so um die acht Vorbereitungsspiele werden.
Herr Rohrbach, Sie haben im Januar 2006 Ihr letztes Spiel als Profi bestritten und sind danach auf die Trainerbank gewechselt. Nun sind Sie seit zehn Jahren Geschäftsführer der Lausitzer Füchse. Ihr Großvater gehörte zu den Gründungsvätern des Eishockeysports in Weißwasser. Hat sich damit ein Kreis geschlossen?
Ja, ich konnte in dem Spiel sogar noch ein Tor schießen, habe mir aber nach einem Bandencheck die Bizepssehne gerissen, sodass ich danach meine Spielerkarriere leider beenden musste. Ich habe dann zum Sportmanager umgeschult und parallel damals unseren neuen Trainer Thomas Popiesch nach Weißwasser geholt, habe ihn begleitet, zunächst organisatorisch, später auch sportlich. Als Thomas nach Dresden wechselte, haben sich die Gesellschafter für mich als Trainer entschieden. Das war zwar nicht mein ursprüngliches Ziel, aber mit Ralf Hanschke an meiner Seite hat das gut funktioniert. Im Dezember 2015 haben wir dann festgestellt, dass wir neue Impulse brauchen. Ein Novum war, dass ich meinen Nachfolger als Cheftrainer selbst mit aussuchen konnte. Nach dem Wintergame 2016 baten mich die Gesellschafter schließlich, die Funktion als Geschäftsführer zu übernehmen. Das war schon eine Herausforderung, gerade die Phase der Lizenzierung, wo man sich keine Fehler erlauben darf. Ich habe mir aber auch Gedanken gemacht, was man am Standort verändern kann, welche weiteren Einnahmequellen möglich sind. Vieles haben wir gut hinbekommen, sowohl bei der Qualität auf dem Eis, aber auch neben dem Eis. Das betrifft Themen wie einen Torwarttrainer, einen Physiotherapeuten, weitere Betreuer, einen Fanshop vor der Eisarena und andere Dinge, die entstanden sind.
Von außen betrachtet sind nach Ihrem Amtsantritt 2016 viele weitere Sponsoren an Bord gekommen. Sie haben also nicht nur im Club die Effizienz erhöht, sondern auch weitere Einnahmen generiert.
Wir mussten uns damals neu aufstellen und haben versucht, neue Sponsoren mit einzubinden und auch deren Netzwerk zu nutzen. So konnten wir die Anzahl fast verdoppeln. Gerade hier im Wirtschaftsraum Lausitz ist es so, dass wir eine gewisse Basis haben, aber mit vielen kleineren Sponsoren arbeiten. Die Pflege und Betreuung braucht viel Zeit, aber gerade Sponsorenabende und andere Events sind wichtige Maßnahmen, wie auch unsere Öffentlichkeitsarbeit, z.B. die Präsenz des Teams auf den Weihnachtsmärkten in der Region. Das schlägt sich in den Zuschauerzahlen nieder. Für den Erfolg sind aber auch meine Mitarbeiter verantwortlich: Ich kann zwar Ideen geben, aber nicht alles allein umsetzen.
Ihre Vision ist nach wie vor die einer Hockeyakademie, in der junge Spieler zielgerichtet ausgebildet werden können. In der Region, aber leider vor allem auch außerhalb, werden aus den sogenannten Strukturfördergeldern alle möglichen Projekte finanziert, ohne dass man den Eindruck hat, dass daraus wirklich neue Strukturen und Arbeitsplätze entstehen. Wie sieht die Entwicklung hier für Weißwasser aus?
Ich beschäftige mich mit dem Thema schon seit vielen Jahren und bin als Stadtrat und stellvertretender Oberbürgermeister in Weißwasser mit der Lokal- und Landespolitik sehr vertraut. Man braucht einen langen Atem. Wir benötigen wir attraktive Projekte, welche langfristig wirken. Da geht es nicht um Arbeitsplätze in Behörden, sondern wir brauchen vor allem Industriearbeitsplätze, welche die gut bezahlten Jobs in der Kohleindustrie ersetzen können. Da sehe ich noch nicht das richtige Verhältnis, auch bezogen auf Industriestandorte wie Schwarze Pumpe und Boxberg. In Weißwasser reden wir schon seit zehn Jahren über die Erweiterung des Industrieparks, uns fehlen aber die Ausgleichsflächen aufgrund unserer Lage. Auf der einen Seite sind Tagebauflächen, auf der anderen Seite der Truppenübungsplatz und die Grenze nach Polen. Aber für Industrieansiedlungen sind auch weiche Faktoren im Tourismus- und Freizeitbereich wichtig. Wir könnten eine Sportstadt werden, doch leider werden Schule und Sport nicht aus Strukturmitteln gefördert. Dann muss man aber Wege finden, wie es gehen kann. Seit fünf Jahren versuchen wir, hier zumindest Auskünfte von den zuständigen Stellen zu bekommen. Selbst das ist schwierig. Aber wir brauchen bessere Rahmenbedingungen, um auch hier die Nachwuchsentwicklung und damit den Standort zu sichern. Dabei geht es nicht um mich, sondern um Weißwasser und die Region. Selbst wenn wir morgen mit dem Projekt beginnen sollten: Bei Fertigstellung wäre ich ziemlich sicher in Rente.
Welche Maßnahmen sind denn aus Ihrer Sicht realistisch?
Eine Sportakademie mit einer zweiten Eisfläche, eine Halle mit zwei oder drei Feldern, in der auch andere Sportarten trainieren können. Dazu ein Internat in Kombination mit einem Schulcampus. Das Wichtigste wäre eine Veranstaltungsfläche mit Begegnungscharakter. Wir sehen es an unseren Zuschauerzahlen: Die Sitzplätze sind immer ausverkauft. Ich bin davon überzeugt, dass wir je Spiel 500 weitere Sitzplätze verkaufen könnten. Wenn wir solch ein Projekt gut gestalten, vielleicht sogar energieautark, kann man so eine Halle auch rentabel ohne Zuschüsse durch die Stadt betreiben. Aber dafür müssen wir uns in der Region mit allen anderen Kommunen erst einmal einig sein. Nur dann passiert am Ende in Dresden bzw. Berlin etwas. Es ist leider schon viel zu viel Geld in Projekte in Regionen geflossen, wo nie ein Kohlebagger gestanden hat. Es wäre für uns als Club, aber vor allem für die Region so wichtig, dass sich etwas tut. Kurzum: Eine größere Multifunktionsarena und Ausschankrechte, die wir als einziger DEL2-Standort noch immer nicht haben, und wir könnten durch die Mehreinnahmen um den Meistertitel mitspielen.
Herr Rohrbach, wir danken für dieses Gespräch und wünschen Ihnen für die neue Saison viel Erfolg.














