„Wirtschaftliche Vernunft hat immer Vorrang“

Die Saison 2025/26 in der DEL2 ist vorüber, und an allen Standorten laufen die Vorbereitungen auf die neue Spielzeit. Wir haben uns mit Dirk Rohrbach, dem Geschäftsführer der Lausitzer Füchse, getroffen und mit ihm über die aktuelle Situation in der Liga und am Standort Weißwasser gesprochen.
Herr Rohrbach, Sie sind am Ende über die Pre-Play-offs gegen die Eispiraten Crimmitschau ins Viertelfinale gegen Kassel gekommen und dort erst in Spiel 6 knapp ausgeschieden. Sind Sie mit der Saison 2025/26 zufrieden?
Grundsätzlich war es, vor allem wenn man die Saison insgesamt betrachtet, eine sehr ordentliche sportliche Leistung. Wir hatten vier Spieltage vor Ende der Hauptrunde die Pre-Play-offs und damit den Klassenerhalt gesichert und bis auf eine kleine Ausnahme zum Jahresbeginn 2026 nichts mit der Abstiegsrunde zu tun. Das war durch viele Verletzungen bedingt, zudem waren einige U-20-Spieler noch bei der Nationalmannschaft. Gerade in den wichtigen Phasen der Saison hat sich die Geschlossenheit der Mannschaft gezeigt. Die Coaches haben die Mannschaft so erreicht, dass wir gutes, attraktives, offensives Eishockey gezeigt haben, hinten immer sicher mit Anthony Morrone im Tor. Zum Schluss hatten wir leider viele Verletzungsausfälle, sodass wir nicht das notwendige Quäntchen Glück hatten, um Kassel in den Play-offs niederzuringen. Aber wir haben eine starke Serie geliefert und hätten es fast bis in Spiel 7 geschafft. Für alle Beteiligten, sowohl Team, Staff, Sponsoren und Fans, war es ein würdiger Abschied. Kein Weißwasseraner Fan ging nach der knappen Niederlage im letzten Spiel einfach nach Hause. Diese Geschlossenheit war während der gesamten Saison sehr wichtig. Auch in der neuen Spielzeit werden wir wieder einige Events haben, um neue Spieler zu integrieren.
Jens Baxmann hat als Sportlicher Leiter mehrere Jahre die Mannschaft geformt. Er hat die Füchse im November ausgerichtet in Richtung des Erzrivalen Dresdner Eislöwen verlassen. Wie lief das ab und wie haben Sie seinen Weggang kompensiert?
Wir haben uns entschieden, diese Stelle erst einmal nicht neu zu besetzen. Als klar war, dass wir die Pre-Play-offs erreichen würden, haben wir die Verträge mit dem gesamten Trainerteam verlängert. Damit ging die Kaderplanung auch auf die Coaches über. Die Kontinuität mit Christoph Kreuzer als Cheftrainer und André Mücke als Co-Trainer sowie František Gistr, der für die Torhüter verantwortlich ist, ist uns sehr wichtig. Vor allem die Harmonie und die klare Aufgabenverteilung im Coachingbereich funktionieren sehr gut. Deshalb war ich sehr froh, dass wir uns schnell geeinigt haben und das Trainerteam die sportlichen Themen entscheidet. Bei organisatorischen Fragen unterstützen wir aus der Geschäftsstelle.
Wie sehen Sie die weitere Kooperation mit den Berliner Eisbären?
Ich gehe davon aus, dass wir die erfolgreiche Zusammenarbeit fortsetzen und bin im regelmäßigen Austausch mit Stéphane Richer. Wir werden sehen, welche Spieler wir aus Berlin bekommen können. Da viele noch in der Schule oder in der Ausbildung sind, werden einige sicher nicht regelmäßig in Weißwasser sein. Dennoch ist es eine sehr gut funktionierende Kooperation, und ich sehe nicht, dass eine der beiden Seiten das infrage stellen wird. Schaut man sich das DEL-Finale an, sehe ich die Erfolge: Jonas Stettmer ist MVP geworden, wir haben ihn zwei Jahre lang mit ausbilden dürfen. Auch Spieler wie Eric Mik, Lennard Nieleck und Moritz Kretzschmar haben bei uns sehr erfolgreich gespielt. Kooperationen müssen immer im Sinne des Spielers funktionieren, dazu gehört, dass sie bei uns die notwendige Eiszeit bekommen.
Wie läuft jetzt Ihre Kaderplanung? Sie hatten eine Reihe von Abgängen, konnten aber den Kern der Mannschaft zusammenhalten, darunter so wichtige Spieler wie Anthony Morrone und Lane Scheidl.
Grundsätzlich ist es so, dass wir mehr Spieler in Weißwasser halten konnten als in den Vorjahren. Dennoch tut der eine oder andere Abgang weh. Unser Ziel ist es, die Mannschaft bis Ende Juni fast komplett zu haben. Mit Clemens Sager und Lenny Elwing konnten wir bereits zwei wichtige U-21-Spieler verpflichten. Hinzu kamen mit David Rundqvist und Samuel Schindler zwei Akteure mit reichlich DEL2-Erfahrung, außerdem kommt Brett Humberstone aas der Oberliga. Im Moment ist ordentlich Bewegung in der Liga zu spüren, man muss auch schauen, was Krefeld macht. Wir sind mit weiteren interessanten Spielern im Gespräch. Wichtig für uns ist, dass die wirtschaftliche Vernunft immer Vorrang hat.
Mit den Memmingen Indians kommt ein neues Team in die DEL2. Wie sehen Sie die Entwicklung in der Oberliga? Dort haben viele Clubs mittlerweile Probleme, einen Etat zusammenzubekommen und sind teilweise freiwillig ausgeschieden. Kann das auch für die DEL2 ein Thema werden?
Das sehe ich für die DEL2 nicht. Wir sind 14 Clubs, in den Oberligen sind es dagegen fast 30. Da ist es immer so, dass es wirtschaftlich mal an einem Standort schwierig sein kann. Aber auch wir in der DEL2 müssen genau kalkulieren, vor allem mit Blick auf die gestiegenen Energiepreise. Das hat Einfluss auf die Sponsoring-Einnahmen, da diese ja genauso betroffen sind.
Morgen sprechen wir mit Dirk Rohrbach über die Umbauten in der Eisarena, die Vorbereitung – und seine langfristige Vision für Weißwasser.














