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Der neue Coach stellt sich in Berlin vor

Eisbären-Trainer Éric Dubois. „Ich werde immer ein Lehrer sein“

Lesedauer: 5 Minuten
Der neue Eisbären-Trainer Éric Dubois im Gespräch mit Ronald Toplak.
Der neue Eisbären-Trainer Éric Dubois im Gespräch mit Ronald Toplak. (Foto: Toplak)

Hockeyweb-Reporter Ronald Toplak traf Éric Dubois, den neuen Cheftrainer der Eisbären Berlin. Und fand gemeinsame Interessen.

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Manchmal braucht es nicht viel, um Aufmerksamkeit zu bekommen. Eine Geste. Ein Lachen. Ein Satz. Oder einfach nur ein T-Shirt. Black Sabbath. „Das ist mir sofort aufgefallen, als du reingekommen bist!“ Éric Dubois lächelt. Das erste Treffen. Die Eisbären Berlin haben ins Restaurant Alex zur Vorstellung des neuen Cheftrainers geladen, direkt gegenüber der Uber Arena, der künftigen Heimat seines neuen Alltags.

Er wirkt nicht wie jemand, der angekommen ist, sondern wie jemand, der gerade erst aus dem Flugzeug gestiegen ist und trotzdem schon sitzt, als wäre er nie woanders gewesen. Seine Frau Jill ist an seiner Seite. Freundlich. Wach. Offen. Der Eindruck: kein Auftritt, eher ein gemeinsames Dasein im Raum. „Mein Bruder ist großer Fan“, sagt er wegen meines schmucken Leibchens. Er lacht. „Ich mag Musik aus den 70ern.  Genesis zum Beispiel. Oder Canadian Classic Rock.“ Jill ergänzt sofort: „Rush. Die finden wir gut.“ Ein kurzer Moment kippt ins Persönliche, fast beiläufig.  „Rush kommen Anfang des kommenden Jahres nach Berlin“, sage ich. Jill schaut überrascht. „Ehrlich? Éric, da müssen wir hin.“ Ein Tisch, der sich für einen Augenblick nicht mehr nach Vorstellungsgespräch anfühlt, sondern nach Gespräch. Nach Begegnung. „Das machen wir“, sagt er. So es die Zeit erlaubt.

Zwischen Schnitzel, Bowls und Putenbrust rückt aber schnell das Wesentliche näher. Dubois sitzt mit einer Schlinge am Arm. Schulter-OP. Sichtbar eingeschränkt, aber nicht gehemmt. Eher ruhig. Die Eisbären sind sein erster Job als Cheftrainer eines Profi-Männerteams. Gleich der DEL-Rekordmeister. „Ein großer Schritt“, sagt er. Ergänzt aber unmissverständlich: „Nein, nicht zu groß!“ Er begreift es als Chance: „Eine außergewöhnliche Möglichkeit. Ich musste nicht lange überlegen.“

Zuletzt arbeitete der 56-Jährige als Co-Trainer beim ERC Ingolstadt. Davor in der AHL bei den Manitoba Moose in der Organisation der Winnipeg Jets. Neun Jahre im System, Entwicklung, Arbeit mit jungen Spielern, der lange Weg Richtung NHL. „Mein Job war es, Spieler an die NHL heranzuführen. Ich war sozusagen ein Lehrer.“ Er sagt das ohne Pathos. Eher wie eine Beschreibung eines Handwerks. Er sieht sich als Ausbilder. Förderer. „Ich werde immer ein Lehrer bleiben.“ Dieser Satz bleibt kurz hängen, ohne sich aufzudrängen. Er spricht über den Moment, als der Anruf aus Berlin kam. Über Überraschung, über Respekt vor der Aufgabe, über den Wechsel aus einer Entwicklungsrolle in die Verantwortung eines Spitzenklubs. „Ich war erstaunt, als ich gehört habe, dass Serge Aubin geht. Aber auch, als Sportdirektor Stéphane Richer mich dann angerufen hat.“ Er weiß, dass es Skepsis gibt, reagiert nicht defensiv, eher sachlich. „Ich verstehe das. Ich beschäftige mich aber nur mit Dingen, die ich selbst beeinflussen kann.“ Neben ihm sein neuer Boss Richer, der nicht lange auf Nachfragen wartet. „Ganz ehrlich, Leute: Wer kannte Don Jackson oder Serge Aubin, als sie hier angefangen haben?“ Er schaut in die Runde. Nickt. Fast triumphierend. „Na also.“

Dubois selbst bleibt bei sich. Er arbeitet bereits an seiner ersten Kabinenansprache „Die muss sitzen.“ Er weiß, was ihn erwartet. Ein Klub, der gewonnen hat. Ein Klub, der Titel als Normalzustand kennt. „Ich übernehme eine Mannschaft, die weiß, wie man gewinnt. Ich will Teil dieser Titelmentalität sein.“

Sein Hockey ist klar umrissen: Tempo, schnelles Umschalten, Druck auf den Gegner. Gleichzeitig der nüchterne Blick: Ohne Defensive kein Titel. Es ist kein Dogma. Eher eine Balance. Der Klub selbst ist im Umbruch. Assistent Rob Collins verlässt die Organisation. André Rankel übernimmt mehr Verantwortung. Ein weiterer Co-Trainer wird gesucht. Strukturen verschieben sich, während der neue Trainer ankommt.

Abseits davon ein anderes Bild: Jill, die in Berlin bereits erste Wege geht. Atlanta als Herkunft, nun die neue Stadt. Sie erkundet die Einkaufszentren, die Straßen, die Wege dazwischen. Das KaDeWe habe sie besonders beeindruckt, sagt sie. „Wir fühlen uns wohl hier. Wir sind glücklich.“ Ein Satz, der leise bleibt, aber viel Raum öffnet.

Auch der Sohn Pierre-Luc spielt eine Rolle im Gespräch, nicht als Mittelpunkt, Eher im Hintergrund. Er ist NHL-Spieler bei den Washington Capitals, kennt den Weg in die höchste Liga. Gleichzeitig Fußballfan, war bei sogar bei der EM in Deutschland im Stadion, auch in Berlin. Der Papa selbst blickt nach Kanada, seinem Heimatland. Dort findet bekanntlich ab kommender Woche die Fußball-WM statt. Neben den USA und Mexiko. Er hofft auf einen Schub, auf mehr Aufmerksamkeit, auf Entwicklung. Sport als Sprache, die über Eishockey hinausgeht.

Am Ende bleibt ein Bild, das sich nicht sofort aufdrängt. Kein lauter Trainer, kein großer Auftritt, kein klassisches Machtwort. Eher jemand, der zuhört, beobachtet, einordnet. Das ist der Punkt, um sein Mantra zu wiederholen. „Ich werde immer ein Lehrer sein." Vielleicht beginnt in Berlin genau damit etwas Neues. Vielleicht auch nicht. Aber wenn es beginnt, dann nicht extrovertiert. Dennoch mit Tempo. Mit einem Plan. Und irgendwo zwischen Black Sabbath, Kabinenansprache und Titelmentalität steht die leise Hoffnung, dass diese Geschichte mehr wird als ein Wechsel auf der Trainerbank.

Ein neuer Rausch. Für die Eisbären. Für Dubois. Für eine Idee von Hockey, die nicht zu Ende erzählt ist.

Und ich? Habe ein Date mit dem Ehepaar Dubois. Im Februar 2027. Zum Konzert von Rush in der Uber Arena. Ich bin auch da. Meine Freundin Carol hat mich eingeladen. Sie ist in Kanada aufgewachsen. Passt.

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