Die unfassbare Relegationsgeschichte zwischen Köln und Mannheim

Das Duell der Kölner Haie mit den Adlern Mannheim, das am Sonntag in der Domstadt einmal mehr ansteht, ist eines dieser Spiele, das gerne als Klassiker bezeichnet wird. Die Geschichte der Eishockeyspiele zwischen Köln und Mannheim geht jedoch weit über die 1994 entstandene Deutsche Eishockey-Liga hinaus. Oder haben Sie schon einmal von den Relegationsspielen in den Jahren 1948 und 1949 gehört? Hier ist die Geschichte dazu.
Wo fangen wir nur an? Ende der 1940er-Jahre war die Anzahl der Eisstadien noch gering. Der gerade zu Ende gegangene Krieg stellte die Vereine bei ihren Versuchen des sportlichen Wiederaufbaus für riesige Probleme. In Nordrhein-Westfalen gab nach 1945 nur zwei noch halbwegs benutzbare Eisstadien – jene in Krefeld und Köln. Düsseldorf, Dortmund und Essen waren so schwer beschädigt worden, dass ein Eisbetrieb zunächst einmal nicht möglich war. Mehr Eisflächen gab es in NRW damals noch nicht.
Bereits in der Saison 1947/48 gab es eine Ligarunde um die Deutsche Meisterschaft. Zur Folgesaison wurde die Oberliga als damals höchste Spielklasse neu gegründet. Sechs Mannschaften sollten in der Spielzeit 1948/49 mitmachen, der Krefelder EV jedoch verzichtete. Preußen Krefeld, das zahlreiche Spieler der Düsseldorfer EG aufgenommen hatte, war dabei. Um den sechsten Startplatz zu vergeben, wurde vor der Saison eine Qualifikationsrunde angesetzt. Da in den meisten Eisstadien unter freiem Himmel gespielt wurde, war ein Saisonauftakt vor November so gut wie unmöglich. Es musste also halbwegs schnell gehen. Nach einigen Vorausscheidungsspielen fanden sich drei Mannschaften, die die Endrunde der Qualifikation bestritten: Der Kölner Eis-Klub (aus dem 1972 durch die Ausgliederung der Eishockey-Abteilung der heutige KEC hervorgegangen ist), die SG Mannheim (nicht der MERC) und der Harvestehuder THC, der heutzutage vornehmlich als (Feld-)Hockey- sowie Tennisverein bekannt ist.
Schon früh war klar: Der Verein, der die „Quali“ schafft, wird in Zeitnot sein. Also ging es los. Zwischen den Hamburgern und den Mannheimern ging es zur Sache, am Ende gewann die SG beide Partien: mit 4:0 in der Hansestadt sowie mit 5:4 daheim. Der KEK gewann in Mannheim mit 5:1 und spielte daheim 4:4 unentschieden. Am 11. Dezember setzten sich die „Noch-nicht-Haie“ daheim gegen den HTHC mit 8:4 durch, gewannen eine Woche später mit 5:2 auf der Eisbahn der Parkanlage „Planten un Blomen“ – tags darauf ging noch ein Freundschaftsspiel gegen die Hamburger mit 0:4 an gleicher Stelle verloren, das war aber unwichtig. Wie schon vor dem Krieg war das „wichtige“ Spiel eingebettet in eine große Eissportveranstaltung mit diversen Sportarten. Und um den Zuschauern etwas zu bieten, gab es gleich zwei Eishockeyspiele.
Mit diesen Ergebnissen stand der KEK als Sieger der Qualifikationsrunde fest und bestritt am 2. Januar 1949 sein erstes Oberliga-Spiel beim VfL Bad Nauheim, das laut Kölnischer Rundschau von damals mit 1:3 verloren gingen; andere Quellen sprechen von einem 0:3, aber das 1:3 ist wohl richtig (da ein Torschütze genannt werden konnte). Scheinbar spielten die Kölner kurz darauf auch beim HC Augsburg, doch dieses Spiel wurde laut Rundschau wieder annulliert, denn inzwischen hatte die SG Mannheim Protest eingelegt. Offenbar war die Wechselsperre von Torhüter Heinz Wackers, der von Krefeld nach Köln gekommen war, noch nicht abgelaufen. Also wurde der 5:1-Sieg des KEK in Mannheim annulliert und für den 19. Januar 1949 ein Wiederholungsspiel angesetzt (es könnte auch der 23. Januar gewesen sein; die Quellen dieser Zeit sind mitunter nicht ganz eindeutig). Diesmal setzte der KEK im Tor auf Otto Spürck, der bereits seit Gründung des Vereins im Jahr 1936 dabei war. Auch er ließ nur einen Treffer zu. Köln gewann diesmal sogar mit 7:1 und war „nun endgültig“, wie es damals in der Rundschau hieß, Oberligist. Das Spiel in Bad Nauheim blieb in der Wertung. Die vor dem Wiederholungsspiel ausgetragenen Spiele gegen Preußen Krefeld im Rahmen der „Rheinland-Meisterschaft“ konnten aber nicht für die Oberliga wie zuvor geplant doppelt gewertet werden und wurden für den 20. und 23. Februar 1949 neu angesetzt. Als die Eissaison längst vorbei war, hatte der KEK sieben seiner zehn Oberliga-Spiele verloren, war Letzter, sodass auf das Heimspiel gegen den VfL Bad Nauheim und beide Partien gegen den SC Riessersee verzichtet wurde.
War die „Relegationsgeschichte“ zwischen dem KEK und der SG Mannheim damit erledigt? Dazu ein klares: Nein! Denn als Letzter mussten die Kölner erneut in die Relegation und wieder war der Gegner die SG Mannheim. Allerdings hatte sich das Team der „Mannheimer Sportgesellschaft“, wie der Verein in „lang“ hieß, stark verändert. Und erst am Tag des Relegationsrückspiels fand in Mannheim die Saisoneröffnung des Eisstadions statt. Das heißt: Praktisch kein Training – und einige Spieler standen nicht zur Verfügung. So sagten die Mannheimer das für den 12. November 1949 geplante Hinspiel in Köln ab (der KEK absolvierte stattdessen ein Freundschaftsspiel gegen den Krefelder EV) und auch für das Rückspiel am 27. November 1949 standen den Mannheimern nicht genügend Spieler zur Verfügung, sodass beide Partien für Köln gewertet wurden.
Am Tag des Rückspiels gab es dann aber noch ein Spiel: Weil die Saisoneröffnung stattfand, verstärkten einige Spieler des HC Augsburg das Mannheimer Team, sodass den Zuschauern zumindest ein Freundschaftsspiel geboten werden konnte, wie der Mannheimer Morgen damals berichtete. Am Ende wurde es eine spannende Partie, die mit einem 3:3-Unentschieden zu Ende ging.
Und nein, ein Penaltyschießen gab es damals noch nicht.
Das erste Spiel zwischen dem Kölner EK und dem Mannheimer ERC fand übrigens am 18. Februar 1940 in der Domstadt statt; die Gäste gewannen mit 12:1. Zur Folgesaison standen sich beide Vereine im „Rheinland-Pokal“ gegenüber. In Köln gewann der MERC mit 13:0 (am 18. Februar 1940), daheim in Mannheim folgte ein 9:1-Erfolg am 25. Dezember 1940.
Die KEK-Aufstellung in der Saison 1948/49: Torhüter: Spürck, Wackers; Verteidiger: Kirschbaum, Ulbrich; Stürmer: Giorlani, Brandenburg, Fink, Ponzella, von Skotti, Frankenhain.
(Bei der Recherche für diesen Artikel war nicht nur ein Gang in das schicke neue Kölner Stadtarchiv hilfreich. Buchautor und Eishockey-„Superstatistiker“ Stephan Müller sowie der Duisburger Eishockey-Sammler und Icehopper Rolf Hang-Stockenschneider, der einst für das legendäre „Eishockey-Magazin“ tätig war, waren ebenfalls, erneut, eine sehr große und freundschaftliche Hilfe.)














