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Ein kühnes und kühles Experiment

Nicht erst 1936: Eishockey in Köln gab es schon vor 97 Jahren

Lesedauer: 4 Minuten
Die deutsche Nationalmannschaft bei der Eishockey-Europameisterschaft 1929 in Budapest. Rudi Ball (3. Spieler von rechts) war einige Monate später beim Premierenspiel in Köln (wahrscheinlich) dabei.
Die deutsche Nationalmannschaft bei der Eishockey-Europameisterschaft 1929 in Budapest. Rudi Ball (3. Spieler von rechts) war einige Monate später beim Premierenspiel in Köln (wahrscheinlich) dabei. (Foto: dpa/picture alliance/Schirner Sportfoto)

In diesem Jahr, also 2026, wird das Eishockey in Nordrhein-Westfalen 90 Jahre alt. Grob gesprochen. Die Düsseldorfer EG war bereits etwas schneller. Sie wurde am 8. November 1935 gegründet, das erste Eishockeyspiel einer Krefelder Mannschaft gab es am 7. November 1936 – der KEV wurde im gleichen Jahr gegründet. Und der Kölner EK erblickte am 29. September 1936 das Licht der Welt.

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Doch Hand aufs Herz: Wer wusste, dass das erste Eishockeyspiel in der Domstadt bereits am 30. August 1929 für Begeisterungsstürme sorgte?

Das klingt schon ein wenig verrückt, oder? Das erste Spiel noch bevor das Eis- und Schwimmstadion an der Amsterdamer Straße, wie es zunächst hieß, überhaupt gebaut war? Wollen wir uns gemeinsam ein wenig mehr verwirren? Gerne. Das Spiel fand in der Rheinlandhalle statt. Nicht in Krefeld, sondern in Köln-Ehrenfeld.

Gut, dröseln wir das alles mal ein wenig auf. Eishockey in Nordrhein-Westfalen gibt es seit der Mitte der 1930er-Jahre. Neben Düsseldorf, Krefeld und Köln konnte in Dortmund und in Essen gespielt werden. Die meisten Eisstadien waren damals offene Arenen. Um Eissport betreiben zu können, musste es kalt sein. Kunsteisbahnen waren teuer und aufwendig – aber schon lange keine Unmöglichkeit. Die erwähnte Rheinlandhalle entstand 1927 durch den Umbau einer früheren Werks- in eine Veranstaltungshalle. Sport gab es dort von Anfang an – allerdings Radsport. Von 1928 bis 1933 gingen die Kölner Sechstagerennen in Ehrenfeld über die Bühne.

Doch im Sommer 1929 überschlugen sich die Meldungen: Eishockey bei hohen Temperaturen? Im Rheinland? Das ging! Hintergrund war, wie beispielsweise die Kölnische Zeitung am 24. Juli 1929 berichtet, das von einem Ingenieur namens Gurth entwickelte Eis-Opal-Verfahren – betrieben von der: Eis-Opal-Gesellschaft. So entstand eine künstliche Eisfläche, die vor allem auch dem öffentlichen Lauf dienen sollte. Für andere Sportveranstaltungen sollte die Fläche überdeckt werden. Das klingt wie das übliche Vorgehen in großen Arenen ein Jahrhundert später.

Eis schlägt bekanntlich keine Wellen, das erste Eishockeyspiel in Köln am 30. August 1929 aber schon. Und das im gesamten Rheinland. Bereits am Montag, 2. September, war dieses Spektakel der Rhein-Ruhr-Zeitung in Duisburg einen Seitenaufmacher wert. Schon aus dem ersten Satz des Artikels spricht der schiere Unglaube: „Derweil die liebe Sonne ihre brennenden, ja sengenden Strahlen zur Erde sendet, spielt man in der Kölner Rheinlandhalle Eishockey.“ Weiter heißt es: „Richtiggehendes Eishockey in unserer nächsten Umgebung, das dazu in dieser Jahreszeit, klingt etwas merkwürdig. Der sportliebende Kölner wollte denn den Ankündigungen auch nicht recht Glauben schenken, folgte aber doch den Einladungen und war hernach berauscht.“

Den Spieluntergrund beschreibt dieser Artikel schließlich so: „Was den Schlittschuhkünstlern und Eislauffreunden just den Eislauf ermöglicht, ist eine chemische Bindung einer Masse, die nahezu vollprozentig aus Wasser besteht und bei 90 Grad Celsius (ja, das steht da wirklich, d.Red.) auf Holzboden aufgetragen wird. Diese Masse wird allerdings im Freien den Anforderungen nicht ganz gerecht und [kann] durch Regen beeinflusst werden. In der Halle selbst wird eine Schmelze erst bei hohen Temperaturen eintreten.“

Über einen solchen „Spielboden“ verfügte der Brandenburgische Eissport-Verband, der ihn für „Werbe-Wandervorstellungen“ einsetzte. Auch die Eishockey-Mannschaften brachte der Verband in Form von zwei Auswahlmannschaften aus Berliner Vereinen gleich mit.

Auch die (Nach-)Namen der Spieler dieser Partie in Köln sind überliefert: Brandenburg 1: Schmidt, Lehninger, Grimm, Kortz, Grahl (alle SC Charlottenburg), Ball 3 (Berliner SC); Brandenburg 2: Kaufmann, Prange, Summetz, Kuklinski (alle SC Brandenburg Berlin), Reschl (Berliner SC), Solmtzen (Zehlendorfer Wespen). Letztlich gewann die rot-weiß gekleidete Mannschaft – wie sollte es in Köln anders sein – gegen die weiße Mannschaft mit 3:2 (0:1, 2:1, 1:0). Bei „Ball 3“, früher eine übliche Bezeichnung in Aufstellungen, könnte es sich tatsächlich um den berühmten Rudi Ball handeln, da er der jüngste der drei Ball-Brüder war.

„Nach dem Spiel gab es manch frohes Wiedersehen in den Kabinen, oft wurde die Hoffnung ausgesprochen, dass auch hier im Westen der Eishockeysport sich bald durchsetze, gerne würde man weitere Werbespiele, deren nächste in Remscheid steigen werden, durchführen“, hieß es im Artikel der Rhein-Ruhr-Zeitung. Da viele Eishockeyspieler, die sich damals in Köln die Ehre gaben, auch erfolgreiche Leichtathleten waren, gaben zwei von ihnen, Schmidt und Lehninger, dem Duisburger Reporter noch ein offenbar dringendes Anliegen mit auf den Weg: „Vergessen sie nicht meine Grüße für P.C. Mehlkopf und W. Knehe von den Duisburger Preußen.“ Auch die Kölnische Zeitung war begeistert: „Obgleich die Spieler bisher wenig Übungsgelegenheit hatten, führten sie einen rasenden und erbitterten Kampf vor, der die Zuschauer zu Beifallsstürmen hinriss.“

Eigene Cracks konnten die Kölner allerdings erst acht Jahre später bewundern. Der Kölner EK baute eine Mannschaft aus jungen Spielern der eigenen Stadt auf und gewann am 27. Februar 1937 sein allererstes Freundschaftsspiel auswärts gegen die Reserve des Krefelder EV mit 2:0. Im ersten Heimspiel am 1. März 1937 folgte ein 1:1 gegen die Junioren der Düsseldorfer EG. Zur Eröffnung des Eis- und Schwimmstadions an der Amsterdamer Straße spielte die HG Nürnberg am 12. Dezember 1936 gegen Altona 93 und gewann mit 2:0.

Den Anfang aber machten jene Berliner Spieler am 30. August 1929 in der Kölner Rheinlandhalle.

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