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Hockey History

Der Westeuropapokal: Als Düsseldorf, Krefeld und Köln international ganz oben standen

Lesedauer: 11 Minuten
In der Saison 1961/62 gewann der Kölner EK seine Gruppe im Westeuropapokal.
In der Saison 1961/62 gewann der Kölner EK seine Gruppe im Westeuropapokal. (Archiv: Sammlung Keßler)

Den Europapokal im Eishockey? Den hat noch nie ein deutsches Team gewonnen. Egal ob es der 1965 ins Leben gerufene klassische Wettbewerb war, die heutige Champions Hockey League oder die European Hockey League. Die von den Clubs organisierte European Trophy ging 2010 immerhin an die Eisbären Berlin. Doch zuvor gewannen schon die Düsseldorfer EG, der Krefelder EV, der Kölner EK und sogar der EHC Düsseldorf einen internationalen Wettbewerb – den beinahe völlig in Vergessenheit geratenen Westeuropapokal.

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Wer sich mit alten Eishockey-Tabellen, dem Sammeln von Ergebnissen und mit kuriosen Wettbewerben beschäftigt, hat von ihm gehört. Der Westeuropapokal? Ja, den gab es. Wurde in den 50ern und 60ern gespielt. Wie die Ergebnisse waren? Wer ihn gewonnen hat? Selbst unter Experten gab es dann nur Antworten, die zwischen „Das war wohl so irgendwie“ und einem Schulterzucken schwankten. Wenn man nun selbst Sportjournalist und, ja zugegeben, Statistik-Nerd ist, juckt es nun freilich in den Fingern. Es muss doch herauszufinden sein, wer da wann gegen wen gespielt hat und wer diesen Wettbewerb gewonnen hat! Freilich, einige rudimentäre Informationen sind online zu finden. Aber nichts Vollständiges. Was also tun? Online wurden nun belgische und niederländische Zeitungsarchive gewälzt, für deutsche Zeitungen gibt es so etwas für die Vorkriegszeit, einige wenige weitere online verfügbare Archive – und zu guter Letzt ging es in die Stadtarchive von Köln, Düsseldorf und Krefeld, um dort direkt in alten Zeitungen zu stöbern.

Der Wettbewerb, dessen Name zwischen Westeuropapokal, Nordwesteuropapokal, Westeuropacup und Lippens-Cup (benannt nach dem belgischen Grafen Lippens, der die Trophäe gestiftet hatte) hin und her schwankte, wurde bereits zur Saison 1936/37 ins Leben gerufen. Damals war der nationale Ligenbetrieb noch sehr rudimentär, da es nur wenige Vereine und wenige Eisstadien gab, die zudem meist offen waren. Da kam die Idee eines zusätzlich in der gesamten Saison gespielten Wettbewerbs gut an. Die Teilnehmer kamen vornehmlich aus Belgien, den Niederlanden und Deutschland. Und: der Westeuropapokal stellte diesseits des Atlantiks den ersten grenzübergreifenden Spielverkehr her.

In der Premierensaison dominierte Etoile du Nord Brüssel das Geschehen – in deutschen Zeitungen meist wörtlich übersetzt als „Nordstern Brüssel“ bezeichnet. Auch Blue Six Amsterdam war dabei, ein legendärer früher Verein in den Niederlanden. Aus Deutschland gingen die Düsseldorfer EG und der Krefelder EV an den Start – die DEG wurde Zweiter. Ein Jahr später toppten die Rheinländer dieses Ergebnis, gewannen den Westeuropapokal, wobei sich 1937/38 erstmals das zeigte, was später sinnbildlich für diesen Wettbewerb wurde: Es wurden nicht alle Spiele absolviert. Damals fand das Rückspiel der DEG beim EV Westfalen Dortmund nicht statt, was aber am Tabellenstand ohnehin nichts mehr änderte. Apropos Fingerzeig: 1938/39 gingen nur noch zwei niederländische und zwei belgische Vereine ins Rennen – weil den deutschen Teams wurde vonseiten der so genannten Reichssportführung nahegelegt worden war, auf die Teilnahme zu verzichten. Internationaler Spielverkehr war im Sport nicht mehr gewünscht. Kein Wunder. Ein paar Monate später versank Europa im Krieg.

Die Recherche zum ersten Nachkriegswettbewerb um den Westeuropapokal stellte sich schwierig dar – denn die Saison 1948/49 verlief einigermaßen chaotisch. Auch das verwundert kaum. Etliche Eisstadien in Europa waren schwer beschädigt und gar zerstört. So ging in dieser Saison mit dem Racing Club Paris erstmals eine französische Mannschaft an den Start, die aber nur ein Heimspiel bestreiten konnte, dafür zweimal auswärts beispielsweise gegen Cercle des Patineurs Lüttich spielte. Andere Teams standen sich, praktisch zur Kompensation ausgefallener Spiele, dreimal gegenüber. Die Tabelle war am Ende entsprechend „schief“, als Sieger stand aber schließlich der HHIJC Den Haag fest, der letztlich mit neun Erfolgen in 13 Saisons zum Rekordsieger des Westeuropapokals wurde.

Die Saison 1949/50 war dagegen ungewöhnlich – denn: alle acht teilnehmenden Teams absolvierten ihre Partien vollzählig. Hier war das Stöbern in französischen Zeitungsarchiven interessant – denn nicht immer fanden die Spiele auf Eisflächen statt, die die richtige Größe hatten. So wurde gerade in Frankreich auch schon mal auf einer deutlich zu kleinen Eisfläche gespielt. Die Nachkriegszeit machte erfinderisch.

In der Spielzeit 1950/51 sah es dann schon wieder nicht so gut aus. Zehn Mannschaften gingen ins Rennen, eine davon zog zurück, der Rest kam nicht auf die geplanten 16 Saisonspiele. Besonders bitter lief es für die französischen Teams Chamonix HC, Racing Club Paris und CO Billancourt, die jeweils nur auf neun ihrer 16 Partien kamen. In dieser Saison war zwar noch kein deutscher Verein am Start, wohl aber ein Team aus Deutschland: Es handelte sich um eine Soldatenmannschaft der US Air Force, die in Garmisch stationiert war, nach vier Partien, allesamt auswärts, aber wegen Spielermangel wieder aussteigen musste. In der gleichen Saison trat übrigens die Düsseldorfer EG zu einem Freundschaftsspiel beim Westeuropapokal-Teilnehmer TYSC Tilburg (wie die heutigen Tilburg Trappers ursprünglich hießen) in den Niederlanden an – fünf Jahre nach Kriegsende. Tatsächlich stellten sich die niederländischen Zeitungen die Frage, ob das so kurz nach der deutschen Besatzung der Niederlande richtig wäre. Als das Spiel aber absolviert war, überschlugen sich die Zeitungen – in beiden Ländern. Die deutsche Mannschaft habe sich vorbildlich und freundschaftlich verhalten. Hier zeigte sich einmal mehr die völkerverbindende Wirkung des Sports.

In der Folgesaison kehrten mit der Düsseldorfer EG und dem Krefelder EV zwei alte Bekannte in den Wettbewerb zurück, der aber nach dem Chaos des vorherigen Jahres und den Problemen mit Eisbahnen in Belgien und Frankreich auf vier Teilnehmer geschrumpft war: Neben den beiden rheinischen Teams gingen nur noch der HHIJC Den Haag und die IJsvogels Amsterdam ins Rennen.

1952/53 war der KEV als dann frisch gebackener Deutscher Meister nicht nur dabei, die Krefelder gewannen den Wettbewerb, der auf sechs Teams angewachsen war und mit dem Harvestehuder THC aus Hamburg als siebte Mannschaft erstmals einen norddeutschen Teilnehmer begrüßte, dessen Ergebnisse aber nicht in die Abschlusstabelle einflossen. Die Hanseaten stiegen erst spät in der Saison nachträglich ein und absolvierten fünf Partien im Westeuropapokal gegen die IJsvogels Amsterdam (zweimal), CP Lüttich, Brabo Antwerpen und die DEG. Der HTHC ist heutzutage übrigens einer der führenden Vereine im Feld- und Hallenhockey.

Danach erlangte der Westeuropapokal mehr Aufmerksamkeit in Deutschland, sodass 1953 erstmals der VfL Bad Nauheim an den Start ging, 1954 auch der Berliner Schlittschuh-Club, der aber aufgrund von Problemen mit dem Hallenbetreiber nur zwei seiner eigentlich sechs Heimspiele bestreiten konnte.

Den größten Recherche-Aufwand verursachte übrigens der Wettbewerb der Saison 1955/56, über den so gut wie nichts bekannt und dokumentiert war, nicht einmal der Sieger. Also hier bitte ein Trommelwirbel: Am Ende einer mal wieder nicht komplett gespielten Serie stand der EHC Düsseldorf auf Platz eins. Dieser beinahe vergessene Verein war in den 1950ern ein sehr kurzlebiger Konkurrenzverein zur DEG, der im gleichen Jahr mit seinen überragend starken Junioren übrigens Deutscher Meister in dieser Altersklasse wurde. Beinahe das gleiche Team trat auch im Westeuropapokal an. Zweiter (sogar mit einem Minuspunkt weniger, aber eben auch weniger absolvierten Spielen) wurden übrigens die Royal Canadian Air Force Flyers aus Zweibrücken, die wohl legendärste Soldatenmannschaft in dieser Zeit. Für den EHC Düsseldorf spielte übrigens damals Peter Gregory, der spätere Kapitän der ersten DEG-Meistermannschaft von 1967.

Danach war dann erst einmal Schluss. Von 1961 bis 1963 gab es den nur kurzen Versuch, den Westeuropapokal wiederzubeleben. 1961/62 schickte man sogar zwei nach Leistungsstärke getrennte Gruppen ins Rennen, die ihre Wettbewerbe diesmal in Gänze beendeten. Am Ende standen der HHIJC Den Haag und der Kölner EK ganz oben. Dazu wurden zusätzliche Spiele gegen Teams außer Konkurrenz veranstaltet, um den Wettbewerb attraktiv zu gestalten. Doch nur ein Jahr später waren mit Den Haag, das auch den letzten Westeuropapokal gewann, der DEG, dem KEK und der RESG Hannover nur noch vier Teams am Start. Diese Saison wurde ein letztes Mal nicht komplett gespielt, ehe endgültig Schluss war.

Nur zwei Jahre später, 1965, wurde dann der reguläre Europapokal ins Leben gerufen. Der dann eben doch nicht so völlig aus dem Nichts kam.

Nun folgen die Siegerlisten und die Abschlusstabellen der 13 Saisons im Westeuropapokal:

Die Siegerliste:

1936/37 Etoile du Nord Brüssel
1937/38 Düsseldorfer EG
1938/39 HHIJC Den Haag

1948/49 HHIJC Den Haag
1949/50 HHIJC Den Haag
1950/51 HHIJC Den Haag
1951/52 HHIJC Den Haag
1952/53 Krefelder EV
1953/54 HHIJC Den Haag
1954/55 HHIJC Den Haag
1955/56 EHC Düsseldorf

1961/62 HHIJC Den Haag und Kölner EK
1962/63 HHIJC Den Haag

Die Abschlusstabellen:

1936/37

1.

Etoile du Nord Brüssel

8

8

0

0

44:17

16:0

2.

Düsseldorfer EG

8

5

0

3

26:12

10:6

3.

Blue Six Amsterdam

8

3

1

4

24:27

7:9

4.

Krefelder EV

8

2

1

5

22:32

5:11

5.

IHC Brüssel

8

1

0

7

12:40

2:14

1937/38

1.

Düsseldorfer EG

7

6

1

0

36:15

13:1

2.

Etoile du Nord Brüssel

8

6

0

2

38:32

12:4

3.

AIJHC Amsterdam

8

4

1

3

23:24

9:7

4.

EV Westfalen Dortmund

7

1

0

6

19:35

2:12

5.

H.H.IJ.C. Den Haag

8

1

0

7

21:31

2:14

6.

IHC Brüssel

zurückgezogen

1938/39

1.

HHIJC Den Haag

6

6

0

0

31:12

12:0

2.

Etoile du Nord Brüssel

6

3

0

3

29:29

6:6

3.

Brabo IHC Antwerpen

6

2

0

4

27:40

4:8

4.

AIJHC Amsterdam

6

1

0

5

22:28

2:10

1948/49

1.

HHIJC Den Haag

12

9

1

2

84:59

19:5

2.

IJsvogels Amsterdam

10

7

0

3

81:53

14:6

3.

Racing Club Paris

7

4

2

1

35:25

10:4

4.

IHC Brüssel

7

4

0

3

55:39

8:6

5.

Brabo IHC Antwerpen

9

3

0

6

56:71

6:12

6.

CP Lüttich

10

3

0

7

53:68

6:14

7.

TYSC Tilburg

13

2

1

10

57:106

5:21

1949/50

1.

HHIJC Den Haag

14

12

0

2

82:32

24:4

2.

ESS Brüssel

14

10

1

3

81:50

21:7

3.

Racing Club Paris

14

8

2

4

67:46

18:10

4.

CP Lüttich

14

8

2

4

96:79

18:10

5.

IJsvogels Amsterdam

14

5

3

6

57:59

13:15

6.

Lions de Paris

14

3

3

8

56:81

9:19

7.

Brabo IHC Antwerpen

14

4

1

9

57:96

9:19

8.

TYSC Tilburg

14

0

0

14

43:96

0:28

1950/51

1.

HHIJC Den Haag

15

13

1

1

102:41

27:3

2.

ESS Brüssel

14

8

3

3

97:62

19:9

3.

Brabo IHC Antwerpen

16

7

3

6

93:82

17:15

4.

CP Lüttich

14

6

3

5

82:81

15:13

5.

IJsvogels Amsterdam

14

5

3

6

87:97

13:15

6.

TYSC Tilburg

14

4

1

9

67:89

9:19

7.

Chamonix HC

9

2

3

4

26:32

7:11

8.

Racing Club Paris

9

3

1

5

42:54

7:11

9.

CO Billancourt

9

0

0

9

22:80

0:18

10.

US Air Force Garmisch

zurückgezogen

1951/52

1.

HHIJC Den Haag

6

4

0

2

26:17

8:4

2.

Krefelder EV

6

4

0

2

31:23

8:4

3.

IJsvogels Amsterdam

6

3

0

3

21:25

6:6

4.

Düsseldorfer EG

6

1

0

5

19:32

2:10

1952/53

1.

Krefelder EV

9

7

1

1

79:38

15:3

2.

Brabo IHC Antwerpen

10

6

1

3

74:66

13:7

3.

Düsseldorfer EG

10

5

1

4

57:54

11:9

4.

HHIJC Den Haag

10

5

1

4

72:59

11:9

5.

CP Lüttich

10

2

1

7

59:93

5:15

6.

IJsvogels Amsterdam

9

1

1

7

35:66

3:15

Bilanz des Harvestehuder THC (nicht in Abschlusstabelle enthalten):

Harvestehuder THC

5

2

0

3

21:27

4:6

1953/54

1.

HHIJC Den Haag

10

9

0

1

79:37

18:2

2.

CP Lüttich

10

7

0

3

66:59

14:6

3.

Krefelder EV

9

5

1

3

61:36

11:7

4.

VfL Bad Nauheim

9

4

1

4

47:46

9:9

5.

Brabo IHC Antwerpen

8

1

0

7

35:70

2:14

6.

Düsseldorfer EG

10

1

0

9

30:70

2:18

1954/55

1.

HHIJC Den Haag

12

10

2

0

116:53

22:2

2.

Düsseldorfer EG

10

7

0

3

64:36

14:6

3.

VfL Bad Nauheim

5

3

1

1

55:28

7:3

4.

Kölner EK

9

2

2

5

35:65

6:12

5.

Brabo IHC Antwerpen

10

2

1

7

52:117

5:15

6.

Berliner SC

6

2

0

4

23:32

4:8

7.

CP Lüttich

10

1

2

7

72:86

4:16

1955/56

1.

EHC Düsseldorf

6

4

1

1

45:24

9:3

2.

RCAF Flyers Zweibrücken

5

4

0

1

45:22

8:2

3.

IHC Antwerpen

7

2

2

3

37:53

6:8

4.

VfL Bad Nauheim

5

1

1

3

29:30

3:7

5.

Kölner EK

5

1

0

4

23:50

2:8

1961/62

Gruppe 1:

1.

HHIJC Den Haag

6

6

0

0

44:16

12:0

2.

Eintracht Dortmund

6

3

1

2

37:28

7:5

3.

Preußen Krefeld

6

1

1

4

20:35

3:9

4.

Düsseldorfer EG

6

1

0

5

17:39

2:10

Gruppe 2:

1.

Kölner EK

10

9

0

1

90:34

18:2

2.

EC Deilinghofen

10

8

1

1

69:23

17:3

3.

RESG Hannover

10

6

1

3

59:39

13:7

4.

Berliner FC Preußen

10

3

0

7

45:76

6:14

5.

CP Lüttich

10

2

0

8

36:52

4:16

6.

IHC Antwerpen

10

1

0

9

23:98

2:18

1962/63

1.

HHIJC Den Haag

6

6

0

0

59:23

12:0

2.

Düsseldorfer EG

4

2

0

2

25:16

4:4

3.

RESG Hannover

4

1

1

2

21:35

3:5

4.

Kölner EK

6

0

1

5

20:51

1:11

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