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Eisbären Berlin schauen mit Stolz auf 17-jährigen Mega-Prospect

Landon DuPont: Vom kleinen Eisbär zum größten Talent der Welt!

Lesedauer: 5 Minuten
Landon DuPont gilt als möglicher Top-Pick des NHL-Draft 2027.
Landon DuPont gilt als möglicher Top-Pick des NHL-Draft 2027. (picture alliance / DARRYL DYCK/The Canadian Press via AP | DARRYL DYCK)

Von einem, der seinen Vater noch live im Wellblechpalast erlebt hat. Hockeyweb-Reporter Ronald Toplak über Landon DuPont. Er ist erst der zweite Spieler in der Geschichte der Western Hockey League (WHL), dem der prestigeträchtige Status als "außergewöhnlicher Spieler" (exceptional status) verliehen wurde.

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Es gibt Momente, da sitzt man auf der Pressetribüne, hat einen lauwarmen Kaffee in der Hand und denkt: Diesen Namen solltest du dir merken. Bei mir war das nicht Landon DuPont. Es war sein Vater.

Micki DuPont, Rückennummer 25, ein Verteidiger mit diesem speziellen Kanadier-Charme, der so tut, als wäre alles einfach, während er nebenbei das gesamte Powerplay dirigiert. Ich habe ihn zweimal erlebt - einmal in seiner ersten Berliner Ära, als die Eisbären noch lernten, wie man eine Dynastie baut, und dann, Jahre später, als er mit 35 noch einmal zurückkam und viele dachten: nett, aber das wird eine Rentnertour. Es wurde keine. Der Mann lief immer noch Eishockey, wie andere Leute joggen gehen. Mühelos, mit Tempo - und mit diesem unglaublichen Überblick.

Was ich damals nicht wusste: Irgendwo zwischen Kabine, Trainingsplatz und Familienauto wuchs ein Knirps heran, der genau zusah. Und der - so viel kann man heute mit Fug und Recht behaupten - sich offenbar ziemlich viel abgeschaut hat.

Landon DuPont, geboren 2009 in Calgary, ist heute das, was man in der Szene "das Ding" nennt. Top-Prospect für den NHL Draft 2027. Erster Verteidiger überhaupt, der den seltenen Status als "Ausnahmespieler" erhielt und deshalb schon mit 15 in der kanadischen Juniorenliga WHL auftrumpfen durfte - gegen Gegner, die ihn körperlich zum Frühstück hätten verspeisen können. Hat er nicht zugelassen. Stattdessen holte er sich als Rookie mehr Punkte als jeder WHL-Verteidiger-Neuling seit einem gewissen Scott Niedermayer, 1990 - mittlerweile ist Niedermayer im Mitglied im exklusiven Triple Gold Club. Zum Vergleich: Das ist so, als würde ein Grünschnabel in seinem ersten Bundesligajahr Meister werden und nebenbei Torschützenkönig.

Und jetzt kommt der Teil, den wir Berliner uns ein kleines bisschen einrahmen dürfen: Bevor Landon DuPont NHL-Scouts in Verzückung versetzte, bevor er mit Everett den WHL-Titel holte und erst im Finale des Turniers um den Memorial Cups an den Kitchener Rangers aus der OHL scheiterte, bevor Michigan ihn erhielt wie einen Lottogewinn - da war er ein Kind, das mit seinem drei Jahre älteren Bruder Nolan mithalten musste. Und zwar buchstäblich: Weil er den Gleichaltrigen hoffnungslos voraus war, ließ man ihn einfach bei den Älteren mitspielen. Ein Fünf-, Sechsjähriger unter Neun- und Zehnjährigen. Man stelle sich das im echten Leben vor: Ein Erstklässler, der im Matheunterricht der Sechstklässler sitzt - und mehr als nur mithält.

Landon DuPont (M.) als Floorball-Spieler der Eisbären Berlin
Landon DuPont (M.) als Floorball-Spieler der Eisbären Berlin (Eisbären Berlin)
Die Floorball-Statistiken von Landon DuPont
Die Floorball-Statistiken von Landon DuPont

Diese Prägung fing in der Schweiz an, wo Vater Micki für Kloten spielte. Aber der zweite, entscheidende Abschnitt dieser Kindheit spielte sich bei uns ab: In Berlin, während Micki von 2015 bis 2019 noch einmal das Eisbären-Trikot trug. Landon lief in dieser Zeit für die Eisbären Juniors auf. Und ja, er sammelte auch dort schon Trophäen: Im Februar 2019, kurz bevor die Familie zurück nach Kanada zog, gewann er mit der Berliner U11 den Gesamtsieg beim DEL-U11-Cup in Augsburg - und wurde in der Skills-Competition als schnellster Spieler des gesamten Turniers ausgezeichnet. Schon damals also: der Schnellste im Raum, nur eben noch mit Milchzähnen.

Vom Wellblechpalast zur Muskelmaschine

Wer heute Highlight-Clips von DuPont schaut, sieht einen 1,80-Meter-Verteidiger, der Pässe durch Lücken fädelt, die eigentlich nicht existieren, und der mit einer Coolness Spielzüge liest, die man sonst nur bei Spielern mit doppelt so viel Eiszeit auf dem Buckel sieht. Scouts vergleichen ihn mit Cale Makar und Quinn Hughes - das sind, für alle, die keine NHL-Verträge auswendig kennen, ungefähr die Beyoncé und Taylor Swift der Verteidiger-Zunft.

Der Hype ist real, und er ist verdient. Aber wenn man wie ich diesen Werdegang von der Ferne mit einem gewissen Berliner Stolz begleitet, dann fällt einem etwas auf, das über Statistiken hinausgeht: Diese Coolness unter Druck, dieses "mich bringt so schnell nichts aus der Ruhe" – das kommt nicht aus dem Nichts. Das kommt aus einer Kindheit, in der man ständig gegen Ältere, Größere, Erfahrenere antreten musste. Und ein gutes Stück davon, das behaupte ich jetzt einfach mal mit reporterischer Halsstarrigkeit, hat sich auf Berliner Eis abgespielt. In einer altehrwürdigen Halle, in der sein Vater zweimal Deutscher Meister wurde und in der Landon lernte, dass man auch als Kleinster im Raum der Lauteste auf dem Eis sein kann.

Natürlich, ganz ehrlich: Landon DuPont wird nicht als Berliner in die Geschichtsbücher eingehen. Er wird als Kanadier gefeiert werden, wahrscheinlich bald als Michigan-Wolverine, und wenn alles wie prognostiziert läuft, irgendwann als Nummer-1-Pick eines NHL-Teams, das sich seit Jahren nach genau so einem Spieler sehnt. Berlin wird in seiner Biografie eine Fußnote sein, vielleicht ein Nebensatz in einem Draft-Profil.

Aber Fußnoten haben es manchmal in sich. Und wenn man selbst mal auf der Tribüne saß und zusah, wie der Vater dieses Jungen mit einer Mischung aus Understatement und Klasse durch die DEL glitt, dann darf man sich als Berliner Sportreporter auch mal die künstlerische Freiheit nehmen zu sagen: Ein Stück Eisbär steckt in diesem Jungen. Vielleicht nicht auf dem Trikot. Aber im Kopf, in der Coolness, im Verständnis dafür, dass man sich seinen Platz auch gegen Größere erkämpfen muss.

Und falls Landon DuPont eines Tages tatsächlich mit der Nummer 1 vom Draft-Podium abgerufen wird: Irgendwo in Berlin-Hohenschönhausen wird dann jemand mit einem Bier in der Hand stehen und sagen: "Den hatten wir mal in der U11." Zurecht. Mit einem kleinen Augenzwinkern. Aber zurecht. 

Übrigens: Bei den Eisbären Juniors liegen immer noch die Rechte für Landon und Nolan. Allerdings im Floorball, einer Mischung aus Eishockey und Feldhockey. "Auch hier haben die Jungs begeistert", schwärmt Sektions-Boss Robbi Haschker.

Einmal Eisbär, immer Eisbär.

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