Schweizer Nati: Arbeitssieg im Favoritenkleid

Die Schweiz schlägt Großbritannien mit 4:1 und bleibt an dieser Heim-WM makellos. Doch der eigentliche Wert dieses Abends liegt nicht im Resultat. Er liegt in der Art, wie die Nati mit einem Gegner umging, der nicht glänzen wollte, sondern trotzte.
Großbritannien trat nicht als Statist an. Die Briten erinnerten an diesem Abend ein wenig an Mel Gibson in Braveheart: nicht elegant, nicht kunstvoll, aber kompromisslos. Jeder geblockte Schuss war Widerstand. Jeder Zweikampf ein kleines Aufbäumen. Jeder geklärte Puck ein Zeichen dafür, dass auch ein Außenseiter seine Würde verteidigen kann. Für die Schweiz war genau das wertvoll.
Nach den bisherigen Auftritten, nach vielen Toren und wachsender Euphorie, war dieses Spiel ein anderer Test. Kein Gegner, der Räume schenkt. Kein Abend, der sich von selbst entwickelt. Sondern ein Prüfstein für Geduld, Klarheit und innere Ruhe. Und genau dort wird Jan Cadieux wichtig. Alle sprechen über Josi, Hischier, Niederreiter oder die NHL-Power. Verständlich. Doch vielleicht ist Cadieux der heimliche Star dieser Heim-WM. Nicht, weil er laut ist. Sondern weil seine Mannschaft es nicht sein muss.
Nach dem abrupten Ende der Ära Fischer musste er praktisch über Nacht übernehmen. Eine Heim-WM, ein Kader voller Erwartungen, ein Land voller Hoffnung und plötzlich ein neuer Mann an der Bande. Solche Situationen können Unruhe erzeugen. Cadieux aber hat aus dieser Unruhe Stabilität gemacht. Die Schweiz wirkt nicht getrieben. Sie wirkt geordnet. Emotional kontrolliert. Bei sich. Selbst wenn ein Spiel harzt, wenn der Gegner kratzt und blockt, wenn die Partie nicht sofort in die gewünschte Richtung läuft, verliert diese Mannschaft nicht den Kopf. Vielleicht ist genau das seine Handschrift: Struktur ohne Lärm.
Cadieux stellt sich nicht vor das Team. Er schafft den Rahmen dahinter. Er lässt Führungsspieler führen, gibt den Stars Raum und hält dennoch die Ordnung zusammen. Das klingt unspektakulär. Aber in einem Turnier kann genau das entscheidend sein. Denn Medaillen gewinnt man nicht nur mit schönen Toren. Man gewinnt sie auch mit Geduld. Mit Boxplay. Mit einfachen Entscheidungen. Mit der Fähigkeit, Favorit zu sein, ohne überheblich zu werden.
Dieses 4:1 war deshalb kein Abend für die Galerie. Es war ein Arbeitssieg im Favoritenkleid. Einer, der zeigt: Die Schweiz kann nicht nur begeistern. Sie kann auch aushalten, arbeiten und ruhig bleiben. Und vielleicht ist genau das die wichtigere Botschaft für den weiteren Turnierverlauf.













