Heim-WM: Deutschland und der Tackle-Teckl!

Hockeyweb-Reporter Ronald Toplak über das Maskottchen der Eishockey-WM in Deutschland.
Es gibt Nachrichten, bei denen man sofort denkt: Ja. Das passt. Die Eishockey-Weltmeisterschaft 2027 in Deutschland bekommt ein Maskottchen. Einen Dackel. Er heißt Teckl. So nennt man das Tier in der Jägersprache. Plötzlich ist das deutsche Eishockey um eine Figur reicher, die erstaunlich viel über uns erzählen kann.
Teckl ist offiziell ein Dackel. Oder Teckel. Oder Dachshund. Je nachdem, wie international man gerade klingen möchte. Er soll typisch deutsch sein, mutig, eigenwillig, intelligent und stur. So die Organisatoren. Die hinzufügen: Sein natürlicher Jagdtrieb gilt nicht dem Kaninchen, sondern Puck und Schläger.
Ich sage: Endlich hat mal jemand verstanden, wie Eishockey funktioniert. Denn ich verbinde Dackel in meiner Erinnerung zunächst einmal als Wackel-Dackel. Dieses merkwürdige Relikt deutscher Automobilgeschichte, das früher auf Hutablagen saß und bei jeder Kurve eifrig mit dem Kopf nickte. Er war wahrscheinlich der einzige Hund, der jahrzehntelang zuverlässig mitfuhr, ohne jemals Gassi gehen zu müssen. Ich glaube, wir hatten auch einen.
Vor allem aber denke ich an die TV-Serie Hausmeister Krause. „Alles für den Dackel! Alles für den Club!“ Dem KTC 1881 e. V. (Kölner Teckel Club). Kult! Ein Satz wie aus einer Parallelwelt, in der der Dackel nicht Haustier, sondern Weltanschauung ist.
Mehr deutsche Kulturgeschichte passt eigentlich kaum in ein paar Worte. Wobei Krauses Club 2027 ausnahmsweise nicht der Dackelverein sein wird, sondern der DEB. Und wenn Teckl seinen Job ernst nimmt, sollte er dafür sorgen, dass die Jungs auf dem Eis ebenfalls alles geben.
Dackel kenne ich allerdings nicht nur aus dem Fernsehen. Meine Freundin Sabrina hat einen. Viktor. Damit beginnt eine ganz andere Geschichte.

Sabrina sagt über ihren Dackel, schmunzelnd: „Ein Dackel hört alles. Vor allem das Öffnen einer Kühlschranktür aus drei Kilometern Entfernung. Das Kommando ‚Hierhin!‘ überhört er dagegen aus Prinzip.“ Ich musste lachen. Denn genau so stelle ich mir Teckl vor. Folgsam? Natürlich. Wenn er will.
Sabrina jedenfalls freut sich über das neue WM-Maskottchen. „Ich habe das Maskottchen sozusagen jeden Tag zu Hause!“ Das kann nicht jeder von sich behaupten. Wobei ich mir bei der offiziellen Vorstellung von Teckl eine kleine Szene durchaus vorstellen könnte.
„Teckl, komm!“
Teckl schaut.
„Teckl!“
Teckl schaut weg.
„TECKL!“
Teckl denkt vermutlich: Jetzt erst recht nicht.
Dackel besitzen nämlich eine ganz besondere Form von Selbstbewusstsein. Dackel wissen nicht, dass sie klein sind. Das ist vielleicht ihre größte Stärke. Ein Dackel begegnet einem Bernhardiner oder einer Dogge auf absoluter Augenhöhe. Zumindest mental. Körperlich ist die Sache etwas komplizierter. Aber das interessiert den Dackel nicht.
Genau diese Einstellung wünsche ich mir für unsere DEB-Cracks. Wenn 2027 die großen Eishockey-Nationen kommen, wenn Kanada, die USA, Schweden oder Finnland auf der anderen Seite stehen, dann bitte keine Ehrfurcht. Keine Angst vor niemandem.
Kurzbeine sind kein Argument. Teckl würde schließlich nicht auf die Idee kommen, vor einer Dogge davonzulaufen, nur weil sie ungefähr so groß ist wie ein Einfamilienhaus. Er würde sie vermutlich erst einmal anbellen.
Damit wären wir bei einem weiteren wichtigen Wesenszug des Dackels. Lautstärke. Ich weiß, wovon ich rede. Wenn man Sabrina besucht, geht es ab. Bellen? Von wegen. Dagegen ist ein Konzert von Metallica die Mondscheinsonate.
Die Türklingel ist der natürliche Feind. Da wird nicht einfach mitgeteilt, dass jemand hereinkommt. Da wird eine akustische Großveranstaltung eröffnet. Ein Dackel braucht kein Megafon. Er ist das Megafon. Diesen Krach wünsche ich mir 2027 in den Arenen. Wenn Deutschland spielt, müssen die Tribünen wackeln. Die Fans sollen lärmen, brüllen, pfeifen, singen. Kurz: Sie sollen sich benehmen wie ein Rudel völlig durchgedrehter Dackel.
Eishockey ist schließlich kein Kammerkonzert.
Und Teckl bringt noch etwas mit, das für unsere Mannschaft ziemlich nützlich werden könnte: seinen Jagdtrieb. Offiziell jagt er Pucks und Schläger.
Sehr gut.
Dann hat er den Auftrag verstanden. Immer dem Puck hinterher. Immer weiter. Nicht aufgeben. Rein in die Ecke, raus aus der Ecke, den Gegner nerven, nachsetzen, stören. Und wenn der Gegner glaubt, jetzt sei endlich Ruhe, kommt von irgendwoher wieder so ein kleiner, hartnäckiger Dackel angeschossen. Das ist Eishockey. Vielleicht ist Teckl deshalb sogar ein ziemlich clever gewähltes Maskottchen. Er erinnert an Waldi, den berühmten Dackel der Olympischen Spiele 1972 in München. Waldi war das erste offizielle Olympia-Maskottchen überhaupt. Jetzt bekommt der Dackel, mehr als fünf Jahrzehnte später, wieder eine große deutsche Sportbühne.

Nur diesmal liegt kein Schwimmbecken unter seinen Pfoten. Sondern Eis. Statt einer Laufstrecke gibt es Banden. Statt Speerwerfen Schlagschüsse.
Und statt olympischer Ruhe gibt es 18.000 Menschen, die bei einem Check gegen die Bande kollektiv „Uuuuh!“ machen. Ich glaube, Waldi hätte seinen Spaß.
Der Tackle-Teckl sowieso.
Wobei ich mir schon vorstellen kann, wie er sich nach einer deutschen Niederlage verhalten wird. Er setzt diesen Blick auf. Den Dackelblick. Diese Mischung aus „Ich war es nicht“, „Du kannst mir doch nicht böse sein“ und „Hast du zufällig noch ein Leckerli?“ Und mal ehrlich: Wer kann einem Dackel lange böse sein? Das ist ebenfalls eine wichtige Lektion für unsere Mannschaft.
Wenn es 2027 einmal nicht läuft, wenn der Puck dreimal vom Pfosten zurückspringt, der Torwart des Gegners plötzlich alles hält und Deutschland irgendwann mit hängenden Köpfen vom Eis schleicht:
Dackelblick aufsetzen.
Schultern hoch. Kurze Beine.
Weitermachen. Denn Teckl weiß etwas, das im Sport manchmal verloren geht: Man muss nicht der Größte sein, um groß aufzutreten. Man muss nicht aussehen wie ein Bernhardiner, um einen Bernhardiner zu beeindrucken. Und man muss schon gar nicht wissen, dass man klein ist.
Das ist die Botschaft dieses kleinen deutschen Eishockey-Dackels. Keine Angst vor den Großen. Immer dem Puck nach. Laut bleiben. Hartnäckig bleiben. Und wenn gar nichts mehr hilft: Dackelblick.
Sabrina wird ihren Teckl jedenfalls wiedererkennen. Ich wahrscheinlich auch.
Wenn 2027 die WM beginnt, werde ich bei jedem deutschen Spiel ein bisschen an sie denken.
An ihren Dackel. An Metallica. An den Kühlschrank. Und an diesen einen wunderbaren Satz aus dem Hause Krause:
Alles für den Dackel! Alles für den Klub! Für den DEB darf man das ruhig etwas abwandeln: Alles für den Dackel. Alles für das Team.













