Nico Hischier: „Wenn wir wieder im Finale stehen, müssen wir mehr Risiko nehmen“

Die Schweiz tat sich bei der 0:3-Niederlage gegen Schweden vor allem gegen das aggressive Forechecking der hochstehenden Tre Kronor schwer. Im Gespräch mit Hockeyweb ordnete Nico Hischier die Partie ein und sprach außerdem über die Heim-WM sowie darüber, was es braucht, um endlich die Goldmedaille ins Alpenland zu holen.
Hockeyweb: Nico, Schweden hat euch das heute beim Spiel an der neutralen Zone schwer gemacht, sie standen sehr kompakt hinter ihrer eigenen blauen Linie und hatten immer den puckführenden Spieler früh unter Druck gesetzt. Sie haben dann mit Tempo die freien Räume für sich selbst ausnutzen und viele Konter fahren können. Ihr seid dann erst ab Mitte des zweiten Drittels besser in die Offensive gekommen, hattet auch richtig gute Druckphasen und in dieser dann ein unglückliches Gegentor bekommen? War das am Ende der Knackpunkt heute?
Nico Hischier: Ja, ich glaube, wie du gesagt hast, Schweden hat sicher ein gutes, solides Spiel gezeigt. Wie gesagt, die haben es uns schwer gemacht, sind läuferisch stark und sind auch taktisch sehr gutgestanden. Wir hatten auch unsere Druckphase, hatten unsere Chancen. Aber wie es halt manchmal im Sport ist, wenn man die Chancen vorne nicht macht, bekommt man sie hinten. Im Großen und Ganzen ist es trotzdem ein enges Spiel gewesen, finde ich. Wie gesagt, wenn wir ein paar Chancen nutzen, steht es vielleicht 1:1 oder 2:2.
Hockeyweb: In einer Woche steht die Heim-Weltmeisterschaft an. Wie groß ist die Vorfreude inzwischen?
Nico Hischier: Ich freue mich riesig. Ich bin glücklich, hier im Team zu sein. Ich freue mich auf das Turnier. Ich freue mich immer, in der Nati zu sein und bin sehr stolz, dass ich mein Land vertreten kann, vor allem noch in meiner Heimat. Man weiß nie, wie viele Heim-WMs man spielen kann. Darum schaue ich jetzt nach vorne. Morgen haben wir noch ein Spiel, dann noch ein paar Trainings, wo wir uns den Feinschliff holen, und uns anschauen, was wir besser machen können. In einer Woche ist es dann Vollgas.
Hockeyweb: Nach der Entlassung von Patrick Fischer blieb Jan Cadieux nur wenig Zeit mit der Mannschaft. Hat denn Jan in dieser kurzen Zeit seine eigene Handschrift etablieren können?
Nico Hischier: Ja, ich meine, Jan war ja auch schon vorher bei uns in der Nati. Also es ist ja nicht so, dass ein Fremder reingekommen ist. Der kennt uns, wir kennen ihn. Ja, sicher eine spezielle Situation bei uns. Aber es ist, wie es ist und wie gesagt, Jan ist kein Fremder für uns. Er ist auch mit im Boot und darum ist jetzt wieder ein bisschen Ruhe eingefahren, wir schauen nur nach vorne und freuen uns auf die WM.
Hockeyweb: Kann das vielleicht auch ein Vorteil sein, dadurch, dass die Schweiz eventuell etwas anders spielt und die Gegner darauf nicht so eingestellt sein werden, wie es die Jahre zuvor war?
Nico Hischier: Nein, unser Spiel wollen wir eigentlich nicht ändern. Ich glaube, wir haben ganz klar unsere Identität und wir Schweizer wollen ein schnelles, hartes, intensives Spiel spielen und das werden wir mit Jan auch nicht anders machen.
Hockeyweb: In den letzten beiden Finals fehlte trotz stabiler Defensive, oft der letzte offensive Punch zur Goldmedaille. War das ein Thema und wurde daran gearbeitet?
Nico Hischier: Ja, natürlich. Man hat sicher darüber geredet, aber sicherlich ist es positiv, dass man defensiv solide steht. Ich glaube, so gewinnt man auch Turniere. Wenn man sich die Finals anschaut, war es nicht so, dass wir 0:5 verloren hätten. Wir hätten ein Tor mehr schießen und gewinnen können. Dann würde man nicht so an die Offensive denken heute. Wenn man eine solide Defensive spielt, dann reicht eigentlich ein Tor. Bei vielen steckt sicherlich auch einiges im Kopf, dass man sich auch mal etwas zutrauen muss. Aber speziell im Finale ist es auch ein bisschen normal, dass zwei Teams nicht zu viel Risiko eingehen wollen. Dadurch gibt es weniger Turnovers und weniger Großchancen in beide Richtungen. Aber man muss natürlich abschätzen, wann man das Risiko eingehen sollte und dass es zu einem Tor führt. Wenn wir nochmal in der Situation sind, werden wir sicher ein bisschen mehr probieren, mehr Risiko eingehen, wenn man wieder so ein Spiel hat, wo es lange 0:0 steht.













