Deutschland besiegt Finnland zum Abschluss der WM-Vorrunde mit 4:2Wahnsinn! Leon Draisaitl sorgt mit zwei Treffern zum 4:2 für deutschen Jubel

Leon Draisaitl erzielt das Tor zum 3:2 gegen Finnland. (Foto: dpa/picture alliance) (skm tba)Leon Draisaitl erzielt das Tor zum 3:2 gegen Finnland. (Foto: dpa/picture alliance) (skm tba)
Lesedauer: ca. 5 Minuten

In einem sehr guten Spiel verhinderte zuerst Torhüter Philipp Grubauer zahlreiche Chancen und im letzten Drittel erkämpfte sich Deutschland nach zwei ausgeglichenen Abschnitten mit zwei Toren den verdienten Sieg bei der Eishockey-WM.

Im letzten Gruppenspiel waren die Verhältnisse schon vorher klar, sowohl Finnland als auch Deutschland hatten das Viertelfinale erreicht und die Frage ist am Ende nur noch, auf welchen Gegner man trifft und wie gestärkt die Teams aus dem Spiel gehen. Nationaltrainer Toni Söderholm spielte zum ersten Mal gegen sein finnisches Heimatland, auch deshalb war diese Partie zur frühen Mittgaszeit am Dienstag für ihn kein normales WM-Spiel. Auf der anderen Seite geht es für den Coach der finnischen Nationalmannschaft, Jukka Jalonen, noch um die Verteidigung der Tabellenführung und somit um mutmaßlich leichtere Gegner, darum durfte man von seinem Team und dem Ausnahmetalent Kaapo Kakko mit seinen bisherigen sechs Treffern einiges erwarten. Aber dagegen hatte naturgemäß Philipp Grubauer etwas, der gegen Finnland wieder fit war und schon gleich Spielpraxis für das nächste wichtige Spiel sammeln konnte. Zudem wurden die deutschen Reihen etwas umgestellt, um die Spannung hochzuhalten und etwas zu probieren.

Gleich zu Beginn geriet Grubauer in Unterzahl mit seinem Team unter Druck, ein Pfostenschuss und ein paar finnische Chancen später war dann aber das Powerplay erfolglos beendet. Kurz darauf ging das Theater mit der Plexiglasscheibe wieder los, an der gleichen Stelle wie im Spiel am Montag rutschte sie aus der Verankerung. Zum Glück ging es nach einer kurzen Unterbrechung weiter, welches weiter von den Skandinaviern beherrscht wurde in Form von geordnet vorgetragenen Angriffen. Zwischendurch setzte zum Beispiel Marco Nowak von der Düsseldorfer EG auch mal einen Nadelstich in Richtung des finnischen Tores, der in der Folge einen Crosscheck ansetzte und dadurch Finnland in Überzahl brachte. Knappe fünf Minuten vor dem Ende des ersten Drittels musste Grubauer dann doch hinter sich greifen und man geriet in Unterzahl mit 0:1 in Rückstand. Aber Deutschland antwortete nur zwei Minuten später unverzüglich mit dem ersten richtigen Schuss auf das finnische Tor, Marc Michaelis netzt das Ding nach einem perfekten Pass von Matthias Plachta wunderbar zum 1:1 ein!  Mit diesem Spielstand und einem interessanten ersten Abschnitt ging es in die Pause, beide Mannschaften präsentierten sich taktisch gut eingestellt und würzten das Spiel mit gesunder Härte.

Als Fels in der Brandung hat sich einmal mehr Philipp Grubauer erwiesen, der die Angriffswellen in Form von 15 Schüssen auf sein Tor abwehren konnte. Auch seine Kollegen suchten zu Beginn des Mitteldrittels weiter offensive Wege, entlasteten so die eigene Defensive und verlagerten das Spiel diverse Male in die weiß-blaue Zone. Trotzdem gelang in der 25. Minute nach einer wuseligen Situation der Puck hinter die Linie des deutschen Goalies, auch nach einer Coach´s Challenge von Söderholm blieben die Schiedsrichter bei ihrer Entscheidung. Dann Deutschland wieder in der Defensive, weil Finnland durch das Foul von Patrick Hager in Überzahl agieren kann. Als die überstanden war, wurde sofort wieder auf Angriff mit Dominik Kahun und Leon Draisaitl geschaltet – also beide Teams fighteten und dadurch wurde es nie langweilig, auch weil das Spiel offen blieb nach der Führung und die Umstellung der Reihen frischen Wind in die deutsche Offensive brachte. Dann eine Megachance von Dominik Kahun - die wurde noch von Kevin Lankinen mit einem klasse Save zunichte gemacht. Aber dann abermals Kahun! Mit seinem allerersten Tor bei der Eishockey-Weltmeisterschaft und dem 2:2 in der 34. Spielminute nach Vorarbeit von Leon Draisaitl. Bärenstark, wie sich Deutschland hier gegen Finnland präsentierte und sich sogar Chancen zu einer 3:2-Führung erspielte. Hager setzte mit seinem Schuss zum Ende des zweiten Drittels ein Signal, wie es im letzten Abschnitt weitergehen könnte.

Tatsächlich ließ das deutsche Team nicht nach und es wurden gleich wieder Akzente gesetzt zu Beginn der letzten zwanzig Minuten. So war kein Klassenunterschied mehr zu erkennen bei fünf gegen fünf, im Überzahlspiel für Deutschland schlug Leon Draisaitl auf Vorlage von Leo Pföderl in der 45. Spielminute wieder zu und sorgte unter großem Jubel der deutschen Fans in Košice für die erste Führung in diesem Spiel! 3:2 hieß es nun und Daumen drücken für alle, die live in der Steel Aréna oder vor dem Fernseher mitfieberten. Ein Monstersave von Grubauer rettete Mitte des Schlussdrittels weiter die knappe Führung und ließ den Traum vom dritten Platz nach der Vorrunde weiterleben. Natürlich war die deutsche Defensive danach mehr als nur ein bisschen gefordert und so entwickelte sich eine regelrechte Abwehrschlacht, erst recht nach dem Foul von Yannic Seidenberg, dass das vierte Überzahlspiel für Finnland in der 53. Minute ermöglichte. Korbinian Holzer und seine Mitstreiter arbeiteten aber gut mit in Unterzahl, verhinderten so das finnische Aufbauspiel und legten die Grundlage für eine weiter spannende Schlussphase. Es schien so, dass Nationaltrainer Toni Söderholm seinen Landsleuten den Zahn gezogen hatte, denn so richtig viel schaffte Finnland in dieser entscheidenden Phase nicht mehr. 90 Sekunden vor Ende noch ein Schuss, den aber Grubauer parieren konnte und danach nahm Jukka Jalonen eine Auszeit zur Besprechung der Strategie. Um das 3:3 noch zu erzwingen, nahm er seinen Torhüter heraus und mitten im Angriff der Finnen las Matchwinner Leon Draisaitl einen Pass richtig, fing ihn ab und sorgte mit seinem Lauf zum 4:2-Sieg für den zweiten Sieg in Folge gegen die Finnen und die daraus resultierende Chance auf den dritten Platz! Das war von vorne bis hinten eine geschlossene Mannschaftsleistung, die den Erfolg des deutschen Nationalteams in Košice ermöglichte. Mit frisch aufgetanktem Selbstvertrauen geht es am Mittwoch nach Bratislava, wo man mit breiter Brust auf den Viertelfinalgegner trifft. 

Toni Söderholm, Bundestrainer: "Beide Mannschaften haben im ersten Drittel ein wenig abgewartet, was der Gegner macht. Wir hatten auf der Trainerbank das Gefühl, dass wir noch mehr Gas geben müssen. Daher haben wir in der Pause mehr Schlittschuhlaufen und ein schnelleres Spiel gefordert, um mehr Druck aufbauen zu können. Die Jungs haben es sehr gut umgesetzt, über die 60 Minuten eine kompakte Mannschaftsleistung gezeigt und daher verdient gewonnen!"

 Franz Reindl, DEB-Präsident: „Sechs Top-Leistungen, fünf Siege und 15 Punkte sind eine herausragende Leistung unseres Teams. Die Mannschaft darf mit großem Stolz und gesundem Selbstvertrauen in das Viertelfinale nach Bratislava einziehen!“

 Stefan Schaidnagel, DEB-Sportdirektor: „Das Erreichen des Viertelfinales ist für uns der verdiente Lohn für die Arbeit der vergangenen Wochen. Mit fünf Siegen aus sieben Spielen sind wir mehr als verdient unter den letzten Acht. Was in den Endrunden-Spielen möglich ist, haben wir selbst schon bewiesen. Wir freuen uns auf das Viertelfinale und bereiten uns sehr gut auf unseren Gegner vor. Insgesamt werden wir unseren Weg weitergehen, es ist nicht jedes Jahr selbstverständlich auf diese Art und Weise weiterzukommen!"