Deutsche Frauen zum ersten Mal im WM-HalbfinaleRiesige Überraschung in den USA

Marie Delarbre erzielte den Siegtreffer gegen Russland. (Foto: dpa/picture alliance/nordphoto)Marie Delarbre erzielte den Siegtreffer gegen Russland. (Foto: dpa/picture alliance/nordphoto)
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Bei der WM in Plymouth, USA traf die Mannschaft des Deutschen Eishockey-Bundes im zweiten Viertelfinale am Dienstagabend auf Russland. Zuvor hatte am Nachmittag Finnland den Nachbarn Schweden mit 4:0 bezwungen und war damit ins Halbfinale eingezogen.

Deutschlands Gegner Russland hatte in der Vorrunde der stärkeren Gruppe A mit drei Punkten und 2:16 Toren den vierten Platz belegt. Deutschland stand schon seit dem zweiten Vorrundenspiel als Erster der Gruppe B fest. Für die deutsche Fraueneishockey-Nationalmannschaft war es das 500. Länderspiel seit dem ersten Auftritt am 3. Dezember 1988.

Frauen-Bundestrainer Benjamin Hinterstocker konnte, nachdem auch Verteidigerin Tanja Eisenschmid nach einer auskurierten Erkältung von der medizinischen Abteilung grünes Licht bekommen hatte, erstmals bei dieser Weltmeisterschaft auf den kompletten Kader zurückgreifen.

Der Auftakt verlief gar nicht nach den Vorstellungen der DEB-Auswahl. Noch nicht einmal drei Minuten waren gespielt, da nutzen die Russinnen eine 2-1 Situation aus und überwanden Jennifer Harß im deutschen Tor. Trotz einem leichten optischen Übergewicht Russlands erspielten sich die deutschen Frauen auch selber Chancen. 6:9 lautete die Torschussstatistik nach den ersten zwanzig Minuten und mit dem knappen 0:1 für die Osteuropäerinnen ging es in die erste Pause.

Im zweiten Drittel verpasste zunächst Tanja Eisenschmid, die sich aus der eigenen Zone bis vor das Tor der Russinnen arbeitete, nur wenige Zentimeter vor der Linie knapp. Wenig später war es dann soweit: In doppelter Überzahl legte Mannschaftskapitänin Julia Zorn ihrer Außenstürmerin Kerstin Spielberger auf, die der russischen Torfrau Alexandrova Nadezhda keine Chance lies und zum verdienten 1:1-Ausgleich traf (35.). Weiter in Überzahl spielend verpassten Andrea Lanzl und Laura Kluge nur äußerst knapp den deutschen Führungstreffer und es ging mit dem Unentschieden letztmals in die Kabinen.

Bange Minuten galt es zu überstehen, als eine deutsche Spielerin zu Beginn des letzten Drittels auf die Strafbank musste, aber Jenny Harß zeigte all ihr Können und bewahrte ihr Team vor einem Rückstand. Dann kam die 50. Spielminute: Rebecca Graeves harten Schuss von der von der blauen Linie lenkte Marie Delarbre unhaltbar ins russische Tor zur 2:1-Führung ab. Die letzten Minuten waren dann an Spannung nicht zu überbieten, Russland drängte auf den Ausgleich, doch die deutschen Frauen verstanden es, den Puck aus der Gefahrenzone zu halten. Riesenglück hatte die DEB-Auswahl als 59 Sekunden vor der Schlusssirene der Pfosten zum besten Freund der deutschen Mannschaft wurde. Doch auch die Herausnahme der Torfrau brachte den Russinnen nichts mehr ein und der nachfolgende Jubel der deutschen Spielerinnen war groß.

Frauen-Bundestrainer Benjamin Hinterstocker: „Unsere Mannschaft hat über sechzig Minuten sehr diszipliniert gespielt, was auch das Ergebnis gegen eine starke russische Mannschaft wiederspiegelt. Wir haben uns von Spiel zu Spiel weiterentwickelt und ich hoffe, dass wir diesen Erfolg fortsetzen können“

Marie Delarbre, Torschütze des Siegtreffers: „Ich freue mich wahnsinnig für die Mannschaft. Das Spiel am Donnerstag gegen die USA wird Schwerstarbeit, aber wir werden wie in jedem bisherigen Spiel alles geben.“

Andrea Lanzl: „Unser Ziel war natürlich, das Halbfinale zu erreichen und wir hatten den unbedingten Willen, das Spiel heute zu gewinnen. Unsere Tore sind zum richtigen Zeitpunkt gefallen. Jetzt bin ich unheimlich glücklich und stolz auf das Team.“

Manuela Anwander: „Wir sind von Anfang an positiv in die Partie gegangen, Jeder hat für Jeden gekämpft. Das ist ein Riesenerfolg nicht nur für die Nationalmannschaft sondern für das ganze deutsche Fraueneishockey. Wir freuen uns jetzt auf das Spiel gegen Gastgeber USA am Donnerstag.“

In der Gruppenphase, die eine leistungsstärkere Gruppe A und eine leistungsschwächere Gruppe B aufgeteilt war, hatte Deutschland zunächst Schweden mit 3:1 und dann Tschechien mit 2:1 besiegt und somit frühzeitig das Viertelfinale erreicht, dass der Dritte und Vierte der Gruppe A sowie die Erste und Zweite der Gruppe B bestreiten müssen. Da fiel das 2:4 gegen die Schweiz im letzten Gruppenspiel nicht mehr ins Gewicht. Nach dem Viertelfinalsieg gegen Russland geht es nun gegen die USA weiter. Das zweite Halbfinale bestreiten Kanada und Finnland.

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