Serge Aubin nach Bern: Das sehen die Eisbären gar nicht gern!

Hockeyweb-Reporter Ronald Toplak kommentiert den Wechsel von Erfolgstrainer Serge Aubin von den Eisbären Berlin zum SC Bern.
Mitten in den Jubel über die 12. Meisterschaft der Eisbären Berlin platzt eine Nachricht. Und diesmal ist sie kein Flüstern mehr, kein Gerücht, kein halb geöffneter Türspalt. Serge Aubin geht. Bestätigt. Ausgesprochen. Endgültig.
Ich stehe noch in dieser Sirenen-Sekunde.
Das Eis bebt nach, kaum sichtbar, aber ich spüre es durch die Schuhe. Bier schwappt, jemand verliert seinen Schal, irgendwo lacht einer zu laut. Alles ist wie immer nach einem Titel – und plötzlich eben nicht mehr.
Sieben Jahre habe ich ihm zugesehen. Fünf Meisterschaften in sechs Spielzeiten. Und etwas, das ich mir selbst immer wieder gesagt habe, weil es so unwirklich klang: keine verlorene Playoff-Serie.
Ein Satz wie eine Gravur im Eis.
Ich habe oft versucht, das zu erklären. Systeme, Matchpläne, Anpassungen. Ich habe darüber geschrieben, geredet, gedacht. Aber am Ende blieb immer dieses Gefühl: Dass sich bei ihm Serien nicht drehen, sondern kippen. Leise. Unaufhaltsam. Als würde jemand das Licht dimmen, bis der andere nichts mehr sieht.
Der „Unschlagbär“. Am Anfang habe ich darüber gelächelt. Irgendwann nicht mehr.
Und während ich noch in diesem Lärm stehe, während Berlin sich weigert, leiser zu werden, wandert mein Blick schon weiter. Nach Bern. Zum SC Bern. Ein Klub, der seit 2019 auf etwas wartet, das ich hier fast für selbstverständlich gehalten habe: eine gewonnene Playoff-Serie. Ich denke: Jetzt holen sie sich genau das.
Dass es ausgerechnet dorthin geht, überrascht mich weniger, je länger ich darüber nachdenke. Die Schweiz ist für Aubin kein weißer Fleck. Ich erinnere mich an Genf, an Fribourg, an diese Jahre, in denen er selbst noch über das Eis ging, Tore machte, Punkte sammelte, als würde das dazugehören. Und irgendwo dazwischen diese leisen Schritte Richtung Trainer – die ZSC Lions, ein Übergang, der damals kaum auffiel und jetzt wie ein Anfang wirkt.
Und ich erinnere mich auch daran, wie die ersten Meldungen kamen. Die Berner Zeitung schrieb es fast schon hin. Klaus Zaugg formulierte es, als würde er den Ausgang schon sehen. Ich habe das gelesen und gedacht: Vielleicht. Jetzt weiß ich: Es war schon da.
In Berlin bleibt etwas zurück. Ich kann es noch nicht genau greifen. Kein Loch. Eher eine Verschiebung. Diese seltsame Gewissheit, mit der ich in jede Serie gegangen bin – sie ist weg. Nicht zerstört, nicht widerlegt. Einfach abgeschlossen.
Ich könnte jetzt große Worte suchen. Ära, Vermächtnis, all das. Aber das passt nicht zu ihm. Aubin war nie laut. Warum sollte es sein Abschied sein?
Er sagt, er habe das Gefühl gehabt, eine neue Herausforderung annehmen zu wollen. Ich lese diesen Satz und bleibe hängen. So schlicht. So endgültig.
Der „Unschlagbär“ geht. Und ich merke, während um mich herum noch gesungen wird, dass etwas leiser wird.
Nicht im Stadion.
In mir.














