Erich Kühnhackl: „Die DEL ist eine andere Welt.“

Lesedauer: ca. 3 Minuten

Erich Kühnhackl hat schon viel erlebt im Eishockey und

darüber hinaus. Noch immer ist es sein Name, der auch vielen, die sich weniger

intensiv mit dem schnellen Kufensport beschäftigen ein Begriff ist. Der „Lange“

stach in seiner Zeit als aktiver und erfolgreicher Profi heraus und tut es auch

heute noch, ist begehrter Gesprächspartner, wenn es um Expertenmeinungen zum

Thema Eishockey geht. Am Rande der Pressekonferenz zur Eröffnung der 13.

Spielzeit der Deutschen Eishockey Liga ergab sich für Hockeyweb die Möglichkeit

zum Gespräch mit Deutschlands Eishockeyspielers des Jahrhunderts.

Herr Kühnhackl,

ihr Debüt als DEL-Coach von Aufsteiger Straubing Tigers steht unmittelbar

bevor. Sind sie nervös?

Nein, nicht wirklich. Wir hatten eine sehr gute

Vorbereitung. Ich hätte nur gerne gegen weitere DEL-Mannschaften getestet.

Gegen Augsburg sahen wir aber nicht schlecht aus.

Nach der

Meisterschaft in der 2. Bundesliga war die Euphorie in Straubing groß, noch

größer als die Auflagen für den DEL-Aufstieg erfüllt waren. Wie sind ihre

Erwartungen an ihre Mannschaft?

Dass unsere

Gesellschafter das geschafft haben, war allein schon eine große Sache! Aber ehrlich, von

Platz 10 zu reden, wie manch einer das tut, ist einfach unrealistisch. Das zu

schaffen, müsste vieles zusammen kommen. Der Ausfall von Tobi Abstreiter ist da

schon eine Sache, die nicht passt. Er ist einer unserer Führungsspieler und

wird uns lange, vielleicht zu lange fehlen.

Platz 10

empfinden sie also als unrealistisch. Mit welchen Mannschaften, vermuten sie,

könnten sich die Straubing Tigers auf Augenhöhe bewegen?

Vielleicht Augsburg und Duisburg, eventuell Iserlohn. Zum

jetzigen Zeitpunkt ist das aber nur schwer zu sagen. Die DEL ist eine andere

Welt.

Inwieweit?

Gerade die

Spieler, die wir aus der 2. Bundesliga mit in die DEL genommen haben, werden

diesen Unterschied zu spüren bekommen. Sie spielen zwar die selben Positionen,

sind Verteidiger oder Stürmer, müssen aber alles was sie tun, doppelt so schnell

tun. Das gegenüber der 2. Liga weit höhere Tempo, die größere Härte, die

Intensität überhaupt und die Spielstärke vieler Mannschaften bedeuten schon

eine gewaltige Umstellung.

Ist es da für

die Straubing Tigers nicht gut zu wissen, dass sie sportlich nicht absteigen

können?

Ich weiß es

ehrlich gesagt nicht, ob das wirklich so ein großer Vorteil ist. Man muss

sehen, wie die Spieler damit umgehen, ob sie die Motivation bis zum Schluss

halten können. Aber das ist natürlich eine meiner Aufgaben, dafür zu sorgen,

dass es so ist!

Herr Kühnhackl,

alles spricht davon, dass mehr für den Nachwuchs getan werden muss. Wie sehen

sie das?

Natürlich muss

mehr getan werden, mehr als nur davon zu reden, wie es meiner Meinung nach

viele tun. Ich bin der Meinung, dass die DEL nicht durch Modus-Änderungen

besser werden wird, sondern viel mehr dadurch, inwieweit es gelingt, die

Nachwuchsförderung zu intensivieren.

Wie passt da zum Beispiel die Anhebung des Förderlizenzalters auf 25

Jahre dazu?

Auch da muss man

erst sehen, wie das wirkt. Ich bin aber der Meinung, dass wir in einer

Leistungsgesellschaft leben. Wenn der 17-Jährige besser ist als der 36-Jährige,

muss der 17-Jährige spielen. Wenn die jungen Spieler gut sind, brauchen sie

diesen Schutz nicht, nur muss man ihnen auch das Vertrauen geben.

DEL-Teams wie

Mannheim, Köln oder Berlin betonen, dass sie zu den Top-Adressen im

europäischen Eishockey gehören möchten. Vergleiche mit Top-Teams anderer

Nationen gibt es aber höchstens in der Vorbereitung.

Es ist ja so, dass

sich die besten jungen deutschen Spieler bei den Spitzenteams der DEL

konzentrieren. Gerade sie bräuchten diese internationalen Vergleiche, um sie

auch mit Blick auf die Nationalmannschaft auf das Niveau zu bringen, das wir

uns von ihnen erhoffen. Schade, dass es etwas wie früher den Europapokal nicht

mehr gibt. Nach Möglichkeiten etwas in der Art wieder zu bekommen, müsste

gesucht werden.

Zum Schluss, Herr Kühnhackl: Wer sind ihre Meisterschaftsfavoriten?

Ja, wie gesagt,

das ist zum derzeitigen Zeitpunkt schwer zu sagen. Mit Mannheim, Düsseldorf und

Berlin liegt man aber wohl nicht sehr falsch. Ich halte die Berliner zum

Beispiel für ziemlich clever, sie behalten die Ruhe, haben aus den letzten

Jahren viel gelernt. Zudem besitzen sie neben vorzüglichen Kontakten auch noch

den finanziellen Hintergrund, um personell nachzubessern, wenn es nötig ist.

Vielen Dank und viel Erfolg, Herr Kühnhackl!


(Matthias Eckart - Foto by City-Press)


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