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Der Tanz in den Mai mit Verspätung

Eisbären Berlin: Voll auf die 12! Dynamische Dynastie

Lesedauer: 4 Minuten
Jonas Stettmer war der Sieggarant für die DEL-Meisterschaft 2026.
Jonas Stettmer war der Sieggarant für die DEL-Meisterschaft 2026. (PENNY DEL / City-Press GmbH)

Hockeyweb-Reporter Ronald Toplak über die 12. Meisterschaft der Eisbären in der DEL.

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Die Nacht hatte schon begonnen, sich anders zu erzählen.

Kein Tanz. Noch nicht.

Der Mai stand vor der Tür, aber die Tür blieb angelehnt, nicht offen. In Berlin wartete man, halb in Feierlaune, halb in dieser merkwürdigen Vorsicht, die man sich als Fan über Jahre antrainiert hat. Wer lange genug dabei ist, glaubt nie ganz an das Einfache.

Und dann kam Mannheim.

Zweite Verlängerung. Ein Spiel, das sich streckte, zäh wurde, widerspenstig. 4:3. Ein Fünkchen, das nicht ausgehen wollte. Der Blocksberg? Für einen Moment nur ein Gerücht. Hexenwerk, sagten sie dort. Magie, sagen sie hier. Manchmal ist es dasselbe, nur von verschiedenen Seiten betrachtet.

Der Tanz in den Mai fiel aus.

Vielleicht musste er das.

Denn was diese Mannschaft auszeichnet, ist nicht der Rausch. Es ist die Kälte danach. Dieses leise Wissen, dass es weitergeht. Dass eine Serie nicht am Kalender hängt, sondern an etwas Tieferem. An Geduld. An Struktur. An diesem schwer erklärbaren Gefühl, das andere ehrfürchtig „Playoff-Monster“ nennen.

Sonntag, Mannheim.

Fremdes Eis, fremde Halle, fremde Geräusche. Und doch wirkte es vertraut. Als hätten sie diesen Moment schon einmal gespielt, irgendwo, irgendwann. 4:1 im Spiel. 4:1 in der Serie. Keine Explosion. Eher ein kontrolliertes Ausatmen.

Titel-Hattrick.

Der zwölfte insgesamt.

Zahlen, die man hinschreibt und die doch erst langsam Gewicht bekommen. Drei in Folge ist kein Lauf mehr. Es ist ein Zustand. Zwölf ist keine Statistik. Es ist Geschichte, die sich nicht mehr wegdiskutieren lässt.

Und mittendrin diese Figuren, die bleiben.

Jonas Stettmer zum Beispiel.

Ein Gesicht wie aus einer anderen Zeit, irgendwo zwischen Tourbus und Verstärkerwand. Rockstar, könnte man denken. Aber das greift zu kurz. Eher ein Puckflüsterer. Einer, der die schwarzen Scheiben nicht wegschlägt, sondern sie annimmt, festhält, fast zärtlich. Als würden sie ihm etwas erzählen. Für die Gegner war er der leise Albtraum dieser Serie. Für die eigenen Fans: eine Beruhigung. Verdient wurde er MVP. Schade, dass er geht. Nach Ingolstadt.

Davor die Bewegung.

Dynamo. Dynamik. Dynastie. Worte, die groß klingen und hier doch fast beiläufig wirken, weil sie sich im Spiel bestätigen. Pföderl, Ronning, Tiffels. Müller. Kirk. Mik. Die Jungen, die nachrücken, ohne zu fragen, ob sie schon dran sind. Namen, die man nennen könnte — und es trotzdem nicht ganz schafft, weil es am Ende nicht um Einzelne geht.

Diese Mannschaft ist kein Haufen von Individualisten.

Sie ist etwas Gewachsenes.

Etwas, das sich erinnert.

Ich erinnere mich auch.

An Anfang der 90er. An Spiele, in denen es nicht um Titel ging, sondern ums Überleben. Play-downs gegen Schwenningen. Klassenerhalt als Fest. Man nahm, was man bekam. Und manchmal war das genug.

Heute ist genug etwas anderes.

Vielleicht erklärt genau das die Ruhe.

Dieses fast Unheimliche an den Eisbären. Dass sie nicht mehr überrascht wirken von dem, was sie erreichen. Dass sie Spiele beenden, Serien schließen, als wäre es eine Form von Handwerk.

Und irgendwo dazwischen sitzt Dirk.

Ein Freund, der kurzzeitig ein anderes Leben hatte. Hätte es am Dienstag ein sechstes Spiel in Berlin gegeben, wäre er nicht dabei gewesen. Karten für Christopher Cross. Ein Geschenk an die Frau. Kuschelrock statt Titelkampf. „Liveticker? Darauf kann ich verzichten.“ Ein Satz, der mehr über das Leben erzählt als über Sport.

Am Ende gab es keinen Gewissenskonflikt.

Liebe und Eishockey mussten nicht gegeneinander antreten.

Manchmal fügt es sich.

Vielleicht ist das die eigentliche Pointe dieses Frühlings.

Dass selbst in einer Geschichte über Dominanz, über Hattricks und Zahlen, immer noch Platz bleibt für solche kleinen Verschiebungen.

Der Tanz in den Mai?

Er kam später. Leiser vielleicht. Reifer.

Denn Titel fallen hier inzwischen fast wie am Fließband — und werden doch nicht zur Routine.

Nicht für die, die sich erinnern.

Zwölf.

Und irgendwo hört man schon wieder dieses leise Raunen:

Wenn das erst der Anfang war — was kommt dann noch?

Mit zwölf beginnt die Pubertät, sagt man.

Man möchte nicht wissen, wie diese Mannschaft erst erwachsen wird.

Um es in der Boxersprache zu formulieren: Voll auf die 12! Jetzt schlägt's 13.

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