Ein Schnuppertag und was daraus wirdGirls Day in Straubing

Zahlreiche Mädchen nahmen am Girls Day in Straubing teil. (Foto: ahw)Zahlreiche Mädchen nahmen am Girls Day in Straubing teil. (Foto: ahw)
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Michal Hlozek musste nach mehreren Kreuzbandverletzungen seine Laufbahn als Spieler früh beenden. Bei einer eineinhalbjährigen Reha in Bad Griesbach kam über Bekannte der Kontakt nach Straubing zustande. Der EHC suchte einen Nachwuchstrainer, jetzt ist er seit drei Jahren im Gäuboden und seit diesem Jahr Cheftrainer. Und da hat er einiges zu tun. Er rechnet nach, wie viele Nachwuchsspieler aktiv sind, und meint dann: „Mit der U20 sind es etwa 155 Kinder und Jugendliche.“ Da hat sich in den Jahren einiges getan. Hlozek erinnert sich: „Als ich angefangen habe, waren ein paar Kinder in der U9 und die U17 waren sechs Jungs. Die U9 hat inzwischen zwei Mannschaften.“

Die Arbeit lohnt sich

Neben dem Girls Day, der einmal im Jahr stattfindet, gibt es auch die Kids on Ice Days, die es zweimal pro Jahr gibt. Alles gehört zum Fünf-Sterne-Programm des DEB, doch das ist nicht der Hauptgrund, diese Tage zu veranstalten. Michal Hlozek sagt bestimmt: „Definitiv nicht. Diese Tage sind eine super Chance für uns, Kinder fürs Eishockey zu gewinnen.“ Dabei ist es gar nicht mal so wichtig, dass die Straubing Tigers in der höchsten deutschen Spielklasse starten. Michal Hlozek berichtet: „Klar, wir sind DEL-Standort und wenn die Tigers gut spielen, kommen immer mehr, aber eigentlich ist das eher zweitrangig. Die größeren wissen, wer die Tigers sind, aber die Kleinen  haben da noch keinen so großen Bezug, die kommen eher, weil wir gute Arbeit machen. Umso mehr Spaß die haben, umso besser lernen sie Schlittschuhlaufen.“ Diesen Zuspruch konnte man am Samstag deutlich sehen. Hlozek erzählt: „Wir hatten fünf Stationen auf dem Eis und hatten überall sieben oder acht Mädels. Das ist nicht schlecht.“ Vor allem da es diesmal ja eine reine Mädchenveranstaltung war. Zum Vergleich: Beim letzten Kids on Ice Day, also Jungs und Mädchen, waren 42 Kinder auf dem Eis. Früher gab es solche Schnuppertage nicht. Julia Zorn, die Kapitänin der Frauennationalmannschaft, erzählt: „So was gab es früher überhaupt nicht. Bei mir war es damals der Sandkastenspezl der gespielt hat, bei vielen anderen lag es an den großen Brüdern, die schon gespielt haben.“

Was bringt der Tag

Für einen kleinen Standort wie Straubing ist es doppelt schwer, eine ganze Damen- oder Mädchenmannschaft zu stellen. Trotzdem berichtet Michal Hlozek mit Stolz: „Wir haben unten inzwischen viele Mädels, die Eishockey spielen. Bei der U17 haben wir Lilly Uhrmann, die in der Nationalmannschaft spielt und darum macht der Girls Day auch Sinn, wenn er nicht im Fünf-Sterne-Programm vom DEB wäre. Mit so einem Zuspruch wie heute, haben wir echt nicht gerechnet.“ Sinn dieser Veranstaltungen ist es natürlich, die Kinder zum Eishockey zu bringen und auch hier ist der Trainer mit den Zahlen zufrieden: „Beim letzten Kids on Ice Day waren 42 Kinder da, davon sind sieben zum Verein gegangen.“ Diese Tage machen also durchaus großen Sinn. Julia Zorn meint: „Ich würde das definitiv nicht als vergebene Liebesmühe bezeichnen. Es gibt vielen Mädchen einfach die Chance, es einfach mal auszuprobieren, auch wenn da kein großer Leistungsgedanke dahinter steckt, aber einfach, dass man mal die Chance hat, es auszuprobieren. Und auch für die Mädchen die schon in Jungs-Vereinen sind, mal nur mit Mädchen was zu machen, weil es einfach nochmal was anderes ist. Ich finde, dass das eine Supersache ist.“

Gegen Vorurteile kämpfen

Doch es gibt einige Vorurteile, die ein echtes Problem sind und gegen die es zu kämpfen gilt. Nicht nur viele Eltern haben offensichtlich falsche Vorstellungen von Damen-Eishockey. Julia Zorn erzählt: „Die erste Reaktion ist immer: `Was, es gibt Dameneishockey?´. Und dann kommt oft: `Also Eishockeyspielerinnen habe ich mir anders vorgestellt.´ Viele erwarten sehr große und kräftige Frauen, aber die Wahrheit ist eine andere, da muss man sich nur Jennifer Harß oder auch eine Viona Harrer ansehen. Das sind zwei Weltklasse-Torhüterinnen und die sind alles andere als breit.“ Ein anderes Beispiel ist Verteidigerin Jen Germyn. Die Frau des Ex-Stürmers Carsen Germyn ist alles andere als eine bulgarische Kugelstoßerin. Die Reihe an Beispielen lässt sich endlos fortführen. Michal Hlozek kann diese Meinung nur bestätigen: „Eishockey ist eine Super-Sportart, auch für Mädels und Frauen, da bleibst du einfach fit.“ Trotzdem gibt es sicher Unterschiede. So berichtet Julia Zorn: „An sich ist es derselbe Sport. Ich würde sagen, Männereishockey ist schneller und ein stückweit körperbetonter, dafür ist das Fraueneishockey eher etwas technischer.“

Unterschätzt und ungenutztes Potenzial

Julia Zorn berichtet von Problemen, mehr Mädchen zum Eishockey zu bringen: „Ich glaube, dass das generell ganz schwierig ist. Es gibt viele Vereine, die von vorne herein sagen, wir wollen keine Mädchen. Das ist natürlich immer schwierig, weil wenn man sich dann ohnehin schon unerwünscht fühlt, warum sollen die dann dabei bleiben. Viele Vereine sehen das halt so, dass sie dadurch keinen Mehrwert haben. Es wäre auch eine gute Sache, wenn die Vereine auch damit werben würden, dass sie diese oder jene Spielerin hervorgebracht haben. Darauf kann man genauso stolz sein, wie wenn man einen guten männlichen Eishockeyspieler ausbildet.“ Das hat leider auch der Ausbildungsclub von Julia Zorn verpasst, dabei hätte die sympathische 29-jährige einiges vorzuweisen. Seit 2003 spielt sie bei einem der besten Damenclubs, dem ESC Planegg, und wurde in den letzten zehn Jahren sechsmal Deutsche Meisterin. Die anderen vier Jahre Vizemeisterin. Sie spielt seit Jahren eine tragende Rolle in der Nationalmannschaft, ist dort Kapitänin und nahm neben Weltmeisterschaften auch an Olympischen Spielen teil. Eine Vita, mit der man durchaus werben könnte. Nicht nur mit Julia Zorn verpassen die Vereine da einiges: „Das sehe ich definitiv so“, sagt Zorn. „Man hat das ja jetzt auch gesehen am NHL Allstar Weekend. Da haben vier Mädels mitgemacht und die waren alles andere als negativ, sondern super positiv. Das sah man ja an den ganzen Kommentaren in den sozialen Medien. In Deutschland lässt man sich da generell unter Wert verkaufen. Da ist noch viel Potenzial da.“

Einfach mal versuchen

Was also kann man machen? Der erste Schritt wäre einfach mal die nächste Chance nutzen und einen Schnuppertag beim Girls Day oder beim Kids on Ice Day nutzen. Denn egal, was dabei rauskommt, Spaß hatten auch heute wieder alle Kinder auf dem Eis, das erzählten die vielen lachenden Kinder und strahlenden Kinderaugen.

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