WM-Erinnerungen (21)

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Sie wissen, lieber Fan, dass in gut zwei Wochen die WM in den Schweizer Städten Bern und Zürich beginnen wird. Unser Team trifft in seiner Gruppe in Bern auf Russland, Frankreich sowie Gastgeber und Erzrivale Schweiz. Falls die Schützlinge von Bundestrainer Krupp unter den ersten Drei landen (Frankreich müsste eine lösbare Aufgabe sein), wären in der nächsten Runde die ersten Drei aus der Nachbargruppe (Schweden, Österreich, Lettland und die USA) die Gegner. Hier geht es unter Mitnahme der Punkte (die Punkte, die gegen den Gruppenletzten erzielt worden, fallen natürlich weg) um den Einzug ins Viertelfinale.
 
Falls alles gut geht und ich gesund bleibe, wird es das 27. A-WM-Turnier sein, welches ich seit 1975 (ich war der erste Zuschauer im ausverkauften Spiel UdSSR gegen die CSSR, aber das war eine ganze andere Geschichte) besuche. Ich werde nach 1991 (damals das Theater mit der Krankheit Xaver Unsinns, dem „Doping“ Uwe Krupps und dem Sieg gegen Norwegen mit einer Differenz von einem einzigen Treffer, der den Adlerträgern den Verbleib in der A-Gruppe sicherte) und 1998 (unsere Mannschaft musste nach dem Turnier in eine Qualifikation, die sie in Sloweniens Hauptstadt Laibach nicht schaffte und damit abstieg) zum dritten Male im Land der Eidgenossen sein. Im Klartext: Bis jetzt war nicht viel Positives aus Basel, Zürich und Bern aus deutscher Sicht zu berichten.
 
Da ich die Weltmeisterschaften 2007 und 2008 wegen meiner dämlichen Flugangst nicht besuchen konnte, hatte ich naturgemäß auch keine Erinnerungen zu Papier bzw. Computer gebracht. Bis zum Turnierbeginn werde ich in unregelmäßigen Abständen diese Erinnerungen ergänzen.
 
Vor rund drei Jahren schloss mein letzter Beitrag (Nr. 20) mit „Absteigen musste neben Deutschland auch Gastgeber Österreich. ´Hand in Hand gehen wir in die B-Gruppe´, so ein Wiener Kollege in seiner typischen selbstironischen Art.
 
Hand in Hand stiegen sowohl die Cracks aus der Donau- und Alpenrepublik als auch die Adlerträger wieder auf. Mit dem neuen Bundestrainer Uwe Krupp, der auf den glück- und erfolgslosen Greg Poss folgte, ging ein frischer Wind durch das morbide Gefüge. Im nordfranzösischen Amiens hießen die Gegner unter anderem Israel statt Schweden, Japan statt Kanada, Großbritannien statt Russland. Dazu kamen noch Ungarn und Gastgeber Frankreich. Wie sieben Jahre zuvor in Dänemark staunten auch in der Stadt mit der größten Kathedrale Europas die einheimischen Fans über die deutschen Zuschauer. Das positive Ausstrahlung der Allemandes beeinflusste das ganze Fluidum. Wie 1999 in Dänemark machten unsere Fans allerbeste Werbung für die Sportart mit Schläger und Puck.
 
Während in Estlands Hauptstadt Reval die Österreicher bei einigen Spielen zittern mussten, machten unsere Cracks mit ihren jeweiligen Gegnern „kurze Fuffzehn“ und kanzelten sie mehr oder weniger deutlich ab. Falls es noch irgendwelcher Klärung bedurfte: Am letzten Tag hatten die Gastgeber beim 0:5 gegen Stefan Ustorf (der nach dem Match seinen Rücktritt aus der Nationalmannschaft erklärte) & Co. keine Chance. Die Zuschauer merkten schnell, dass ihre Lieblinge den Deutschen nicht beikommen konnten. Daher blieben Unmutsäußerungen angesichts der deutschen Überlegenheit aus.   
 
Der deutsche Kader (in Klammern Tore/Beihilfen): Tor: Robert Müller, Thomas Greiss; Verteidigung: Sascha Goc (6/5), Anton Bader, Martin Ancicka (je 2/2), Frank Hördler (0/3), Alexander Sulzer (0/3), Michael Bakos (0/2), Andreas Renz (1/0); Sturm: Marco Sturm (4/3), Felix Schütz (2/5), Daniel Kreutzer (2/4), Stefan Ustorf (1/5), Florian Busch (0/5), Tino Boos, Yannic Seidenberg (je 2/2), Philip Gogulla (1/3), Alexander Barta, Christoph Gawlik (je 3/0), Christoph Ullmann, Petr Fical (je 1/2), Sven Felski (1/1).
 
Ein paar Tage später stand in Lettlands Hauptstadt Riga die A-WM an. Vor mir lag eine Reise ins Unbekannte. (Fortsetzung folgt).

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