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Die kleine Sommerserie

Was war vor 80 Jahren? Die Eishockey-Saison 1946/47

Lesedauer: 4 Minuten
Foto: dpa

Anfang Mai ging in Deutschland die letzte Eishockeysaison zu Ende und seitdem interessieren sich die Fans für Neuigkeiten, besonders im personellen Bereich. Aber was war, sagen wir, vor 80 Jahren? Damals stand die Saison 1946/47 bevor und im Gegensatz zu heute war es vielfach nicht klar, ob überhaupt gespielt werden konnte und mit welchen Mannschaften. Machen wir also einen kleinen Sprung in eine Zeit, in der die meisten von uns noch nicht einmal geboren waren.

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Vor achtzig Jahren, ein Jahr nach Beendigung des zweiten Weltkriegs, war für viele Menschen Sport in der persönlichen Hierarchie weit nach hinten gerutscht. Im Vordergrund stand schlicht das Überleben sowie der Aufbau der zerstörten Städte. Da es an Lebensmitteln fehlte, die meisten Menschen schlank waren, gab es auch wenig Motivation, sich neben der Arbeit noch sportlich zu betätigen. Allerdings war der Sport auch eine Möglichkeit, nach den meist tristen Arbeitstagen für ein paar Stunden alles zu vergessen.

Damals waren in jeder Stadt die Sportanlagen auf das heftigste in Mitleidenschaft gezogen worden, was selbstverständlich auch für den Eissport galt. Die wenigen vorhandenen Hallen waren zu diesem Zeitpunkt noch kaum spielfähig und auch in den Freiluftstadien waren die Schäden noch immens. Trotzdem gab es erste zarte Versuche, das Eishockey zu etablieren. Immerhin konnten zwei westdeutsche Traditionsvereine in Krefeld gegeneinander spielen und so trafen sich am 19. und 20. Januar 1946 der Krefelder EV und die Düsseldorfer EG zu zwei Begegnungen, die der KEV mit 7:0 und 8:2 für sich entscheiden konnte und immerhin den Titel eines Rheinmeisters für sich beanspruchen konnte. In Bayern galt das gleiche für den SC Riessersee und dem EV Füssen. Die Werdenfelser gewannen die einzige Begegnung, die gleich als Finale proklamiert wurde, mit 5:0 und wurden bayrischer Meister. Ein Vergleich der beiden regionalen Meister war aus organisatorischen Gründen nicht möglich und so gab es 1946 keinen Deutschen Meister.

Das sollte sich ein halbes Jahr später, zur Saison 1946/47, ändern. Neben dem Westen und dem von Bayern dominierten Süden trafen sich auch Teams in Hessen und in Berlin, wobei es für letztere ein Politikum war, da sich Berlin in der sowjetischen Besatzungszone befand und an finalen Turnieren nicht teilnehmen konnte. Die Meisterschaft, so wie wir sie heute kennen, gab es nicht. Es gab einzelne Turniere mit maximal vier Mannschaften, die zudem unterschiedlich gewertet wurden. Da gab es beispielsweise ein Turnier im November 1946 in Krefeld, bei dem neben Gastgeber Krefelder EV noch der EV Füssen, SC Riessersee und die Düsseldorfer EG anwesend waren. Das Turnier gewann der KEV mit neun Punkten vor Riessersee, Füssen und der DEG. Daraufhin nannte sich der KEV deutscher Meister, was der DEB aber ablehnte. Der DEB ernannte daraufhin den Krefelder EV zum Bizonenmeister, später Interzonenmeister (britisch-amerikanisch), aber ohne offiziellen Status.

Da Bayern sich übergangen fühlte, wurde dort zwischen dem 1. und 3. Dezember 1946 ein weiteres Turnier durchgeführt. Teilnehmer: SC Riessersee, Bizonenmeister Krefelder EV und der EV Füssen. Das Turnier ging eindeutig an den SC Riessersee, der sich Bayrischer Meister nannte.

Ein weiteres Turnier fand im Februar 1947 im wieder renovierten Colonel-Knight-Stadion in Bad Nauheim statt, bei dem es gleich mal einen Skandal gab. Der heimische VfL, der sich im Januar gegen den SC 1880 Frankfurt und den SC Forsthausstraße Frankfurt durchgesetzt hatte, empfing nun noch einmal den SC Forsthausstraße sowie die schwäbischen Vertreter aus Stuttgart und Schwenningen. Bad Nauheim setzte sich auch in diesem Finale durch und wäre für das Halbfinale qualifiziert gewesen, wenn Stuttgart nicht erfolgreich Protest eingelegt hätte. Den Funktionären des Stuttgarter EC fiel auf, dass der VfL Bad Nauheim mit Spielern angetreten war, die keine Spielberechtigung hatten. Das bedeutete somit, dass die Stuttgarter in das Finale einzogen, um dann gegen den Favoriten aus Riessersee mit 2:16 einzugehen.

Die Garmischer, die zuvor das bayrische Finale gegen den EV Füssen mit 4:3 für sich entschieden hatten, trafen nun im Finale auf einen Gegner, der aus politischen Gründen als regionaler Meister direkt ins Finale einziehen durfte: Die EG Eichkamp Berlin. Nun werden viele denken, diesen Namen haben sie noch nie gehört. Das ist verständlich, denn vielen Vereine, auch in anderen Sportarten, mussten nach dem zweiten Weltkrieg auf Anordnung der Alliierten für kurze Zeit ihre Namen ändern und so wurde aus dem Berliner SC für kurze Zeit die EG Eichkamp.

Und somit trafen sich am 7. März 1947 in Garmisch-Partenkirchen der SC Riessersee und die EG Eichkamp zum offiziellen Meisterschaftsfinale, das klar an den SCR ging. Die Garmischer gewannen die Partie mit 10:1 (4:0, 3:0, 3:1) in der Aufstellung: Tor: Wilhelm Egginger, Philipp Schenk; Verteidigung: Karl Wild, Hans Lang, Georg Strobl, Walter Schmidinger; Sturm: Hugo Speth, Gustav Jaenicke, Franz Stern, Franz Dolna, Wolf Röhrl.

Die Aufstellung der EG Eichkamp ist leider nicht archiviert worden. Als einziger Name tauchte der beste Freund des Garmischers Gustav Jaenicke, Rudi Ball, auf. Ball, damals im Finale bereits 36-jährig, hatte 1927 seine Karriere beim Berliner SC begonnen und beendete diese 1951 bei den Wolves IHC in Südafrika.

Wer in diesem Bericht nach einer zweiten oder gar dritten Liga sucht, muss sich auf die nächsten Zeitreisen gedulden. Eine zweite Liga tauchte in Deutschland erst fünf Jahre später auf, eine dritte Liga erst am Ende der fünfziger Jahre.

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