Hall of Fame Gala 2007 – Michaela Hildebrandt erste Frau in Ruhmeshalle

Fünf Neue in der Hall of Fame aufgenommenFünf Neue in der Hall of Fame aufgenommen
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Es herrschte eine Atmosphäre wie auf einem Klassentreffen im Festsaal, den die Augsburger Lechwerke zum zweiten Mal für diese Gala-Veranstaltung zur Verfügung stellten. Man lag sich zur Begrüßung alter und lieber Bekannte allenthalben in den Armen, es wurde sich gegenseitig von oben bis unten gemustert und natürlich reichlich Komplimente verteilt. Horst Eckert, nimmer müde werdender Präsident des Eishockey Museum e.V., hatte eingeladen und alle waren sie gekommen: IIHF-Schatzmeister Dr. Hans Dobida, DEB-Vizepräsident Uwe Harnos, DEB-Generalsekretär Franz Reindl, Wolfgang Niersbach (DFB), Trainer-Legende Xaver Unsinn, Alois Schloder, Ex-Nationaltrainer Hans Zach, Jupp Kompalla, Gerhard Lichtnecker, Herbert Watterott und und und… Menschen also, die das Eishockey hierzulande voran brachten und noch immer tatkräftig bringen, hatten sich zahlreich in Augsburg eingefunden.

Es ging jedoch nicht nur darum, sich nach zum Teil langer Zeit einmal wieder zu sehen, sondern um weitere verdienstvolle Trainer, Spieler und Funktionäre durch die Aufnahme in die deutsche Hall of Fame zu ehren. Erich Kühnhackl zum Beispiel erhielt die Xaver Unsinn-Trophy für das Wirken seiner Stiftung zur Förderung des deutschen Eishockeynachwuchses. Wolfgang Niersbach, dessen Bindung zum Eishockey in der Zeit seiner journalistischen Tätigkeit zustande kam, hielt die Laudatio für den „Langen“.

Die Laudatoren für die neu in die Hall of Fame aufgenommenen Jan Ake Edvinsson (IIHF-Generalsekretär von 1985 bis 2006), Georg Franz (135-facher Nationalspieler), Holger Meitinger (Topscorer der WM 1981 für Deutschland) und Dieter Medicus (100 mal für Team Germany auf internationalem Eis unterwegs) fanden launige Worte für die Geehrten, die allesamt aus ihrem Stolz keinen Hehl machten. Dieter Medicus widmete seine Aufnahme in die Ruhmeshalle seinem viel zu früh verstorben Vater Fritz Medicus, dessen Name sich ebenfalls in der Galerie der „Hall of Famer“ findet.

Ganz gewiss im Mittelpunkt der Ehrungen stand jedoch die Aufnahme von Michaela Hildebrandt vom OSC Berlin. Nicht nur, dass die Berlinerin eine glanzvolle Karriere als Spielerin vorzuweisen hat, nein, sie krönte ihr Wirken im vergangenen Jahr zudem noch als erste weibliche Trainerin überhaupt mit dem Titel des Deutschen Meisters. Unter großem Beifall nahm Michaela Hildebrandt Medaille und Urkunde entgegen. Dass Michaela Hildebrandt in ihrer Danksagung an die Jury die Gelegenheit wahrnahm, um eine Lanze für das nach wie vor viel zu wenig beachtete Dameneishockey zu brechen, fand ihm prominenten Auditorium vollste Zustimmung. Gut, dass neben Funktionären auch zahlreiche Pressevertreter zugegen waren, so dass ihr eindringlicher Appell sogleich den Weg in die richtigen Ohren fand.

Kein Geehrter und kein Laudator versäumte es, Horst Eckert und seinem Team ehrenamtlicher Helfer für ihre aufopferungsvolle Tätigkeit zu danken. Mit stets kleinem Budget wird in Augsburg Großes in Sachen Tradition des deutschen Eishockeys geleistet.

Kritisch wird allerorts die fortschreitende, jedoch kaum aufzuhaltende Kommerzialisierung unseres Sports beäugt, der Verlust von Traditionen wortreich wie lautstark bedauert. Doch für den Ort, an dem die Geschichte des deutschen Eishockeysports mit viel Herzblut in ausschließlich ehrenamtlicher Tätigkeit gehegt und gepflegt wird, wird vergleichsweise wenig, zu wenig Konkretes unternommen. Im Zuge der jüngst zu Ende gegangenen Weltmeisterschaften in Moskau konzentrierte sich die öffentliche Diskussion zu Recht auf die Gestaltung der Zukunft des Eishockeys hierzulande. Wer auf bald sprießende kräftige Triebe – also sportliche und wirtschaftliche Erfolge - hofft (egal, ob nun in der DEL, dem DEB und der ESBG), sollte der Pflege der Wurzeln allerdings nicht minder viel Aufmerksamkeit zuteil werden lassen.

Matthias Eckart – Oliver Koch