Graz 99ers: Vom Meistertraum direkt in Europas Eishockey-Königsklasse

Nach Jahren des Wartens, nach vielen Anläufen und mancher Enttäuschung haben die 99ers in der vergangenen Saison endlich geliefert: Meister.
Nicht irgendwie, nicht mit Ach und Krach, sondern dominant, ohne Niederlage in den Playoffs. In der Murstadt wird wieder geträumt, und zwar größer als bisher.
Denn auf die Meisterparty folgt für die Moser Medical Graz 99ers jetzt die nächste Herausforderung: die Champions Hockey League. Europas Klub-Elite, große Namen und Spiele, bei denen es um weit mehr geht als um Punkte im Ligaalltag. Für die Grazer ist es erst die zweite CHL-Teilnahme nach 2019/20. Diesmal reisen sie jedoch nicht als Außenseiter an, sondern als ICEHL-Champion.
Und genau das macht die Sache so spannend. Graz hat sich in der vergangenen Saison den Respekt der ICE Hockey League erarbeitet. Nun geht es darum, diesen Ruf auch international zu bestätigen. Auf einmal heißen die Gegner nicht mehr nur KAC, Salzburg oder Bozen, sondern Fribourg-Gottéron oder Eisbären Berlin. Das sind Namen, bei denen Eishockeyfans nicht lange überlegen müssen, sondern wissen: Da wartet eine echte Herausforderung.
Die Euphorie soll weitertragen
Der Meistertitel hat in Graz etwas ausgelöst. Die 99ers waren in den vergangenen Jahren oft Thema, aber selten so positiv und so geschlossen wie in dieser Saison. Die Mannschaft hat der Stadt einen sportlichen Moment beschert, über den man nicht nur in der Eishalle gesprochen hat.
Die CHL bietet die ideale Bühne, um an diese Aufbruchsstimmung anzuknüpfen. Sie ist nicht bloß ein Zusatzprogramm vor dem Ligastart, sondern eine Gelegenheit, die Stimmung weiter anzufeuern. Ein starker Abend gegen einen Schweizer Topklub, ein Auswärtserfolg in Berlin oder ein später Sieg vor heimischem Publikum können die Euphorie in Graz weitertragen und zeigen, dass der Titelgewinn nur der Beginn von etwas Größerem war.
Die 99ers starten am 3. September zu Hause gegen Fribourg-Gottéron in die Königsklasse. Zwei Tage später kommen die Bordeaux Boxers nach Graz. Zwei Partien, die früh zeigen werden, wohin die Reise gehen kann.
Neues Personal für große Aufgaben
Dass Graz die europäische Herausforderung ernst nimmt, zeigt auch der Blick auf den Kader. Die 99ers setzen zwar weiterhin auf den Kern der Meistermannschaft, haben aber gerade in der Defensive gezielt nachgelegt. Mit David Maier kommt ein österreichischer Nationalteamverteidiger nach Graz. Der 26-jährige Kärntner soll der Abwehr jene Ruhe und Stabilität geben, die gerade gegen internationale Spitzenteams gefragt ist. Dazu verstärkt Ole Julian Bjørgvik-Holm die 99ers. Der 24-jährige Norweger, einst von den Columbus Blue Jackets gedraftet, bringt körperliche Präsenz und Erfahrung aus dem internationalen Eishockey mit.
Es ist ein klares Zeichen: Graz will sich nicht auf dem Meistertitel ausruhen. Die Mannschaft soll breiter, stabiler und widerstandsfähiger werden. Denn in der CHL reicht es nicht, schön mitzuspielen. Gegen Teams aus den europäischen Topligen musst du auch dann standhalten, wenn es eng wird, wenn der Druck steigt und ein Spiel in den letzten Minuten entschieden wird.
Berlin als Prüfstein
Mit den Eisbären Berlin wartet auf die 99ers der deutsche Meister und einer der bekanntesten Namen im europäischen Eishockey. Für Graz wird dieses Duell zum echten Gradmesser, nicht unbedingt, weil ein Sieg Pflicht wäre, sondern weil solche Partien zeigen, ob ein Team auch auf diesem Niveau bestehen kann.
Die Vorfreude auf die europäischen Aufgaben ist im Klub jedenfalls spürbar. „Unsere Fans können sich schon richtig drauf freuen. Auslosung und Gegner hätten für uns jedenfalls nicht besser, nicht attraktiver sein können“, sagt Philipp Pinter, Sportdirektor der Graz 99ers.
Dass Graz einem deutschen Topteam Paroli bieten kann, zeigte bereits die Vorbereitung gegen die Adler Mannheim. Nach einer 1:4-Niederlage im ersten Testspiel folgte im zweiten Duell eine starke Reaktion: Die 99ers gewannen 4:3.
Neben Berlin warten mit Liberec, SaiPa Lappeenranta und Storhamar Hamar weitere anspruchsvolle Gegner. Sie mögen auf dem Papier weniger glamourös wirken, können für den Einzug ins Achtelfinale aber mindestens genauso entscheidend sein. Denn in der CHL genügt es nicht, gegen große Namen mitzuhalten. Graz braucht Punkte, um den Sprung in die K.-o.-Phase zu schaffen.
KAC und Salzburg komplettieren das CHL-Aufgebot
Neben den Graz 99ers vertreten auch der EC-KAC und der EC Red Bull Salzburg die ICE Hockey League in der Champions Hockey League. Der KAC qualifizierte sich als Zweiter des Grunddurchgangs, Salzburg als Dritter. Damit stellt die ICEHL drei österreichische Vertreter in Europas bedeutendsten Klubwettbewerb.
Die Klagenfurter bringen traditionell viel internationale Erfahrung mit und starten zu Hause gegen Bordeaux sowie Fribourg-Gottéron in den Wettbewerb. Salzburg kennt die Anforderungen der CHL ebenfalls seit Jahren und will seine Routine diesmal möglichst konsequent in Punkte ummünzen. Graz wiederum reist mit frischem Schwung an und will zeigen, dass der Titelgewinn kein Ausreißer, sondern der Beginn einer neuen Ära war.














