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Achter Titel nach Penaltyschießen

Fast fünf Stunden Skaterhockey, irre 53 Sekunden: Crash Eagles Kaarst wieder Meister

Lesedauer: 4 Minuten
Die Crash Eagles Kaarst wurden zum achten Mal Deutscher Skaterhockey-Meister.
Die Crash Eagles Kaarst wurden zum achten Mal Deutscher Skaterhockey-Meister. (Foto: Crash Eagles Kaarst)

Ein Spiel, das in die Geschichte eingehen wird. Es war an Dramatik, spielerischer Finesse und Spannung nicht zu überbieten. Am Ende einer spektakulären Schlussphase gewinnen die Crash Eagles Kaarst das dritte Play-off-Finalspiel bei den Eagles Essen-West mit 11:10 (3:0, 3:4, 2:0, 4:4, 1:0) nach Penaltyschießen. Damit ziehen die Adler mit den Düsseldorf Rams und den Duisburg Ducks durch den achten Titel als geteilter Rekordmeister gleich.

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Das Spiel bot alles, was diesen Sport ausmacht und noch mehr sogar. Normalerweise dauert ein Spiel zwei Stunden, am Samstagabend stand der Sieger erst nach knapp fünf Stunden fest. Hauptgrund war eine lange Unterbrechung, da es ein Problem mit einem lackierten Bereich der Spielfläche in der Schiedsrichterzon gab, der aufgrund der hohen Luftfeuchtigkeit glatt und damit unbespielbar war. Dies wurde unter tätiger Mithilfe beider Vereine dann gelöst.

Im Spiel selbst war Kaarst bis dato nicht ausgerutscht und führte bis zur Unterbrechung durch Tore von Lennart Otten (6.) und Jan Wrede (8.) mit 2:0. In Überzahl gelang Thimo Dietrich gar das 3:0 aus Kaarster Sicht (13.). Im zweiten Drittel kamen die Essener dann mit ordentlich Power zurück in die Partie. Nach einer Umstellung konzentrierten die Essener mit Fabian Lenz, Enrico Saccomani, Sebastian Schneider und Dominik Luft ihre Ausnahmekönner in einer Reihe und konnten so durch einen Doppelschlag von Fabian Lenz (24.) den Anschluss schaffen. Thimo Dietrich sorgte dann mit dem 4:2 wieder für etwas Entspannung (28.), die allerdings nicht lange währte. Luft (32.) und erneut Lenz (35.) glichen aus. Dieser Kraftakt hatte Essen allerdings Körner gekostet und so konnten Jan Wrede (38.) und Thimo Dietrich (40.) wieder den alten Abstand herstellen. Mit einer 6:4-Führung ging es dann ins letzte Drittel. Im dritten Abschnitt waren es dann Kaarster Strafzeiten, die Essen zurück aufs Pferd halfen. Enrico Saccomani (46.) traf zum 6:5 und Fabian Lenz zum 6:6 (59.). Damit ging es in die Verlängerung.

Hier legten die Adler aus Kaarst vor und Thimo Dietrich, der Freundschaft mit der kleinen Spielfläche in Essen geschlossen hatte, stellte auf 7:6 für Kaarst, nach Vorlage von Goalie Max Drücker. Enrico Saccomani meldete sich dann mit dem Ausgleich zu Wort (66.) und hatte danach noch lange nicht genug. Essen zog davon auf 7:10 durch Treffer von Schneider (70.) und zweimal Saccomani (71., 74.). Kaarst schien geschlagen und drei Minuten vor Ende sangen die Fans in der ausverkauften Halle: „Deutscher Meister wird nur der ESC“. So ziemlich jeder in der Halle hätte dies auch unterschrieben. Was dann passierte war unfassbar. Bis dato hatte fast ausschließlich Kaarst die Strafbank besucht, doch in der 77. Minute musste Enrico Saccomani auf das Sünderbänkchen und CEK-Coach Olli Derigs riskierte alles und zog Max Drücker zugunsten eines fünften Feldspielers. Kaarst hatte das Glück des Tüchtigen, denn eine Befreiung der Essener landete am Pfosten der andere Versuch wurde famos von Lennart Otten aus der Luft gestoppt, der dann Thimo Dietrich bediente und so stand es 8:10 (78.) aus Sicht der Adler. Mittlerweile hatte sich auch Sebastian Schneider auf die Strafbank gesellt und Felix Wuschech gelang tatsächlich der Anschluss (79.). Kaarst weiter ohne Torwart und Essen unter Schock. Tatsächlich wurde der Mut der Kaarster belohnt und Tim-Niklas Wolff traf zum 10:10 (79.). In 53 Sekunden entrissen die Kaarster den Essenern den sicher geglaubten Titel. Mehr noch, Kaarst hätte noch einen Penalty bekommen müssen, denn Lennart Otten war 20 Sekunden vor Ende frei vor Goalie Marvin Frenzel und wurde zu Fall gebracht. Warum die Schiedsrichter den Penalty nicht gaben, bleibt ein Geheimnis. Dominik Luft musste auf die Strafbank und durfte dann beim Penaltyschießen nicht teilnehmen.

Das Penaltyschießen war dann analog zu den 80 Minuten Skaterhockey ebenfalls dramatisch. Essen legte vor in Person von Enrico Saccomani, Thimo Dietrich glich aus, Constantin Wichern brachte Essen-West mit 2:1 in Front und Lennart Otten war dann mit dem 2:2 zur Stelle. Dann verschossen Fabian Lenz, Tim-Niklas Wolff, Sebastian Bürgers und Jan Wrede. Auch Sebastian Schneider traf nicht und so konnte Felix Wuschech alles klar machen. Der Verteidiger scheiterte aber an Marvin Frenzel und so war wieder Enrico Saccomani an der Reihe. Der beste Mann der Finalserie scheiterte am überragenden Max Drücker im Kaarster Tor und dann kam Thimo Dietrich. In unnachahmlicher Weise tanzte er Frenzel im Essener Tor aus und schoss Kaarst zur Deutschen Meisterschaft. Unglaublicher Jubel im Kaarster Team und im Kaarster Anhang. Zehn Minuten zuvor lag man 7:10 zurück, kämpfte sich zurück und behielt die Ruhe und Coolness im Penaltyschießen. Trainer Olli Derigs hatte Tränen in den Augen. „Ich habe immer noch nicht begriffen, was die Jungs da gestern vollbracht habe und heul gleich schon wieder“, sagte der Kaarster Übungsleiter am Morgen nach dem Sieg.

Es war der vierte Titel in Folge für Kaarst, der achte in der Vereinsgeschichte. Damit ziehen die Adler gleich mit Duisburg und Düsseldorf. Ein Wermutstropfen aus Kaarster Sicht ist der Umstand, dass Erfolgscoach Oliver Derigs nächste Saison nicht an der Bande stehen wird.

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