Eisfläche oder Klassenzimmer?Teil 2 unseres Nachwuchs-Portraits

Michael Fichtl im Trikot des EV Regensburg.  (Foto: Melanie Feldmeier / arSito.de )Michael Fichtl im Trikot des EV Regensburg. (Foto: Melanie Feldmeier / arSito.de )
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Die Ursprünge des sportlich eisigen Werdegangs des Michael Fichtl liegen im oberbayerischen Hohenfurch nahe dem Allgäu. Sein Vater schnürte seinerzeit die Schlittschuhe für den örtlichen Eishockeyclub, den SV Hohenfurch. Unter den Stammzuschauern war damals auch der kleine Michael stets zu finden und kam dadurch auf den Geschmack, selbst mit dem Schläger in der Hand über das Eis zu flitzen – das war im Jahre 2006. Bei seinen Anfängen im Nachbarclub, der EA Schongau, sah man bereits das Talent und den Siegeswillen des kleinen Bubs, der seinen Weg schon bald in Peiting fortsetzte und als Verteidiger in der damaligen Schüler-Bundesliga für Furore sorgte. Nach einer Partie gegen die Jungadler Mannheim weckte Michael bereits das Interesse des DEL-Standorts. „Ich habe ihnen bei einem Spiel in Peiting zwei Tore eingeschenkt, eines von der Blauen und eines in Überzahl, und zum Saisonende kam dann der Anruf aus Mannheim.“ Trotz des verlockenden Angebots entschied sich Michael für einen Wechsel ins lediglich 30 Minuten entfernte Kaufbeuren aufgrund seiner Heimatverbundenheit und wegen seines damaligen Trainers in der Bayernauswahl, in die Michael regelmäßig berufen wurde. Dieser übernahm nämlich zu diesem Zeitpunkt die Trainerstelle der Mannschaft beim ESVK, die in der damaligen Schüler-Bundesliga spielte.

Elterliche Unterstützung als entscheidender Punkt

Mit dem Wechsel zu den Jokern wurden auch die Eltern von Michael Fichtl mehr gefordert. Diese unterstützten ihn jedoch durch seine ganze Zeit im Leistungseishockey voll und ganz, wie er auch selbst betont: „Ich muss da ganz klar Danke an meine Mama sagen, sie hat mich immer unterstützt und war sich für keinen Weg zu schade!“ Und auch sein Vater stand ihm auf seinem sportlichen Weg immer mit Rat und Tat zur Seite. Allerdings erlitten die Ambitionen des strebsamen Eishockeytalents im ersten Jahr in der Schüler-Bundesliga in Kaufbeuren einen Dämpfer; er erlitt eine Meniskusverletzung und fiel lange aus, so dass er im Sommertraining und den ersten Spielen in der Deutschen Nachwuchsliga (DNL) passen musste. Dieser Verletzung warf ihn nicht nur zurück, einige seine Mannschaftskollegen überholten in Sachen Spielniveau und Fitness. Michael verlor den Spaß am Eishockey dadurch aber nicht im Geringsten, kämpfte sich zurück und brachte auch nach seiner Leidenszeit gute Leistungen aufs Eis: Bereits in seinem zweiten und dritten Jahr zählte er nun in der DNL-Mannschaft der Joker zu den Top-Verteidigern. Zudem erhielt er regelmäßig Einladungen zu U-Nationalmannschaftslehrgängen. Sein größter Erfolg in dieser Hinsicht war die Nominierung für den erweiterten Kader für die U18-Weltmeisterschaft der Division I in Slowenien. Leider reichte es jedoch nicht zur endgültigen Teilnahme, da er vor Turnierbeginn aus dem Kader gestrichen wurde. „So konnte ich mich wenigstens voll und ganz auf mein Abi konzentrieren“, kommentiert Fichtl noch heute.

Opfer müssen gebracht werden

Allgemein verstand es Michael trotz seines sportlichen Höhenflugs, stets mehr oder weniger auch auf der Schulbank zu überzeugen, so dass er rückwirkend feststellt: „Für mich war es nie so, dass ich das Eishockey als ernsthaft hinderlich für die Schule empfand“, wobei er ergänzt: „Man wächst überall hinein, es sind halt Aufgaben, die man bewältigen muss. Das schafft man auch, wenn man an sich arbeitet.“ Durch diese persönliche Weiterentwicklung, um Schule und Eishockey auf diesem Niveau unter einen Hut zu bringen, fiel jedoch die restliche Freizeit, die Michael für Freunde oder sonstigen Aktivitäten blieb, eher gering aus. „Ich musste früher echt auf viel verzichten, ich war zwar nie weg vom Schlag, aber auch nie wirklich dabei“ und fügt an: „Das habe ich auch gemerkt, als ich aufgehört habe: Das wird anders!“ Diese Tatsache ist auch mehr als nachvollziehbar, wenn man bedenkt, dass vier Trainingseinheiten und zwei Spiele Woche für Woche auf dem Programm der DNL-Cracks in Kaufbeuren standen.

Morgens Uni, abends Eishalle

Nach der dritten Spielzeit insgesamt im Allgäu, der zweiten in der DNL und mit dem Abitur in der Tasche stellte sich für Michael dieselbe Frage, die jeder Schulabsolvent für sich beantworten muss – Was nun? Durch ein Gespräch mit seinem Nachbarn zu Hause in Hohenfurch, der ihn auf seinen tollen Umgang mit seinen kleinen Kindern verwies, kam der junge Verteidiger auf die Idee, eines Tages dem Beruf des Grundschullehrers nachzugehen. Während Michael bei der Wahl seines Traumberufs dem Sport wenig Bedeutung zumaß, spielte die eiskalte Leidenschaft bei der Auswahl der passenden Universitätsstadt durchaus eine Rolle. In diesem Zusammenhang kamen sehr bald die Städte Augsburg und Regensburg ins Gespräch. „Ich hatte in Regensburg die Möglichkeit, DNL zu spielen; da hatte ich schon Kontakt über einen Kumpel, der bereits dort gespielt hat“! Letztendlich setzten sich auch deshalb und aufgrund einer Empfehlung seines ehemaligen Trainers aus Peitinger Zeiten Regensburg und die Eisbären in Michaels Überlegungen gegen die Uni Augsburg und die Jungpanther, die ebenfalls die DNL-Zugehörigkeit aufwiesen, durch.

Fichtls nächste Station hieß Regensburg

Der talentierte Kufenflitzer aus Hohenfurch schlug in der Domstadt ein wie eine Bombe. Als Verteidiger erzielte er in 26 Spielen mehr als nur beachtliche 24 Punkte, davon sechs Tore, und war einer der Stützen des EVR-Nachwuchses in dieser Spielzeit. Als Krönung dieses tollen Jahres bestritt Michael bereits sechs Spiele in der Oberligamannschaft der Eisbären, u. a. ein Playoffspiel beim Serienmeister der Oberliga Nord in Tilburg bei den Trappers. Die Eishockey-Welt des Michael Fichtl war in allerbester Ordnung. Allerdings stellten sich dem mittlerweile 19-Jährigen Fragen bezüglich seiner Zukunft und ihm wurde langsam bewusst, dass der zweigleisige Weg, Studium und Eishockey, nicht mehr ohne weiteres zu stemmen ist. Michael berichtet davon, dass er sein Studium bzw. die Entscheidung, welche Kurse er belege, nach den Eiszeiten seiner Mannschaft richtete. Ein offenkundiges Problem des Eishockeysports: Die wenigen Hallen und die voll ausgelastete Belegung der Eisflächen. Während in Süddeutschland die Hallendichte noch akzeptabel scheint, kämpfen andere deutsche Regionen intensiv mit dem Problem zu weniger Eishallen. Und auch Michael Fichtl war bewusst, dass er sein Studium, seine Berufsausbildung in dieser Hinsicht nicht immer hintenanstellen könne, obwohl er zugibt; „Während dieser Saison konnte ich noch nicht so wirklich daran denken, dass es mir zu viel werden könnte. Das kam irgendwie erst danach.“ Er machte in diesem Abschnitt seiner Karriere auch Erfahrungen, die nicht so ganz in das sportliche Leitbild des Youngsters passten. „Ich habe immer Eishockey gespielt, weil ich es gern tat und weil es mir Spaß machte!“ und ergänzt, „Für mich hat das Eishockey ein wenig den Glanz verloren, den es früher hatte.“ Dieser Spaß und dieser Glanz wich in seinen Augen immer mehr dem Leistungsgedanken. Nicht zuletzt deswegen kam immer häufiger die Frage auf, wo er in zwei, drei, fünf oder zehn Jahren stehen wolle. Und dabei sah er seinen Platz eher in der Schule.

Wie geht es weiter?

So kam es, dass Michael seine Trainer im Sommer nach seiner ersten Saison beim EVR zu einem Gespräch bat, in dem er ihnen seine Überlegungen schilderte. Da der letztjährige Neuzugang aus Kaufbeuren eine der Stützen des Regensburger Teams war und trotz des anfänglichen Unverständnisses bot man Michael einen Kompromiss an: Er solle zwei- statt fünfmal in der Woche trainieren und spielen. Sollte er seine Entscheidung nach einem halben Jahr revidieren wollen, sei dies kein Problem. „Das war in dem Fall eine Win-Win Situation“, schildert er die Situation, die sich für sein zweites DNL-Jahr bei den Eisbären ergab. Allerdings blieb Michael auch nach dieser Spielzeit, in der er im Rahmen seiner Möglichkeiten – der Trainingsrückstand blieb natürlich nicht folgenlos – solide Leistungen abrief, bei seiner Entscheidung: Ich höre auf: „das Thema Eishockey in Regensburg war für mich beendet“! Auch in diesem Entschluss unterstützten ihn seine Eltern, obwohl sie manchmal den Eishockeytagen ihres Michael nachtrauern. Aber letztlich spielte auch die Heimat eine Rolle in den Überlegungen des jungen Talents, denn ein Wochenende zu Hause in Hohenfurch war bei der terminlichen Auslastung durch das Eishockey praktisch unmöglich. Seine Trainer in Regensburg bedauerten Michaels Entscheidung ebenfalls zutiefst, brachten aber ebenso Verständnis für seine Situation auf. Die Entscheidung machte er sich nicht leicht, aber: „Je mehr Zeit ich für mich gehabt habe, desto mehr hat sich meine Entscheidung bestätigt“. Nicht zuletzt kommt dabei auch die hinzugewonnene Freizeit als Argument hinzu, die Michael laut eigener Aussage sehr genießt. Die Unsicherheit, die der Sprung in den Profibereich birgt, in seinem Fall der Gang in die Oberligamannschaft der Eisbären Regensburg, war letztendlich wohl der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte und Michael dazu bewog, das Eishockey für seinen Traumberuf Grundschullehrer aufzugeben. „Das ist einfach das, was ich beruflich machen will“. Und das über eine lange Zeit hinweg, während hingegen die Eishockeykarriere zwangsläufig ab einem gewissen Alter endet – zumindest, wenn man nicht Jaromir Jagr heißt.

Ganz ohne Eishockey geht es dann aber doch nicht

Was das Leistungseishockey betrifft, hat Michael im zarten Alter von 20 Jahren seine Schlittschuhe an den Nagel gehängt. Aber ganz ohne seinen Sport, der ihm immer sehr viel Spaß machte, hält es Michael nur schwer aus. So kam es, dass er mittlerweile durch den Kontakt seines Onkels wieder ab und an in Schongau trainiert, in der Wiege seiner Eishockeylaufbahn. „Solange ich immer mal wieder auf dem Eis stehe, bin ich zufrieden“, gibt sich Michael bescheiden, und man merkt an seinem zufriedenen Grinsen im Gesicht, dass er sicher ist, für sich selbst die richtige Entscheidung getroffen zu haben!

Welcher Weg ist der bessere?

Es ist schwer, sich in einem Land, in dem Eishockey nicht den Stellenwert hat wie beispielsweise in Skandinavien oder in Übersee, für eine Karriere als Profi zu entscheiden. Sowohl der ehemalige Goalie Erik Pannach als auch Top-Verteidiger Michael Fichtl entschieden sich für den Weg in den Beruf, weil sie ihn für sicherer und für persönlich besser hielten. „Einige meiner früheren Mannschaftskollegen spielen mittlerweile in den oberen deutschen Ligen“, stellt Michael fest und unterstreicht damit die Tatsache, dass es möglich ist den Sprung zu schaffen. Zudem ist er der Meinung, dass man seinen Weg auch in Richtung Profigeschäft hätte fortführen können: „Wenn Leute Eishockey spielen und studieren wollen, müssen sie Opfer bringen. Es ist nicht unmöglich, aber für mich war es nicht mehr das Richtige“. Und so muss wohl am Ende jeder Eishockeyspieler auf dem Niveau unserer beiden vorgestellten Spieler selbst erörtern, welchen Weg er beschreiten möchte.

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