Indians lassen Wedemark (fast) keine ChanceHannover nach 8:1 im Achtelfinale

Lesedauer: ca. 4 Minuten

Das „fast“ in der Überschrift bezog sich auf das erste Drittel. Hier zeigten die Gäste eine starke Leistung, hatten optische Vorteile und zwangen die Indians, wie schon am Freitag, zu einer verstärkten Defensive. In der vierten Minute hätte es bereits im Kasten von Kassels Leihgabe Mirko Pantkowski klingeln können, aber Budd scheiterte knapp. Indians-Coach Tobias Stolikowski sagte: „Wir sind froh, dass wir in der ersten Runde Pantkowski hatten. Jetzt können wir hoffen, dass er weiterhin für uns im Tor steht, aber das liegt völlig in den Händen von Kassel und Mannheim.“

Zwar versuchten die Indians, die sich in dieser Spielphase um eine defensive Grundordnung bemühten, Gegenangriffe zu fahren, aber das fiel bei dem intensiven Forechecking der Wedemärker schwer. Trotzdem hatte Pohanka, der auch in diesem Spiel mehr als Verteiler und Passgeber auffiel, eine erste Möglichkeit, aber Korff hatte mit dem Blueliner keine Probleme. Lediglich beim ersten Überzahlspiel der Wedemärker wurde es für die Indians eng, aber diese, bereits geübt durch das erste Spiel, zogen ein enges Netz vor ihrem Kasten und ließen kaum Schüsse zu. Einzig Björn Bombis, zweifacher Torschütze vom Hinspiel, wurde immer wieder gesucht, wobei seine Position als Linksaußen schusstechnisch weitaus schwieriger war.  Außerdem zeigten sich zu diesem Zeitpunkt beide Keeper auf der Höhe, wobei schon jetzt Hannovers Pantkowski einen etwas sicheren Eindruck hinterließ. Das 0:0 nach zwanzig Minuten war gerechtfertigt, die Indians hätten sich aber auch nicht beschweren können, wenn sie mit einem Tor Rückstand in die Kabine gegangen wären.

Was in der Kabine der Indians in der ersten Pause passierte, kann man nur spekulieren aber es müssen die richtigen Worte gewesen sein. Jedenfalls explodierten die Gastgeber und alle Fans, die noch auf dem Weg zu ihren Plätzen waren, mussten sich wie die Deppen vorkommen. Der Sekundenzeiger hatte noch keine volle erste Runde vollzogen, da führten die Hannover Indians mit 2:0. Was war passiert? Tobias Schwab, nach zuletzt etwas enttäuschenden Woche bereits am Freitag einer der Topspieler, versuchte einen Blueliner, Dennis Arnold fälschte die Scheibe ab und Korff war bezwungen. Keine zwanzig Sekunden später schickte Schwab Pohanka auf die Reise, der ließ sich von zwei Wedemärker Verteidigern nicht abschütteln, und es stand 2:0. Die Gäste mussten sich nach diesem doppelten Einschlag erst einmal kräftig durchschütteln und mitten in dieser Phase knallte es das dritte Mal und wieder war Schwab daran beteiligt, als er einen Pohanka-Pass erfolgreich abschloss. Das war zu viel für die Gäste, die sich nun einige Scharmützel mit den Indians lieferten. Zunächst trafen Gibbons (Indians) und Knauf (Scorpions) aufeinander, wurden von Schiedsrichterin Nicole Hertrich, die im Übrigen trotz einiger Pannen einen guten und unauffälligen Job verrichtete und deutlich sicherer agierte als ihr Kollege vom Freitag, je mit zwei plus zwei Strafminuten bedacht. Das war jedoch nur der Auftakt, denn zwei Minuten später stand die Begegnung kurz vor der Eskalation, als sich Budd (Scorpions) und Peleikis (Indians) eine handfeste Rauferei mit bloßen Fäusten lieferten und zur Überraschung aller nicht mit einer „Fünfer“ plus Spieldauer, sondern nur mit 14 bzw. 16 Strafminuten bedacht wurden. Ob es weibliche Intuition war, kann man im Nachhinein nicht genau beantworten, aber nach diesem überraschenden Strafmaß eskalierte die Partie nicht komplett, sondern beide Vertretungen versuchten wieder, Eishockey im normalen Rahmen zu spielen. Das gelang auch ganz passabel und die wie um ihr Leben kämpfenden Wedemärker hatten durchaus auch ein paar Chancen zu verzeichnen. Am meisten musste wohl Morczinietz verzweifeln, der in der 32. Minute gleich zweimal in aussichtsreicher Position am exzellenten Pantkowski scheiterte. Wie man es besser macht, demonstrierte Brian Gibbons drei Minuten später, als er einen Konter problemlos in die Maschen setzte.

Endgültig demoralisiert wurden die Wedemärker zu Beginn des dritten Drittels. Valaseks (Indians) Strafe war gerade abgelaufen, als Artur Grass mit einem satten Schuss in den rechten Torwinkel das 5:0 und damit die Vorentscheidung besorgt hatte. Die Gäste zeigten sich jedoch, und dies zeichnete sie wirklich aus, weiterhin kampfeslustig, suchten ihre allerletzte Möglichkeit und Scorpions-Coach Dieter Reiß wechselte seinen guten, aber nicht immer sicher wirkenden Keeper Korff gegen Lukas Müller in der 45. Spielminute ein. Dieser zeigte sich in den ersten Minuten auch dem Druck gewachsen, hielt seine Vorderleute mit einigen guten Aktionen im Spiel. Bis zur 51. Spielminute. Dann versuchte im Powerplay-Spiel, der heute relativ unauffällige Adams saß auf der Strafbank, Hein einen Blueliner, Müller konnte zwar abwehren, aber  nicht festhalten, und Bovenschen stocherte die Scheibe zum 6:1 über die Linie. Damit war die Messe endgültig für die Gäste gelesen, die sich von einem nun wie entfesselt wirkenden Gastgeber in die Schranken weisen lassen mussten. Brian Gibbons brachte es in der 56. Minute  sogar fertig, mit einem Shorthander das 7:1 zu erzielen, und den Schlusspunkt setzte schließlich Artus Grass mit seinem 8:1 dreißig Sekunden vor Schluss.

Scorpions-Coach Dieter Reiß: „Ich gratuliere meinem Kollegen Tobias Stolikowski zum Sieg und zum Weiterkommen.“ Indians-Coach Tobias Stolikowski: „Ein verdienter, deutlicher Erfolg. Meine Mannschaft hat die taktischen Vorgaben erstklassig umgesetzt. Wir sind in den Play-offs angekommen und wir wollen jetzt auch gegen unseren nächsten Gegner, sei es Duisburg oder Herne, gut aussehen.“

Tore: 1:0 (20:26) Dennis Arnold (Schwab, Pohanka/5-4), 2:0 (20:50) Tobias Schwab (Ziolkowski, Pohanka), 3:0 (25:39) Tobias Schwab (Pohanka, Baier), 4:0 (35:19) Brian Gibbons (Bovenschen, Gosdeck), 5:0 (42:03) Artus Grass (Ziolkowski, Arnold), 5:1( 45:50) Michael Budd (Morczinietz), 6:1(51:04) Nickolas Bovenschen (Hein, Baier/5-4), 7:1 (55:58) Brian Gibbons (Hein, Wasser/4-5), 8:1 (59:29) Artus Grass (Valasek, Peleikis). Strafen: Hannover 20 + 10 (Peleikis), Wedemark 16 + 10 (Budd). Zuschauer: 3155.


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