Indians holen sich Platz drei nach der VorrundeSieg im Hannover-Derby

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Jetzt geht es in der ersten Play-off-Runde in einer Best-of-Five-Serie überraschend nicht gegen den Langenhagener Rivalen, sondern gegen die Bären aus Neuwied. Während das Spiel der Indians eine echte Kampfansage für die Play-offs war, muss man für die Scorpions gegen Tilburg schwarzsehen.

Bereits der Start hatte es in sich. Vor den Augen von 4608 Fans und den früheren ECH-Heroen Greg Thomson (heute Nationaltrainer der japanischen Nationalmannschaft) und Roman Kondelik (von 1999 bis 2010 im Tor der Indians) starteten beide Teams sofort mit Höchstgeschwindigkeit, gaben einen Vorgeschmack auf die nächste Runde. Interessant, dass die Scorpions die gleiche Taktik wählten wie bei der ersten Auseinandersetzung im Januar. Man wollte den Indians keinen Raum geben, diese in ihre Hälfte pressen, übersah aber, dass diese sich etwas vorgenommen hatten (Indians-Coach Carroll: „Wir waren richtig heiß auf dieses Spiel, wollten unbedingt Platz 3“). Diese hielten sofort voll dagegen, versuchten, selbst Akzente zu setzen, und prompt konnte man schon nach drei Spielminuten acht Torschüsse zählen. Mitten in die Phase dann eine Strafe für Spelleken und die „One Man Show“ des Andre Gerartz begann. 93 Sekunden brauchte der „Sniper“ im Zusammenspiel mit seinen Kollegen McGowan und Schütt, dann stand er frei vor Hertel, tunnelte diesen und konnte sein erstes Tor feiern. Beflügelt von der Führung wurde die Scorpions unter Druck gesetzt und stellenweise gab es ein Powerplay bei Fünf gegen Fünf zu sehen. Folgerichtig neun Minuten später das 2:0 und wiederum im Powerplay und wieder war es Gerartz, der mustergültig von Lehmann freigespielt wurde und über die Fanghand von Hertel traf. Jetzt wechselten die Scorpions die Taktik, versuchten hinten die normale Ordnung wieder herzustellen und setzten auf schnelle Konter. Besonders Hungerecker, Koziol und Lupzig sollten die Empfänger werden, aber die aufmerksame Indians-Defensive ließ den Gegner nur phasenweise zu Chancen kommen. Als weiterer Sicherheitsgarant stand zwischen den Indians-Pfosten Boris Ackers (Indians-Coach Carroll: „Der Boris hatte heute einen Sahnetag“), der heute den Kampf gegen seinen Kontrahenten Hertel für sich entschied.

Auch im zweiten Drittel zeigten beide Parteien von Anfang an Play-off-Eishockey. Hoch intensiv ging es von Anfang an zur Sache. Bereits nach 25 Sekunden scheiterte Goller zweimal an Ackers. Das war das Fanal für die Indians, sich mehr um die Defensive zu kümmern. Das Ergebnis: Es ging hart, fair zur Sache. Entscheidend, wenn auch nicht über die Torfolge, die Phase zwischen der 28. und 33. Spielminute. Nacheinander, stellenweise untermauert mit fragwürdigen Entscheidungen, schickte Hauptschiedsrichter Eugen Schmidt die Indians Hartmann, McGowan und Turnwald auf die Strafbank und ermöglichte den Scorpions 117 Sekunden doppeltes Überzahlspiel. Die Scorpions, mit 27,4 Prozent  Powerplayquote drittbestes Team der Oberliga Nord, zeigten in dieser Zeit nicht im Entferntesten, was sie können. Vermutlich fehlte Igor Bacek doch mehr als man auf Scorpions-Seite glauben wollte. Scorpions-Coach Lenny Soccio: „Bacek ist neben Hemmes, Thomson, Morczinietz und Hungerecker einer unserer wichtigsten Spieler. Wir haben ihn mit seiner Torgefährlichkeit und Quirligkeit sehr vermisst.“ Das verhinderte 1:2 stärkte die Indians, die immer sicherer wurden und sehr konzentriert in der Defensive spielten. Indians-Coach Carroll: „In den ersten vierzig Minuten haben wir optimal gespielt. Danach mussten wir vielleicht dem Kraftverlust Tribut zollen.“  Bei den Scorpions dagegen spielte die Mutlosigkeit eine überraschend große Rolle. Wenn man mal den Gegner unter Druck setzen konnte, wurde die Scheibe so lange hin und her geschoben, bis sie endgültig verloren war. Dazu kam eine Passungenauigkeit, die man es bei einem Team, das unter die ersten Vier der Oberliga Nord kommen möchte, nicht erwarten konnte. So war es dann auch kein Wunder, dass der Mann des Tages, Andre Gerartz, mit seinem dritten Powerplay-Tor die Weichen endgültig auf drei Punkte legte.

Dass die Scorpions noch was reißen wollten, war in den ersten Minuten des dritten Drittels durchaus zu erkennen. Genau fünf Minuten hielt die Hoffnung, dann wurde sie innerhalb von nur 150 Sekunden von den Indians regelrecht über den Haufen kombiniert. Zuerst erhielt Robby Hein, nun auch bei Fünf gegen Fünf, die Scheibe maßgerecht und überwand Hertel und den eventuell sogar schönsten Treffer des Tages erzielte schließlich Oliver Duris, der, einem Slalomläufer ähnelnd, erst zwei Verteidiger vernaschte und schließlich auch noch Jimmy Hertel in dessen Heiligtum austanzte. Ein Tor zum Schnalzen und fast schon alleine das Eintrittsgeld wert. Danach war der Drops gelutscht und lediglich das Ehrentor der Scorpions, erzielt mit einem schönen Schuss von Florian Spelleken von der blauen Linie bei eigenem Powerplay, verdarb Indians-Keeper Boris Ackers, der sich sicherlich über einen Shutout gefreut hätte, die Laune.

Scorpions-Coach Lenny Soccio: „Ich bin tief enttäuscht. Wir haben zwar ein paar Ausfälle durch eine Grippewelle gehabt, aber die verbleibenden Spieler haben keine Hoffnung ausgestrahlt. Sie waren einfach nicht bereit und das darf nicht sein. Mit so einer Leistung haben wir gegen Tilburg keine Chance.“

Indians-Coach Fred Carroll: „Wir waren vierzig Minute hoch konzentriert. Danach fehlte wohl ein bisschen die Kraft. Ich bin stolz auf meine Mannschaft, die exzellent gespielt hat. Besonders gefreut hat mich die Leistung unserer dritten Reihe mit Arnold, Valasek und Meve, die alle einen riesigen Sprung nach vorne gemacht haben. Gegen Neuwied wird es schwer, aber wir können es schaffen und wir wollen in die zweite Play-off-Runde einziehen.“

Tore: 1:0 (5:51) Andre Gerartz (McGowan, Schütt/5-4), 2:0 (14:13) Andre Gerartz (Lehmann, Ackers/5-4), 3:0 (37:59) Andre Gerartz (McGowan, Lehmann/5-4), 4:0 45:08 Robby Hein (Duris, Pohl), 5:0 (47:38) Oliver Duris (Hein, Kraus), 5:1 (52:41) Florian Spelleken (Hungerecker, Koziol/5-4). Schuss verhältnis: Hannover Indians – Hannover Scorpions 38:31 (17:11, 9:13, 12:7). Strafen: Hannover Indians 18 + 10 (Werner Hartmann), Hannover Scorpions 16 + 10 (Deon Jones). Zuschauer: 4608 (ausverkauft).

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