Hannover Scorpions holen erneut Nordtitel2:1-Sieg im dritten Finale gegen die Indians

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Es war ein Schock. Für die Hannover Indians, denn als Vorrundensieger waren sie auch Finalfavorit, wenn auch nur geringfügig. Nach dem 4:2 im ersten Spiel gab es im Rückspiel ein 0:4 und zwei Erkenntnisse. Das Scorpions-Tor scheint auswärts wie vernagelt und ein Ex-Indian, Keeper Jimmy Hertel, in der letzten Saison noch am Pferdeturm gefeiert, zeigte sich bei seinen finalen Auftritten im Gegensatz zu mancher Vorrundenpartie absolut auf dem Posten, sicherte seiner Mannschaft das Comeback und die Chance auf die Titelverteidigung.

Tatsächlich war das Ergebnis zwar äußerst knapp, hätte auch umgekehrt ausgehen können, aber am Ende mussten sich alle Beteiligten eingestehen, dass mit den Hannover Scorpions jene Mannschaft das entscheidende Finale gewann, die den größeren Biss zeigte. Dazu Scorpions-Coach Lenny Soccio: „Ein verdienter Erfolg meiner Mannschaft. Ich bin stolz auf meine Jungs.“

Nun darf man natürlich nicht verkennen, dass es um die regionale Meisterschaft in der dritthöchsten Spielklasse ging. Auf dem Eis kämpften Spieler, die in der Regel den Eishockeysport als besonderes Hobby ansehen und einem Job nachgehen. Indians-Coach Peter „Peewee“ Willmann: „Der Frank Richardt z.B. ist Polizist, gestern den ganzen Tag auf einer Demo und heute auf dem Eis. Vor solchen Spielern kann man nur den Hut ziehen.“ Das sollte man in der Tat und was diese 39 Akteure plus zwei Trainer auf das Eis zauberten, was schon bemerkenswert.

Das Finale bot dann auch eigentlich alles, was diesen Sport ausmachen. Dramatik, starken Einsatz, gute technische Leistungen und zwei Keeper, die sich neutralisierten, wobei man fairerweise anmerken sollte, dass Hertel einen Hauch, und auch nur wirklich einen Hauch, stärker war als sein Pendant Boris Ackers. Beide Torhüter mussten jeweils 35 Torschüsse parieren und erreichten Fangquoten von 97,1 bzw. 94,3 Prozent.

Von der ersten Minute an gingen beide Vertretungen ein für Oberliga-Nord-Verhältnisse extrem hohes Tempo. Besonders beeindruckend die Spielweise der Scorpions, die von Anfang an mit zwei Spielern pressten, sich an der gegnerischen blauen Linie postierten und den Indians die Luft zum Aufbau nahmen. Das ging sogar so weit, dass auch die erste Strafe gegen Vaillancourt (6.) optisch, zumindest in den ersten sechzig Sekunden, kaum wahrnehmbar war. Folgerichtig kamen die Scorpions auch zu den größeren Möglichkeiten, eine zwingende war jedoch, von dem Lattentouchierer von Maurice Keller in der 17. Minute einmal abgesehen, nicht dabei. Auf Indians-Seite hätte Koziol treffen müssen, aber sein Rückhandschuss ging über die Latte.

Im zweiten Drittel zeigten sich zunächst beide Teams etwas bedächtiger. Das Engagement der ersten 20 Minuten hatte wohl ziemlich viel Kraft gekostet. Somit ließ sich die erste Großchance etwas Zeit. Andre Gerartz, am heutigen Tag glückloser Indians-Stürmer, verzog in der 24. Minute und im Gegensatz durften die Gäste das erste Mal jubeln. Sebastian Lehmann, starker Linksaußen, leider auch mit Schauspielerqualitäten, wurde bei seinem Vorstoß übersehen, versuchte sich selbst an Ackers. Dieser konnte zwar parieren, verlor aber kurzfristig die Orientierung und Phil Hungerecker (25.) staubte zum 0:1 ab. Ein verdienter, aber glücklicher Treffer und das 0:2 fiel auf eine ähnlich kuriose Art. Die noch angeschlagen wirkenden Indians wurden, diesmal auf der rechten Angriffsseite ausgehebelt, Indians-Abwehrspieler Finkel wollte die Scheibe aus dem Drittel schießen, traf dabei genau die Kelle von Thomas Herklotz (27.) und der wuchtete den Puck am chancenlosen Ackers vorbei in die Indians-Maschen. Das 0:2 war ein Schock und lediglich Balsam auf den Seelen der 700 mitgereisten Gäste, die fortan den Ton auf den Rängen angaben. Dass eine Vorentscheidung zu diesem Zeitpunkt gefallen war, war jedem Anwesenden klar. Die Indians versuchten sich wieder zu sortieren, die Scorpions wollten mit einem weiteren Lucky Punch die Partie endgültig entscheiden. Diesen Punch gab es dann auch, aber etwas überraschend von der Indians-Seite. Auf einmal, man zählte die 35. Minute, tat sich nach einem energischen Vorstoß von  Anderson auf der rechten Scorpions-Seite eine Lücke auf. Nick Anderson (35.)  behielt die Übersicht und jagte mit einer gehörigen Portion Wut im Bauch das Hartgummi an Scorpions-Keeper Hertel vorbei in die Gästemaschen. Das Tor tat den Indians und dem Spiel gut. Der Glaube versetzt bekanntlich Berge und die Gastgeber bekamen eine zweite Kraft. Die war auch wichtig, denn kurz zuvor war Indians-Verteidiger Tobias Stolikowski ausgefallen. Nach einem heftigen Bandencheck blieb der eisenharte Crack liegen, musste vom Eis gebracht werden und hat sich vermutlich „Bänder im Schulterbereich“ gerissen. Dieser Ausfall traf die extrem beschäftige Defensive der Indians hart und da Indians-Trainer Willmann mit sechs Verteidigern agierte, musste immer einer seiner Spezialisten Doppelschichten fahren.

Die dritten 20 Minuten brachten die zu spürende Spannung auf den absoluten Höhepunkt. Beide Mannschaften versuchten die Entscheidung zu erzwingen, wobei die Scorpions weiterhin nicht nur entschlossener, sondern auch frischer wirkten. Die Indians verkrampften zusehends, so dass es vor dem Gehäuse von Hertel nur dann richtig heiß zuging, wenn eine der seltenen Strafzeiten angezeigt war. Trotzdem hätte es 2:2 heißen müssen, als Moallim in der 53. Minute frei vor dem Tor den Puck nicht kontrollieren konnte und dieser um etwa fünf cm am Pfosten vorbei rutschte. Auf der anderen Seite zielte Quellette etwas zu genau und traf nur die Schulter von Ackers. Zum absoluten Höhepunkt der Partie kam es in der 58. Minute, als sich Knauf eine Strafe leistete und den Puls seines Trainers auf ungeahnte Höhen jagte. Indians-Coach Willmann nahm seinen Keeper vom Eis um mit einem 6:4-Powerplay den Ausgleich zu erzwingen. Dieser Wunsch fiel jedoch ins Wasser, denn die wie um ihr Leben kämpfenden Scorpions attackierten die ausgepumpten gegnerischen Stürmer derart heftig, dass die Indians im Endeffekt sogar froh sein konnten, nicht noch das 1:3 kassiert zu haben.

Am Ende stand ein verdienter Sieg des Titelverteidigers, der nun am kommenden Freitag die überregionale Play-off-Runde mit einem Heimspiel gegen die Icefighters Leipzig beginnt. Die Hannover Indians haben die Möglichkeit, am Freitag (21 Uhr) auswärts und am kommenden Sonntag am Pferdeturm (19 Uhr) gegen die Füchse Duisburg zu zeigen, dass man die Niederlage verdaut hat und ein ernstzunehmender Gegner in dieser Runde sein wird.

Tore: 0:1 (24:57) Phil Hungercker (Sebastian Lehmann), 0:2 (26:58) Thomas Herklotz (Darcy Vaillancourt, Keven Gall), 1:2 (34:12) Nick Anderson (Maximilian Pohl). Strafen: Hannover Indians:6, Hannover Scorpions 10. Zuschauer: 3882.

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