Effektive Indians schlagen Neuwied erneut2:4 gegen Hannover

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Mit dem ersten Wechsel, noch keine Minute war gespielt, hatte Brian Gibbons seinen EHC Neuwied im zweiten Play-off-Spiel gegen die Hannover Indians in Führung gebracht. Die Halle tobte. Doch in den Play-offs geht es darum, zur rechten Zeit das Momentum zu nutzen. Und dieses kam wohl zu früh. Am Ende verloren die Bären zwar mit 2:4 (1:2, 0:1, 1:1) das Spiel, aber noch nicht die Serie. „Der dritte Sieg ist immer der schwerste“, sagte EHC-Trainer Craig Streu. An einem Abend, der so laut begann, und so still endete.

Josh Myers, Dennis Schlicht und Tobias Paus gesperrt, Max Spöttel und Dominik Lascheit für Bad Nauheim im Einsatz, Dima Butasch und Maurice Keil in Mannheim gebunden – die Bären mussten, nach dem Spiel am Freitag in Hannover (durchaus auch selbst verschuldet) beim ersten Play-off-Heimspiel der Serie personell improvisieren. Dass Myers seiner Sturmreihe fehlte, war unübersehbar – zu Beginn jedoch noch kein Faktor, weil Kapitän Gibbons ein Solo sehenswert an Boris Ackers vorbei zur frühen Führung nutze (1.). Und auch in der Folge machte der Indians-Keeper nicht den sichersten Eindruck: Kaum eine Scheibe konnte Ackers festhalten, ließ viel abprallen – doch dort, wo die Scheibe hinfiel, stand nie ein Neuwieder. Und so kann auch ein Keeper zum Matchwinner werden, der zwar nicht den stabilsten Eindruck machte, aber bei dem der Zweck die Mittel heiligte: Denn, das ist nun einmal Fakt: Man muss Scheiben nicht festhalten, um Gegentore zu verhindern.

Auf der Gegenseite schlugen die Indians mit der Powerplay-Keule gnadenlos zu. Bis dahin kaum im Spiel nutzte Hannover die erste von nur vier Überzahlsituationen im gesamten Spiel zum 1:1 durch Andre Gerartz (13.). Danach wurde es gleich doppelt bitter: Zunächst setzte Gibbons einen satten Schuss erst an den rechten, dann an den linken Innenpfosten – und von dort eben nicht hinter die Linie. Und dann machte Hannover wie schon in Hannover einen glücklichen Treffer zum 2:1. Aus fünf, sechs Metern zog Lukas Valasek ab und schickte EHC-Keeper Björn Linda damit in den Scheiben-Abwehr-Modus. Doch der Puck wurde von einem Schlittschuh so unglücklich abgefälscht, dass er als Bogenlampe über den Neuwieder Keeper in die Maschen flog. Der versuchte zwar noch, mit der Fanghand an die Scheibe zu kommen – jedoch ohne Erfolg. Wer solche Tore schießt, der gewinnt am Ende Play-off-Spiele.

Dass die Indians in Neuwied tatsächlich den zweiten Sieg im zweiten Spiel einfuhren, hatten sie aber vor allem auch der gnadenlosen Effektivität im Überzahlspiel zu verdanken. Schiedsrichter Benjamin Hoppe leitete die Partie wunderbar unaufgeregt und griff nur dann ein, wenn es wirklich notwendig war – auf beiden Seiten verteilte er überschaubare 12 Strafminuten. Das machte unterm Strich vier Powerplay-Situationen für beide Teams. Hannover machte daraus drei Tore, Neuwied keins. Ein bei Fünf-gegen-Fünf ausgeglichenes Spiel wurde in den Special Teams entschieden.

„Hannover ist es gelungen, in Unterzahl immer wieder die Schüsse zu blocken. Im eigenen Powerplay haben die Indians hingegen die Scheibe viel zum Tor gebracht und daraus Kapital geschlagen“, sagte Streu. Kapital, dass sich in Fakten so liest: 37. Minute, 1:3, Bradley McGowan. 52. Minute, 1:4, Oliver Duris. Die Partie war entschieden. Zwar nahm Streu zwei Minuten vor dem Ende Keeper Björn Linda vom Eis, Neuwied kam mit sechs Feldspielern jedoch nur noch zum 2:4 durch Artur Tegkaev (59.).

„Wir wussten, dass uns hier ein sehr schweres Spiel erwarten würde“, sagte Indians-Coach Fred Carroll. „Das 0:1 hat uns aufgeweckt. Unser Powerplay hat super funktioniert. Ich bin heilfroh, dass wir mit einer 2:0-Führung wieder zurück nach Hannover fahren.“ Craig Streu hatte beobachtet, dass „bei uns nach der Führung irgendwie die Beine schwer wurden und das Tempo fehlte. Dazu kommt dann natürlich auch ein solch unglückliches Gegentor wie beim 1:2. Sowas siehst du ja eigentlich nie, und schon gar nicht bei uns hier in der Bärenhöhle. Die Niederlage tut weh, jetzt sind wir richtig unter Druck. Aber noch ist in dieser Serie nichts verloren.“

Dass Fans und Spieler nach dieser Partie enttäuscht waren, ist verständlich. Irgendwie hatten sich alle mehr versprochen von diesem Play-off-Abend. Doch für das Wort Sommerpause ist es noch mindestens ein Spiel zu früh. Neuwied wird am Dienstagabend dafür kämpfen, die Serie noch einmal zurück in die Bärenhöhle zu holen. Die verzeichnete am Sonntagabend übrigens die höchste Zuschauerzahl der vier Play-off-Spiele im Norden: In Langenhagen, Leipzig und Herne waren nicht so viele Zuschauer in der Halle wie in Neuwied.

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