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Vergleich Deutschland und Schweiz - Teil 3

Lesedauer: 5 Minuten
Auflösung des Hockeyweb-Gewinnspiels

Als langjähriger NHL-Scout der sämtliche Juniorenauswahlmannschaften und auch die Nationalteams bei zahlreichen internationalen Turnieren begleitet, fühle ich mich befähigt, einen Vergleich dieser zwei Nationen anzustellen:

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Als langjähriger NHL-Scout der sämtliche Juniorenauswahlmannschaften und auch die Nationalteams bei zahlreichen internationalen Turnieren begleitet, fühle ich mich befähigt, einen Vergleich dieser zwei Nationen anzustellen:

Die Grundlagen

Die beiden Eishockeynationen Schweiz und Deutschland verbindet eine jahrzehntelange, gesunde Rivalität. Die Rivalität wird konstruktiv ausgelebt, d.h. die beiden Verbände arbeiten gut zusammen. Viele Testspiele und gegenseitige Einladungen zu Turnieren auf allen Stufen ist das erfreuliche Resultat. Dieser attraktive Konkurrenzkampf gründet nicht nur auf der Nachbarschaft und der jeweiligen Derbystimmung sondern auch auf der Tatsache der Ausgeglichenheit im Stärkenverhältnis. Während Deutschland in den 70er bis 90er Jahren die besseren Resultate aufweisen konnte, hat die Schweiz in den letzten Jahren aufgeholt. Heute beurteile ich die Situation als ausgeglichen. Trotzdem, wo liegen die Unterschiede?

Die sportliche Zukunft

Die Schweiz gibt sich meist damit zufrieden, gegen die Deutschen mithalten oder sie besiegen zu können. Deutschland ist der Maßstab. Umgekehrt stelle ich dies mindestens auf Juniorenebene ebenfalls fest. Ein großer Fehler aus meiner Sicht! Ich bin kein Phantast und fordere keine Weltmeistertitel – dafür kenne ich Kanada und Russland nur zu gut. Es gibt aber kaum Gründe die dafür sprechen, warum wir (Deutschland und die Schweiz), uns nicht das Ziel setzen können, zur Slovakei aufzuschließen. Beide Nationen müssen in absehbarer Zeit einen Schritt nach vorne tun. Falls nein bedeutet dies nicht nur Treten an Ort sondern Rückschritt. Allzu gerne vergessen wir, dass Nationen wie Lettland, Weißrussland, Dänemark, Österreich und andere aufholen und nur darauf warten, uns im Nationenranking auf den Plätzen 8 und 9 ablösen zu können. Lassen wir uns von einzelnen positiven oder negativen Zufallsergebnissen nicht blenden wie z.B. eine Halbfinalqualifikation oder wie jüngst der Deutsche Abstieg in die B-Gruppe. Die Schweiz und Deutschland sind für mich aktuell die Nummern 8 und 9 im internationalen Leistungsvergleich. Der Vorsprung auf die Nationen auf den Plätzen 10-15 ist aber kleiner als der Rückstand auf die Nummer 7. Dies dürfen wir nicht akzeptieren. Wir wollen und müssen besser werden! Ich postuliere eine systematische Grundausbildung im Kindereishockey mit deutlich mehr lauf- und stocktechnischen Drill-Elementen. Diese Drills müssen von hochqualifizierten Technikern überwacht, in hoher Präzision und Intensität ausgeführt und in endloser Wiederholung gefordert werden. Nichts für Sensibelchen und keine Spielwiese für lustfördernde Ausbildungsmethoden sondern beinharte Arbeit mit viel Schweiß und Entbehrungen. Diese unzimperliche Gangart schlage ich nur für die allerbesten Talente vor, diejenigen mit echten Aussichten zum Profisport auf höchstem Niveau. Für alle anderen liege ich voll auf der Linie der modernen Pädagogen, sprich „die Freude am Sport durch spielerische Elemente fördern“. Zusätzlich bin ich überzeugt, dass in beiden Ländern mindestens ein Leistungszentrum mit einer schmalen Eisfläche (NHL-Dimensionen) als ergänzendes Praxiselement gebaut werden sollte. Ja ich weiß, - all dies  kostet Geld, viel Geld, wobei wir bereits beim Thema Wirtschaftskraft angelangt wären.

Die wirtschaftlichen Aussichten

In der Schweiz bezahlen die Clubs noch immer die höheren Saläre als in Deutschland. Dieses Ungleichgewicht gerät aber ins Wanken denn viele Schweizer Teams leben über ihren Verhältnissen, d.h. finanzielle Löcher werden von Mäzenen gestopft. Das eigentliche Eishockey-Business in der Schweiz lässt auch für die Spitzenspieler kein Direktorengehälter zu und dies liegt zum Teil an den völlig veralteten, schrottreifen Stadien die alles andere als ein Ertragsfundament bilden. Aktuell gibt es zwar Projekte für Sanierungen und Neubauten. Diese Projekte muten aber im Vergleich zu den bereits erstellten Arenen in Deutschland zweit- und drittklassig an. Mittelfristig bedeutet dies für die Teams in Köln, Berlin, Mannheim, Hamburg etc. ein besseres wirtschaftliches Fundament für die Zukunft als bei den Schweizer Teams. Voraussetzung ist aber, dass im Bereich Marketing, Merchandising, Catering und Sponsoring professionell gearbeitet wird, ansonsten eine moderne Arena wegen den nicht unerheblichen Unterhaltskosten zum Bumerang werden kann. Trotzdem: Die deutlich besseren Stadien in Deutschland - wie übrigens auch in Finnland, Schweden, Tschechien und Russland - als in der Schweiz verheißen im internationalen Wirtschaftskraftwettbewerb nichts Gutes für die Schweizer Clubs. In der Schweizer Liga werden mittelfristig wohl kleinere Brötchen gebacken. Die Ausländer werden nicht mehr zweitklassig sondern nur noch drittklassig sein. Die besten Schweizer Spieler werden vermehrt in ausländischen Ligen anheuern. All dies wird sich aber nicht negativ auf die Nationalmannschaft auswirken; ja – das Gegenteil könnte sogar der Fall sein. Die Schweizer Top-Liga hingegen – die noch vor nicht allzu langer Zeit die am besten bezahlende Liga neben der NHL war und dies mit einem hohen Unterhaltungswert - wird im europäischen Vergleich an Bedeutung verlieren. Ähnlich wie die Schweizer Super-League im Fußball. Die DEL hingegen könnte in Europa neben Russland das Maß aller Dinge werden: Eine Liga mit guten Söldnern, mit modernen und bequemen Arenen, mit neuen Zuschauerschichten und mit potenten Sponsoren. All dies wird aber nicht automatisch zu einem Ungleichgewicht auf Nationalmannschaftsebene führen. Die Schweizer Spieler werden vermehrt zu Söldnern und dies wird sich wie im Fußball eher leistungsfördernd als leistungshemmend auswirkend und die Schweizer Liga kann sich auf der Suche nach einem neuen Selbstverständnis vielleicht als Ausbildungsliga profilieren. Gute Zukunftsaussichten für Deutschland und die Schweiz wie ich meine – aber mit umgekehrten Vorzeichen. Zudem: Deutschland ist für allfällig wieder aufflackernde Pläne einer Europäischen Super-League – das theoretische europäische Pendant zur NHL – mit seinen Stadien sehr gut gerüstet. Die eine oder andere Deutsche Metropole dürfte in diesen Plänen ganz bestimmt eine Rolle spielen.

Thomas Roost / Januar 2006

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