Wie sich wenige deutsche Bandy-Spieler im Konzert der Großen behauptenEishockey mit Ball im Großformat

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Bandy, das ist, einfach ausgedrückt, Großfeld-Eishockey mit einem Ball. Und vor allem ist Bandy der Sport, aus dem Eishockey entstanden ist. Heutzutage wird dieser Sport vor allem weit im Norden Europas und Nordamerikas gespielt. Russland und Schweden sind die dominierenden Nationen. Rechnet man die Erfolge der Sowjetunion hinzu, feierte Russland seit 1957 insgesamt 25 Weltmeistertitel, Schweden gewann zwölfmal Gold. Nur Finnland konnte einmal, im Jahr 2004, diese Phalanx durchbrechen. Warum sich Mikhail Entaltsev nun so gut an das Spiel in Dimitrowgrad erinnert? Zum einen fanden bei der Bandy-WM 2016 nur zwei Spiele in diesem Ort statt. Zum anderen stand am Ende des Turniers der größte Erfolg der deutschen Bandy-Nationalmannschaft. Der Gewinn der B-WM und damit der Aufstieg in die A-WM, in der die Deutschen ihren Platz unter den besten acht Nationen bereits zweimal erfolgreich verteidigt haben. Vom 27. Januar bis zum 3. Februar 2019 wird das DBB-Team es erneut versuchen, wenn sich die besten Bandy-Nationen der Welt im schwedischen Vänersborg treffen.

Rekord: DBB wurde 2013 gegründet, 2016 gelang der Aufstieg

Warum das deutsche Team so erfolgreich ist? „Das ist tatsächlich ein Rekord. Die Niederlande haben rund 20 Jahre gebraucht, um in die A-WM aufzusteigen“, sagt Entaltsev. „Wir haben einen unschätzbaren Vorteil. In Russland gibt es zahlreiche Deutsche, die seit langer Zeit dort leben. Seit den Neunziger Jahren kamen viele nach Deutschland.“ Und sie brachten zwei Dinge mit: Ihre Liebe zum Bandy. Und ihre gute Ausbildung in den dortigen Bandy-Vereinen.

Dabei sind die Voraussetzungen in Deutschland für Bandy-Begeisterte bemerkenswert schlecht. Die Anzahl der für Bandy geeigneten Eisflächen in Deutschland? Null! Ein Bandy-Eisfeld ist 90 bis 110 Meter lang und 45 bis 65 Meter breit. Anders ausgedrückt. Es ist so groß wie ein Fußballplatz. Gespielt wird – im Regelfall – zweimal 45 Minuten, es stehen sich jeweils elf Spieler gegenüber. „Bandy ist tatsächlich so etwas wie eine Mischung aus Fußball und Eishockey“, sagt Entaltsev. Aber auch Feldhockey-Spieler würden sich beim Bandy wiederfinden. Strafecken beim Feldhockey hat jeder schon einmal gesehen. Auch die gibt es beim Bandy. Ein Strafschuss wird aus zwölf Metern ausgeführt. Auch Freischläge gibt es. Der Schläger sieht eher aus wie ein Schläger aus dem klassischen Rollhockey. Rund 1,20 Meter lang, keine Biegung nach links oder rechts wie bei einem Eishockeyschläger und unten ist er stark gebogen. Ein weiterer Unterschied zum Eishockey: Bodychecks gibt es nicht.

Training? Entweder „Rink-Bandy“ oder Trainingscamps in den Bandy-Topnationen

Aber wie trainieren die deutschen Bandy-Spieler, wenn es keine geeignete Eisfläche in Deutschland gibt? Zum einen gibt es das so genannte Rink-Bandy als Alternative. Es wird auf normalen Eishockeyflächen in Eissporthallen mit einem angepassten Regelwerk gespielt. Beiden Bandy-Arten ist gemein: Gespielt wird mit einem Ball. „Vor Weltmeisterschaften absolvieren wir Trainingscamps, wo uns große Flächen zur Verfügung stehen“, so Entaltsev. Zählt man alle Spieler hinzu, die zumindest hin und wieder Bandy, ansonsten aber Eishockey spielen, gibt es in Deutschland rund 100 Spieler. Eine Meisterschaft gibt es nicht, aber seit 2014 hat der DBB bereits viermal den Deutschen Rinkbandy-Pokal in Mainz ausgerichtet. Dreimaliger Sieger sind die EVW 5 Lakes aus Wiesbaden; bei der Premiere siegte der HK Zubr Höchstadt. Die weiteren Vereine sind Meteor Mainz und vor allem der RMESC Frankfurt. „Der RMESC ist einzige Verein, bei dem es hauptsächlich um Bandy geht, obwohl wir auch bei uns Eishockey im Angebot haben“, sagt Entaltsev, der beim „Rhein-Main Eissport-Club“ dem Vorstand angehört.

Inzwischen hat der DBB angefangen, auch Bandy-Training für Kinder anzubieten. „Wir machen das zweimal im Monat. In den Niederlanden hatten wir schon Freundschaftsspiele. Und gemeinsam mit den Niederlanden haben wir an einem Kids-Cup in Moskau teilgenommen.“

Nur wenige Clubs bieten sowohl Bandy als auch Eishockey an

Interessant: Sowohl in Schweden als auch in Russland gibt es wenige Clubs, die sowohl Bandy als auch Eishockey anbieten. Hammarby IF in Schweden, Dynamo Moskau in Russland. „Aus organisatorischer Sicht würde es Sinn machen, dass Vereine beide Sportarten anbieten, aber für die Spieler gibt es schon große Unterschiede“, sagt Entaltsev. Zudem wird halt Bandy gespielt, wenn es die große Eisfläche gibt. „Kindern fällt es leicht, hin und her zu switchen. Auch auf dem Breitensportlevel geht es. Aber auf Leistungsniveau wird es schwierig.“ Entaltsev selbst war früher Torhüter. „Beim Eishockey bist du oft unten im Butterfly“, sagt er. Ein Bandy-Goalie hat nicht nur keinen Schläger in der Hand. Weil das Tor so riesig ist, muss er stehen bleiben. „Ich musste beim Bandy immer daran erinnert werden, stehen zu bleiben. Später musste ich beim Eishockey daran erinnert werden, wieder runter zu gehen.“

Die Ziele und Träume der deutschen Bandy-Spieler sind leicht nachzuvollziehen. „Ein richtiges Bandy-Spielfeld in Deutschland wäre ein Traum, aber schon bei den ‚normalen‘ Eissporthallen ist die Lage in Deutschland ja nicht gut. Letztlich ist das eine Frage des Geldes. Der nächste Schritt wäre es, eine richtige Liga im Rink-Bandy einzurichten, sobald es genügend Vereine gibt.“ Der internationale Verband, die Federation of International Bandy, hat größere Ziele: die Aufnahme ins Programm der Olympischen Winterspiele.

Der erneute Klassenerhalt ist das Ziel

Bei der A-WM in Schweden geht es nun erst einmal darum, wieder den Klassenerhalt zu schaffen. Bei den zurückliegenden beiden A-Weltmeisterschaften wurden die acht Teams auf zwei Vierergruppen verteilt und alle erreichten das Viertelfinale. Danach gab es Platzierungsspiele – der Verlierer des Spiels um Platz 7 musste absteigen. Im Viertelfinale musste das DBB-Team deutliche Niederlagen hinnehmen. 2017 setzte es ein 6:34 gegen Schweden, 2018 ein 1:26 gegen Russland. „Gegen den Rekordweltmeister zu spielen, war ein große Ehre für uns“, sagt Entaltsev. In den Spielen um Platz 7 gewann Deutschland aber souverän. 2017 war es ein 12:7 gegen Weißrussland, 2018 ein 21:1 gegen Ungarn.

Bei der anstehenden A-WM sind die acht Teams auf zwei unterschiedliche Leistungsgruppen aufgeteilt. Die besten Zwei der Gruppe A erreichen direkt das Halbfinale. Der Dritte und Vierte der Gruppe A sowie der Erste und Zweite der Gruppe B bestreiten eine Halbfinal-Qualifikation, während der Dritte und Vierte der Gruppe B direkt ins Spiel um Platz 7 müssen. „Unser Minimalziel ist der Klassenerhalt“, sagt Entaltsev. Um in die Play-offs zu kommen, also mindestens Gruppenzweiter zu werden, müssten neben dem Aufsteiger Niederlande auch mindestens Norwegen oder die USA besiegt werden. „Norwegen ist tatsächlich stärker als die USA“, so Entaltsev.

Die kleine Gruppe deutscher Bandy-Spieler ist jedenfalls bereit, sich der Herausforderung zu stellen.

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