Andreas Bernard: „Ein Traum wäre es in der DEL zu spielen.“ Italienischer Nationaltorwart über die aktuelle Situation und seine Zeit in Finnland

Goalie der italienischen Nationalmannschaft: Andreas Bernard. (dpa/picture alliance)Goalie der italienischen Nationalmannschaft: Andreas Bernard. (dpa/picture alliance)
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Hockeyweb: Sie sind relativ früh aus Italien nach Finnland gegangen, wie kam es damals dazu?

Andreas Bernard: Ciao aus Finnland. Im Jahr 2009, als ich beim HC Bozen war, hat mich mein Trainer Jari Helle gefragt ob ich an ein Probetraining in Finnland interessiert wäre und ich habe ohne zu zögern zugesagt. Im Mai war ich dann für 2 Wochen in Finnland und habe zum Abschluss einen Vertrag unterschrieben. 

Hockeyweb: War es nicht schwer als „Ausländer“ in Finnland und dann noch als Torwart Fuß zu fassen?

Andreas Bernard: Damals habe ich überhaupt nicht darüber nachgedacht, habe meine Zeit einfach nur genossen und jeden Tag mein Bestes gegeben. Natürlich war aber auch vom Vorteil, dass es mittlerweile in Finnland kein Limit mehr gibt für ausländische Spieler. Mittlerweile werde ich schon als Einheimischer Spieler angesehen.

Hockeyweb: Seit 2011 sind Sie fester Bestandteil der Nationalmannschaft, mittlerweile unumstrittene Nummer 1, wie ist es für Sie, wenn Sie unter anderem mit Ihrem Bruder zusammenspielen dürfen?

Andreas Bernard: Ich gehe immer gerne zur Nationalmannschaft, weil ich dort immer meine Ex Mitspieler und mittlerweile guten Freunde sehe. Die Gruppe, die wir dort haben ist eine große Familie und seit Jahren haben wir denselben Kern. Letztes Jahr hat man gesehen das wir ein großes Kämpferherz haben und ich hoffe das wir so weiterarbeiten werden. Italien braucht eine Profi-Liga, damit wir uns in der A-Gruppe etablieren können.

Hockeyweb: Gibt es Ligen oder Länder, in denen Sie noch gerne mal spielen wollen?

Andreas Bernard: Ein Traum wäre es in der DEL zu spielen und natürlich KHL, SHL wären sehr gute Ligen. Als Italiener ist es aber oft schwierig einen Platz zu finden, aber hoffen wir einmal das sich immer mehr und mehr italienische Spiele um Ausland etablieren können.

Hockeyweb: Könnten Sie sich vorstellen Ihre Karriere in Italien zu beenden?

Andreas Bernard: Ich möchte noch unbedingt bis zur Heimolympia in Mailand spielen. Und ich hoffe bis dahin in einer guten Liga zu spielen, natürlich wäre es Toll meine Karriere in Bozen zu beenden.

Hockeyweb: Zurzeit ist ja nicht viel mit Eishockey, wie verbringen Sie Ihre Freizeit?

Andreas Bernard: Diese Zeit ist für uns alle sehr schwierig, aber ich habe Glück, das ich hier in Finnland außerhalb der Stadt wohne, so können wir mit der Familie eigentlich alles machen was wir wollen. 

Ich hoffe aber, dass diese Pandemie bald vorbei ist und wir unsere Verwandten, Familien und Freunde in Italien bzw. hier in Finnland wieder sehen können und natürlich fehlt uns allen das Eishockey.  

Hockeyweb: Gibt es einen Save oder ein Spiel an das Sie sehr gerne zurück denken?

Andreas Bernard: Ich denke das Spiel letztes Jahr gegen Lettland bei der WM war eines der Spiele, die ich nicht so schnell vergessen werde. Da hatte ich, glaube ich, 60 Saves. Aber auch das Spiel in Köln gegen Deutschland war ein Erlebnis vor einer vollen Lanxess Arena.

Hockeyweb: Lassen Sie uns mal auf die Nachwuchsarbeit in Finnland kommen, Sebastian Aho, Mikko Rantanen und Kaapo Kakko sind vielleicht die 3 besten finnischen Exports der letzen Jahre, was macht die Nachwuchsarbeit in Finnland so besonders?

Andreas Bernard: In Finnland wurden in den letzten Jahren immer mehr und mehr Jugendspieler eingesetzt und sie durften gleich in der ersten und zweiten Reihe mitspielen mit Powerplay, sowie zb Tim Stützle dieses Jahr in Mannheim. Natürlich ist die Jugendarbeit hervorragend hier und man versicht wirklich mit allen Mitteln einen Spieler zu verbessern bzw zu ihm weiter zu helfen.

Hockeyweb: Würden Sie sich so eine Nachwuchsarbeit auch in oder für Italien wünschen? 

Andreas Bernard: Ich hoffe und ich denke das ich nach meiner Karriere dem italienischen Eishockey helfen werde und versuche natürlich junge Spieler ins Ausland zu bringen. In Italien müsste man zb in Bozen ein Internat machen um einem jungen Spieler zu ermöglichen Eishockey und Schule zu kombinieren. Ich hoffe das das Land dem Eishockey mehr ansehen gibt.

Hockeyweb: Wie würden Sie denn die "finnische" Spielweise beschreiben? Oder gibt es das "finnische" System nicht? 

Andreas Bernard: In Finnland spielt man ein sehr taktisches und schnelles Eishockey, auch weil das durchschnittsalter sinkt. 

Hockeyweb: Hat sich die heutige Jugendarbeit verändert zu dem als Sie damals nach Finnland kamen?

Andreas Bernard:Die Jugendarbeit hat sich immer verbessert, das heißt heut zu tage hat gibt es viele verschiedene Trainingsarten und die Technik ist viel besser sodass man mehr aus einem Spieler rausholen kann.

Herr Bernard, vielen lieben Dank für Ihre Zeit und bleiben Sie Gesund.