Kanada wie es trifft und siegt - Deutsche Fans watschen DEB abEin Fazit zur Eishockey-WM in Prag

Zwei schillernde Figuren bei der Eishockey-WM. Sidney Crosby und Jaromir Jagr. Foto: imagoZwei schillernde Figuren bei der Eishockey-WM. Sidney Crosby und Jaromir Jagr. Foto: imago
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Sonntag Abend um 22.58 Uhr: Durch ein 6:1 im Finale gegen Russland wurde Kanada zum 25. Male Eishockey-Weltmeister. Wenige Augenblicke später nahm Kapitän Sidney Crosby den Pokal entgegen. Er war der Lohn für ein perfektes Turnier der "Ahornblätter", die damit in unserem WM-Fazit natürlich ebenso ganz oben rangieren. Hier sind die Tops und Flops der 79. Eishockey-Weltmeisterschaft in Prag und Ostrau.

Top: Kanada. Wurde nach dem 10:0 gegen Deutschland am zweiten Spieltag noch vernichtende Kritik am DEB-Team geübt, so musste dieses Urteil im Turnierverlauf mehr und mehr revidiert werden. Kanadas Torhunger war generell unersättlich. Mit viel Spaß am Spiel, Tempo und Kombinationssicherheit brachte es das Team um Kapitän Crosby am Ende auf 66 Treffer in zehn Spielen. Nur in zweien davon waren es weniger als sechs Tore. Dazu ließ die mit dem zum besten Verteidiger gewählten Brent Burns an der Spitze hervorragend organisierte Abwehr in den drei entscheidenden K.o.-Spielen nur einen einzigen Gegentreffer zu. Selten zuvor hat eine Mannschaft eine WM derart brillant dominiert. Es war ein Titelgewinn mit Ansage und der Satz von Weißrusslands Trainer nach dem 0:9 im Viertelfinale sagte alles: "Ich war froh, als die Schlusssirene ertönt ist."

Top: USA. Das international eher unerfahrene Team überraschte in der Vorrunde mit Siegen über Finnland und Russland. Die US-Amerikaner agierten unbekümmert und mutig. Erst im Halbfinale scheiterten sie mit ihrem jugendlichen Elan an farblosen Russen, wurden aber im Spiel um Platz drei dann zurecht mit Bronze belohnt.

Top: Zuschauerrekord. 741 690 Besucher sahen die 64 Spiele in Prag und Ostrau, das sind im Schnitt 11 589 und damit ein neuer Rekord. Von den 34 Partien in der 17 383 Zuschauer fassenden Prager Arena konnten nur die Spiele Frankreich gegen die Schweiz und Österreich gegen Frankreich die 10 000er-Marke nicht knacken. Insgesamt kamen 13% mehr Besucher als bei der WM 2014 in Minsk. Dass sich Tschechien den Rekord auch durch Freikarten-Aktionen für Schulklassen zurückholte, tut keinen Abbruch. Volle Hallen sind immer besser als leere.

Top: Preise. Eishockey-Superstars bei einer WM - da hat schon manch ein Veranstalter an der Preisspirale gedreht. Nicht so Prag. In der günstigeren der nur zwei Preiskategorien (Unterrang/Oberrang) kosteten die Vorrunden-Tickets je nach Spiel 16, 24 und 32 Euro. Einziger Makel: Die Fans des Gastgebers wurden geschröpft. Hier mussten für das billigste Ticket 53 Euro berappt werden. Dafür war die Gastronomie erschwinglich. Ein großer Burger kostete vier Euro und 0,4l Bier gab es schon für 1,85 Euro.

Top: Tschechische Republik. Dieses Land hat viele Geschichten. Spätestens nach der Eishockey-WM sollte es an der Zeit sein, Land und Leute noch besser kennenlernen zu wollen. Die besten Informationen dafür gibt es beim Tourismusverband - www.czechtourism.com/de/

Top: Fans. Die konsumierten dann auch insgesamt 160 000 Liter Gerstensaft. Dennoch war die Stimmung stets friedlich. Die Polizei bestätigte, dass es keinerlei Zwischenfälle in Form von Randale oder Auseinandersetzungen gegeben hat. Neben den lautstarken Tschechen bildeten Letten sowie Schweizer die größten Fan-Gruppen. Einige Eidgenossen erregten mit ihrer Verkleidung als Kuh Aufmerksamkeit. Die weitesten Anreisen dürften wohl eine Gruppe Schweden aus Kiruna nördlich des Polarkreises und ein Russe aus Wladiwostok gehabt haben.

Flop: Team Tschechien. Der WM-Gastgeber zeigte ein enttäuschendes Turnier. In der Abwehr unterliefen eklatante Fehler und im Angriff wurden massenweise "Fahrkarten" geschossen. Dass der Einzug ins Halbfinale gelang, war lediglich der individuellen Klasse des 43-jährigen Jaromir Jagr sowie auffällig wohlgesinnter Schiedsrichter im Viertelfinale gegen Finnland zu verdanken. Danach blieb Tschechien zweimal ohne Tor und damit zu recht ohne Medaille. "Ja, wir haben große Probleme gehabt", sagte Trainer Vladimir Ruzicka.

Flop: Schweiz. Der Vize-Weltmeister von 2013 bot grauenhaftes Eishockey. Mehr als vor dem eigenen Tor den "Eisernen Vorhang" zu errichten, fiel den Eidgenossen nicht ein. Dabei rühmen sie sich, durch die Reduzierung der Ausländer in ihrer Liga die einheimischen Spieler besonders gut ausbilden zu können. Vielleicht lag es dann doch am umstrittenen Trainer Glen Hanlon. Mit fünf Niederlagen in sieben Spielen gelang trotzdem der Sprung ins Viertelfinale, weil sich Deutschland, Frankreich, Lettland und Österreich noch dümmer anstellten. "Das war das billigste Viertelfinale aller Zeiten", sagte ein schweizer Journalist.

Flop: "Gijon on Ice". Bei der Fußball-WM 1982 schoben sich Deutschland und Österreich den Ball einst so lange hin und her, bis beide weiter waren. Beim Eishockey wurden die Österreicher nun das Opfer. Tatenlos mussten sie mit ansehen, wie Lettland und Frankreich in der letzten Partie exakt das Ergebnis erspielten, welches beiden den Klassenerhalt sicherte. Dadurch, dass es ein Unentschieden war, nach dem sich Frankreich mit einem Erfolg im Penaltyschießen den benötigten Zusatzpunkt holte, bekommt Österreichs Abstieg noch mehr Geschmäckle.

Flop: Modus. Eigentlich hätten die beiden Ersten jeder Gruppe zum Viertelfinale für ihre Leistung mit dem Verbleib am Spielort belohnt werden sollen. Doch die Tschechen durften unabhängig davon in Prag bleiben und so mussten sich die Schweden als Gruppenzweiter in den Bus setzen. Russland verlor daher sein letztes Spiel gegen Finnland einfach mal, konnte damit als dritter in Ostrau verweilen und warf dort die von der Reise müden "Tre Kronor" aus der WM. Sportlichkeit sieht anders aus.

Flop: Deutsche Fans
. Selten zuvor waren so wenige deutsche Schlachtenbummler bei einer WM zu sehen wie dieses Jahr in Prag. Außer gegen Frankreich war der deutsche Anhang bei jedem Spiel in der Minderheit. Wenn überhaupt, dann kam die DEB-Gefolgschaft aus den nicht weit entfernten Städten Dresden, Leipzig, Crimmitschau, Weißwasser und Berlin. Die sonst eigentlich ständig gesichteten Alles-Fahrer hingegen fehlten. An den Preisen lag es nicht. "Billiger als in Prag geht es ja kaum. Aber die meisten haben einfach keinen Bock gehabt", sagte Maik aus Leipzig und ergänzte: "Die vielen Absagen von Spielern, die zuletzt gezeigten Leistungen der Mannschaft und dazu die Querelen im Verband sind die Gründe." Die Fans zeigen der deutschen Nationalmannschaft die kalte Schulter. Eine schallende Ohrfeige und deutliche Warnung zugleich.

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