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Wie baut man ein gutes Team zusammen?

Jens Baxmann über die Lausitzer Füchse: „Wir sind das letzte gallische Dorf der Liga“

Lesedauer: 8 Minuten
Jens Baxmann ist der Sportliche Leiter der Lausitzer Füchse.
Jens Baxmann ist der Sportliche Leiter der Lausitzer Füchse. (Foto: Lausitzer Füchse)

Jens Baxmann stand in 939 DEL-Spielen auf dem Eis und holte siebenmal mit den Eisbären Berlin den deutschen Meistertitel. Im Jahre 2022, damals war er bei den Lausitzer Füchsen in der DEL2 unter Vertrag, musste er wegen einer Augenverletzung seine aktive Karriere beenden.

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Er blieb in Weißwasser und absolvierte ein Studium. Seit 2024 ist er Sportlicher Leiter der Lausitzer Füchse und bestimmt seitdem wesentlich das sportliche Line-Up des Clubs. Wir sprachen mit Jens Baxmann über seine Rolle.

Die Füchse haben ihre Heimat in Weißwasser, einer 15.000-Einwohner Stadt im Osten Sachsens. Die Region ist wirtschaftlich nicht auf Rosen gebettet. Aufgrund dieses Umfelds können die Füchse für ihre Spieler nicht die Gehälter anbieten, die Top-Clubs aufrufen können. Deshalb stehen andere Erfolgsfaktoren im Vordergrund. Jens Baxmann meint: „Wichtigste Grundlage für den Erfolg ist es, dass ein gewisser Kern des Teams längerfristig zusammenbleibt, damit die Identität und die Werte des Clubs bewahrt werden.“

Die Füchse haben auch in dieser Saison das jüngste Team der Liga und verstehen sich als eine Art Ausbildungsclub. Das ist eine Rolle, die man in Weißwasser angenommen hat und die man lebt. Schaut man sich die Platzierung der letzten drei Jahre an, haben alle am Standort einen sehr guten Job gemacht: „Und damit meine ich alle: die Spieler, die Trainer, das Umfeld, die ganzen Mitarbeiter, die Sponsoren und unsere Fans. Das alles zusammen zeichnet die Lausitzer Füchse aus. Wir sind nicht nur der einzige Profi-Club im Landkreis Görlitz, sondern auch innerhalb der Liga als kleinster Standort das letzte gallische Dorf. Trotzdem wollen wir uns perspektivisch weiter verbessern.“

Aber die Anforderungen innerhalb der DEL2 werden größer. Gab es früher nur einen Cheftrainer, so hat dieser heute einen Co-Trainer und einen Torwarttrainer zur Seite. Aber auch das reicht auf lange Sicht nicht aus, um im heutigen Eishockey-Profigeschäft erfolgreich zu bleiben. Für Jens Baxmann wäre es wichtig, auf Sicht der nächsten Jahre auch einen Athletiktrainer und einen Mentalcoach verpflichten zu können: „Neben solchen Verbesserungen müssen wir natürlich wirtschaftlich konkurrenzfähig bleiben, da spielen die Rahmenbedingungen eine große Rolle. Da wir in der Eishalle nur Mieter sind, ist es schwierig, gewisse Änderungen umzusetzen. Bezogen auf die eingesetzten Ressourcen haben wir aber in den letzten drei Jahren hervorragende Ergebnisse erreicht.“

Mit Roope Mäkitalo und Lewis Zerter-Gossage gingen den Füchsen nicht nur Top-Scorer der letzten Spielzeit von Bord. Jens Baxmann stellt dar, wie der Umbau des Teams verlief: „Grundsätzlich spreche ich jede Verpflichtung mit dem Trainerteam ab, da sind wir in einem regen Austausch. Auch der wirtschaftliche Aspekt spielt eine wesentliche Rolle. Für mich ist es auch wichtig, Spieler zu finden, die charakterlich zu uns passen, gern zu uns kommen und Teamplayer sind. Ich schaue natürlich danach, welche Rolle jemand spielen kann. Zum Beispiel ist der Mittelstürmer eine sehr wichtige Position, da haben wir mit Alexis D´Aoust einen Top-Spieler verpflichtet, der allerdings kein reiner Center ist, wie beispielsweise Roope es war. Bei Alexis haben wir eine andere Dynamik und andere Vorzüge gesehen, er kann z.B. auch gut als Außenstürmer eingesetzt werden. Auf solche Konstellationen schauen wir bei der Auswahl der Spieler.“

Der Zeitaufwand, um neue Spieler zu suchen und zu scouten, ist enorm. Deshalb werden verschiedene Wege genutzt. Das können direkte Kontakte sein, aber auch die Spielerberater spielen eine wichtige Rolle. Gerade bei ausländischen Spielern kommt ein Video-Scouting-Programm zum Einsatz: „Solche Mittel sind gut, denn ich kann nicht jedes Wochenende um die Welt fliegen und mir potenzielle Spieler vor Ort anschauen. Damit kann ich mir zwar nicht 1:1 das gleiche Urteil wie im Stadion erlauben: wie agieren die Spieler auf der Bank, wie gehen sie mit bestimmten Situationen um? Das sehe ich auf dem Video natürlich nicht.“

Wichtig ist aber auch, dass Spieler sich entwickeln können und sollen. Deshalb hat Jens Baxmann Spieler wie z.B. John Broda oder letztes Jahr Charlie Jahnke zu den Füchsen geholt. Beide kamen aus der DEL und sollen in Weißwasser tragende Säulen übernehmen. „Wir bemühen uns sehr um solche Spieler und investieren da viel Zeit und Motivation, um sie zu uns zu bekommen. Es gibt auch andere Faktoren wie Verletzungen oder ein Trainerwechsel.“

Eine besonders intensive Zusammenarbeit gibt es mit Spielerberatern: „Die deutschen Spieler sind zu über 90 Prozent bei deutschen Beratern unter Vertrag. Da kennt und schätzt man sich. Es ist anders als zu meiner aktiven Zeit, da gab es zwei oder drei große Berater, bei denen die meisten Spieler gebunden waren. Mittlerweile gibt es 20 bis 30 Agenturen, auch welche, die sich nur auf Top-Spieler fokussieren oder nur auf junge Spieler. Manche bieten auch ein Komplettpaket inklusive Steuerberater und Versicherungen an und schauen schon auf das Leben neben oder nach der Karriere. Die Berater sind auch sehr bemüht, den Clubs ihre Informationen zukommen zu lassen. Wichtig sind auch die Kontakte, die man über die ganze Zeit im Ausland gesammelt hat, z.B. in Skandinavien, Nordamerika, Tschechien und der Schweiz. Da nehme ich häufig selbst proaktiv den Kontakt auf und suche zum Beispiel konkret einen Mittelstürmer. Man findet dabei auch relativ schnell heraus, ob es überhaupt eine finanzielle Basis gibt.“

Das alles ist aber keine Garantie dafür, dass die Neuverpflichtungen auch einschlagen. „Holt man Spieler aus Nordamerika, kann die unterschiedliche Eisfläche ein Problem sein. Wenn jemand drüben schon läuferische Probleme hat, können sich diese hier noch ausweiten.“ 

Bei den Füchsen gibt es Spieler mit mehrjährigen Vertragslaufzeiten wie Kapitän Clarke Breitkreuz und Eric Valentin, beides wichtige Säulen im Line-up der Lausitzer. Der Großteil der Verträge läuft aber nur für eine Saison. Jens Baxmann erklärt: „Gerade bei den ausländischen Spielern ist es schwieriger, lange Laufzeiten zu vereinbaren. Man hat nur vier Stellen und die sind sehr wertvoll, je nachdem auch für welche Positionen im Kader man sie benötigt. Das gilt auch mit Blick auf die nächste Saison. Es hängt viel davon ab, welche deutschen Spieler man bekommt und das zwölf Monate vorher zu wissen, ist fast unmöglich.“ 

Nicht nur die Lausitzer Füchse, auch andere Teams in der DEL2 haben sich in den letzten Jahren oft in der Elite Ice Hockey League, der höchsten britischen Liga bedient. Mit Alexis D´Aoust kam zu Saisonbeginn der Topscorer dieser Liga nach Weißwasser.

Jens Baxmann sieht dabei Vor- und Nachteile: „Grundsätzlich sind die Ligen bezogen auf die Regularien komplett unterschiedlich. In England kann man deutlich mehr ausländische Spieler einsetzen als bei uns. Auch das Leben und der Lifestyle sind gerade für englischsprachige Spieler dort einfacher. Das geht im Restaurant mit der englischen Speisekarte los. Die EIHL ist aus meiner Sicht aber auch die Liga in Europa, die sich in den letzten Jahren am meisten entwickelt hat. So ist es für uns als kleinerer Club so, dass wir zum Beispiel keinen Spieler wie Alexis bekommen würden, wenn die englischen Top-Clubs Vollgas geben. Hier müssen wir also andere Faktoren ins Feld führen und das ist uns ja in diesem Fall auch gelungen.“

Für die Füchse ist es wichtig, dass sie ihre Grundphilosophie umsetzen können, das ist die Arbeit mit jungen Spielern. „Deshalb ist Christof Kreutzer der ideale Trainer für uns, da er keine Trennung zwischen jung und alt macht und mit seinem Trainerteam bereit ist, mit den Jungs intensiv zu arbeiten. Wir wollen vor allem innerhalb der Saison eine Entwicklung sehen. Vielleicht sind wir auf dem Papier nicht die Favoriten, aber möglicherweise haben wir das größte Potenzial aller Clubs, uns innerhalb der Saison zu verbessern, da die jungen Spieler wissbegierig und lernbereit sind. Das ist auf der anderen Seite auch ein gewisses Risiko, was man abwägen muss. Natürlich kann die Realität auch mal anders aussehen und der Trainer sich fragen muss, warum Spieler XY eben nicht funktioniert. Am Ende ist der Club das wichtigste und dann müssten wir auch nachjustieren. Aber das ist normales Profigeschäft und es zählt der sportliche Erfolg.“

Jens Baxmann hat in seiner aktiven Karriere zweimal den Club gewechselt: „Ich war insgesamt 18 Jahre in Berlin und hatte mit Peter Lee einen fairen Chef. Dazu hatte ich einen Berater, den ich zwar nicht unbedingt gebraucht hätte, da beide Seiten den Vertrag einfach immer wieder verlängert haben. Als es dann aber nicht weiterging, war ich sehr froh darüber, ihn zu haben. Er hat mich beim Wechsel nach Iserlohn sehr unterstützt. Es war eine Herausforderung und eine Erfahrung, die ich nicht missen möchte. Beim zweiten Wechsel nach Weißwasser hatte sich Dirk Rohrbach sehr bemüht, aber es war auch ein Argument, geografisch wieder näher an meine Kinder zu kommen. Ich hatte die große Ehre, für beide ehemaligen DDR-Spitzenclubs spielen zu dürfen, das können nicht viele Spieler von sich behaupten.“

Auch in der laufenden Saison ist der Sportliche Leiter immer wieder gefragt, sei es bei Verletzungen oder anderen Abgängen. So haben die Füchse seit Saisonbeginn mit Lennard Nieleck, Georgiy Saakyan und Markus Freis gleich drei neue Spieler neu verpflichtet, um auf Ausfälle zu reagieren und dem Kader mehr Tiefe zu geben.

Somit dürfte Jens Baxmann auch in den nächsten Monaten den Markt genau beobachten, auch schon um die neue Saison vorzubereiten.

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