"Ich bin hier, um dem Kader mehr Tiefe zu geben"Starbulls-Neuzugang Greg Classen im Interview

Lesedauer: ca. 3 Minuten

Hockeyweb: Willkommen in Rosenheim, Herr Classen. Die Starbulls haben Sie vergangene Woche als letzten Neuzugang präsentiert. Was sind Ihre ersten Eindrücke von der Mannschaft, von der Organisation und der Stadt Rosenheim?

Classen: Vielen Dank! Ich bin jetzt erst ein paar Tage da, sodass ich mich noch an die vielen neuen Gesichter und Eindrücke gewöhnen muss, aber die Mitspieler, Betreuer und Menschen hier sind sehr hilfsbereit und herzlich. Da fällt mir der Neustart in Rosenheim gar nicht schwer. Die Stadt scheint sehr lebenswert zu sein und auf den Straßen ist recht viel los, was wahrscheinlich auch am Herbstfest liegt. Aber vor allem ist das Wetter bisher wunderbar (lacht).

Ihr Vertrag in Weißwasser wurde nicht verlängert und Sie haben über den Sommer bei den Eisbären in Berlin mittrainiert. Wann haben die Starbulls Kontakt zu Ihnen aufgenommen und hätte es auch Alternativen zum Wechsel nach Oberbayern gegeben?

Das ist richtig. Die Starbulls haben mich dann Ende August auch recht spät angefragt. Es war auch von ein paar weiteren Mannschaften Interesse da, aber ich hatte beschlossen auf ein überzeugendes Angebot zu warten. Mit dem Rosenheimer Angebot war ich dann sehr zufrieden, auch weil ich denke, dass ich gut in die Mannschaft passen könnte.

Für die Fans in Rosenheim, die Sie bisher nicht oder nur wenig kennen: Wie würden Sie sich als Mensch und als Spieler selbst beschreiben?

Als Mensch bin ich, denke ich, sehr umgänglich und offen. Ich bin sehr aufgeschlossen und wirklich sehr interessiert an neuen Menschen, Orten und Erfahrungen.

Auf der Eisfläche bin ich, so würde ich das beschreiben, ein variabler Eishockeyspieler, der sich in fast jede Position einfinden kann und immer den einfachen Pass spielt. Offensiv bin ich zudem durchaus kreativ und bereite regelmäßig Treffer vor, im Grunde eben sehr mannschaftsdienlich.

Sie sind ein sehr erfahrener Eishockeyspieler, der in seiner Karriere in zahlreichen Ligen gespielt hat. Was denken Sie über die DEL2, auch im Vergleich zu anderen Ligen?

Ich habe das Gefühl, dass in der DEL2 sehr viele junge Spieler zum Einsatz kommen. Das kann natürlich aber auch daran liegen, dass ich selbst recht alt geworden bin (lacht). Nein, generell finde ich die Liga durchaus attraktiv, da die Spieler durch die große Eisfläche und das Tempo ein wenig mehr Zeit an der Scheibe haben als in anderen Ligen und die Liga deshalb sehr offensiv ist. Zudem kann Jeder Jeden schlagen. Das ist nicht überall so und das wollen die Zuschauer ja auch sehen.

Was sind Ihre Erwartungen an die Saison 2016/17 und was denken Sie, können Sie mit den Starbulls erreichen bzw. wen sehen Sie an der Spitze der Liga?

Ich bin hier, um dem Starbulls-Kader mehr Tiefe zu geben. Ich hoffe, dass ich mit meiner Erfahrung, gerade den jüngeren Spielern sehr viel helfen kann. Wir werden um einen Playoff-Platz kämpfen. Danach geht es dann wieder bei null los. Wichtig ist jedoch, dass man sich über die komplette Saison, die sehr lang ist, steigert und am Ende sein bestes Eishockey spielt - dann ist in den Playoffs auch mit unserer Mannschaft, die eine oder andere Überraschung drin.

Kassel wurde letztes Jahr Meister, weil sie genau zur richtigen Zeit ihr Spiel auf das nächsthöhere Level gebracht haben und am Ende am stärksten waren. Kassel sehe ich auch wieder vorne. Ebenso wie die Bietigheim Steelers und Löwen Frankfurt. Auch die Dresdner Eislöwen werden sich oben fest spielen wollen.

Rückblickend auf Ihre durchaus erfolgreiche Karriere, was waren Ihre größten und schönsten Momente?

Der Gewinn des Calder Cups mit Milwaukee (AHL) und die Meisterschaft mit ERC Ingolstadt (DEL) waren sicher große Momente, die man nie vergessen wird. Die Szenen, wenn eine Mannschaft nach einer langen Saison auf die Eisfläche springt, weil sie ihr ultimatives Ziel erreicht hat, sind wirklich surreal und unbeschreiblich.

Für mich persönlich war es aber auch schön, dass ich zusammen mit meinem Bruder (Bryce Classen; spielte in der ECHL und in den kanadischen Minor-Leagues; Anm.d.Red.) bei den Nipawin Hawks meine Eishockeylaufbahn starten durfte und wir es damals in die SJHL, einer prestigeträchtigen Juniorenliga bei uns in Kanada, geschafft haben. Und an mein erstes NHL-Spiel, für die Nashville Predators werde ich natürlich auch immer zurückdenken.

Mit 39 Jahren denkt man schon sicher an die Zeit nach dem Eishockey. Haben Sie schon Zukunftspläne?

Ja, leider muss man sich auch mit diesem Thema beschäftigen. Ein paar Ideen sind natürlich schon in meinem Kopf, aber im Moment fühle ich mich noch sehr gut und habe in Rosenheim meine Aufgabe. Eishockey steht in der Prioritätenliste gerade noch ganz oben. Der Rest kommt schon mit der Zeit.


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