DEL2-Vorschau 2026/27: Bietigheim Steelers

Am 18. September startet die DEL2 in die neue Spielzeit. Hockeyweb stellt täglich eine Mannschaft vor. Heute richtet sich der Blick auf die Bietigheim Steelers.
Die Bietigheimer Comeback-Saison in der DEL2 hatte alles in sich, was man sich als Eishockey-Fan ausdenken kann. Abgesehen vom Sieg im Penaltyschießen gegen den späteren Absteiger ESV Kaufbeuren blieben die Steelers in den ersten acht Partien sieglos.
Nachverpflichtung Cole Fonstand war anschließend maßgeblich am Wendepunkt beteiligt. Die Steelers gewannen ihre Spiele wie am Fließband und schraubten sich bis auf Platz 6 am Ende der Hauptrunde nach oben.
In den Playoffs folgte dann eine Serie über sieben Spiele gegen die Towerstars Ravensburg, die den Fans noch lange in Erinnerung bleiben wird. Nur zwei Spiele endeten nach regulärer Spielzeit – beide mit Auswärtssiegen für die Steelers.
Schluss war dann im Playoff-Halbfinale gegen die Huskies aus Kassel. In einer nicht weniger dramatischen Playoff-Serie hieß es am Ende von Spiel sechs: Sommerpause im Ellental.
Gemessen an Punkten pro Spiel stellten die Steelers über die gesamte Saison inklusive der Playoffs vier der fünf besten Spieler der DEL2. Zwei davon – Jack Dugan und Cole Fonstad – laufen auch in der kommenden Saison für die Bietigheimer auf.
Der Rest des Kaders wirkt runderneuert und deutlich verjüngt. Wohin führt die Reise für das jüngste DEL2-Team im zweiten Jahr?
Trainer
Nach dem nicht ganz unumstrittenen Aus von Ex-Trainer Alexander Dück während der laufenden Playoff-Halbfinal-Serie gegen die Kassel Huskies, übernahm interimsmäßig Co-Trainer Boris Blank. Nach kurzem Intermezzo als Headcoach, kehrt Blank wieder auf den Posten des Co-Trainers zurück.
Mit Tim Kehler konnten die Verantwortlichen einen Trainer ins Ellental lotsen, der sich über die Jahre einen Namen in Deutschland gemacht hat. Der in Victoria (British Columbia) geborene Kanadier arbeitete zwischen 2013 und 2016 und ununterbrochen seit 2018 als Head Coach für die Löwen Frankfurt, Kassel Huskies und Ravensburg Towerstars. Die letzten drei Saisons arbeitete er als Co-Trainer unter Steve Walker bei den Schwenninger Wild Wings.
Seine Erfahrung in der DEL2 sollte dem jungen Steelers-Team weiterhelfen, sich nach dem erneuten Umbruch weiter in den DEL2-Playoffs zu etablieren.
Tor
Mit einem Durchschnittsalter von glatten 20 Jahren setzen die Steelers nicht gerade auf die geballte DEL2-Erfahrung im Tor. Die neue Nummer 1 wird Felix Noack sein, der per Förderlizenz von den Adler Mannheim zur Verfügung gestellt wird. Als Backup-Lösung haben sich die Verantwortlichen für Keanu Salmik entschieden. Komplettiert wird das Quartett von Dean Döge und Cedric Nachtmann. Beide werden sehr wahrscheinlich erstmals per Förderlizenz in der Oberliga bzw. in der DNL Spielminuten sammeln.
Das Projekt „Jugend forscht“ im Steelers-Tor steht und fällt mit der Gesundheit der beiden Goalies Maximilian Franzreb und Jake Hildebrandt in Mannheim. Wenn Felix Noack weitestgehend das Steelers-Tor hüten kann, haben die Verantwortlichen alles richtig gemacht.
Verteidigung
Nominell umfasst die Abwehr ganze zehn Spieler. Vier davon sind 20 Jahre oder jünger. Auch hier setzt man sehr auf eine Verjüngung des Kaders.
Neu hinzu kommen mit Tim Bender (Kassel Huskies) und Steven Raabe (Krefeld Pinguine) zwei Verteidiger, die die DEL2 sehr gut kennen und bereits bei Topclubs unter Vertrag standen.
Mit Dominik Klein (Kölner Junghaie) gelang es den Steelers, den punktbesten Verteidiger der DNL der letzten Jahre ins Ellental zu holen. Zusammen mit Matthias Pape (Trail Smoke Eaters/BCHL) und Colin Schlenker (per Förderlizenz aus Mannheim) wird Klein im Laufe der kommenden Saison erst 21 Jahre alt.
Ebenso neu im Kader steht das 16-jährige Toptalent Maksim Hanzek aus der eigenen Jugend.
Die Verträge mit Mick Hochreither, Tim Schüle, Maximilian Soll und Arne Uplegger konnten alle für ein weiteres Jahr verlängert werden.
Die Mischung aus Erfahrung, jungen Spielern und neu gewonnener Kaderbreite könnte ein echter Gewinn für das Team sein.
Angriff
Die alles entscheidende Frage im Sturm der Steelers wird sein, ob ein Spieler wie Brett Kemp, der zur Düsseldorfer EG wechselte, ohne Weiteres ersetzt werden kann.
Umso wichtiger ist es daher, dass die Erfolgsgaranten der abgelaufenen Saison, Jack Dugan, Cole Fonstad und Marek Racuk alle gehalten werden konnten. Auch Kapitän Alexander Preibisch geht in seine zehnte Saison im grün-weißen Trikot. Bastian Eckl und Mike Fischer haben ihre Verträge bereits früh verlängert und gehören ebenso weiterhin zum Kader.
Zwischen 1998 und 2004 spielte Darrren Ritchie für die Steelers und bildete mit Craig Teeple und Tim Leahy den kongenialen „RTL-Sturm“. Sein Sohn Nolan Ritchie (Hannover Indians) wird ab der kommenden Saison versuchen, in die großen Fußstapfen seines Vaters zu treten und dem Namen Ritchie im Ellental noch mehr Legendenstatus zu verleihen.
Nicht nur im Tor und in der Abwehr versuchen sich die Steelers an jungen Talenten – nein, auch im Sturm setzt man auf Jugend. Der Slowene Mai Crnkic (Graz 99ers) kommt zunächst per Leihvertrag bis zum Jahresende nach Bietigheim. Auch hier gibt es Parallelen zur Vergangenheit. Crnkic wurde wie auch die Brüder David und Marcel Rodman in Jesenice geboren und eishockeytechnisch ausgebildet, bevor es ihn in die Jugend von Brynäs IF nach Schweden zog.
Lennard Nieleck (Förderlizenz aus Mannheim) hat in den letzten Jahren im Trikot der Lausitzer Füchse gezeigt, dass er ein spannender Spieler für die DEL2 und vielleicht bald auch für die DEL sein wird. Es wird sich zeigen, wie viele Einsätze er in Bietigheim bekommt.
Neben Verteidiger Dominik Klein, wechseln auch die beiden offensiven Topscorer der vergangenen DNL-Saison nach Bietigheim. Max Ziergiebel (Kölner Junghaie) und Luca Franzese (ERC Ingolstadt U20) kommen zusammen auf 244 DNL-Spiele und sage und schreibe 319 Scorerpunkte in je drei Saisons.
Die weiteren Neuzugänge sind Justin Büsing (Fischtown Pinguins) und David Cerny (Krefeld Pinguine). Vorerst per Try-Out-Vertrag im Kader stehen Verletzungsrückkehrer Benjamin Zientek und Lois Spitzner (Selber Wölfe).
Die Steelers haben auch im Sturm eine gesunde Mischung aus erfahrener Klasse, jungen und hungrigen Talenten und jede Menge Torgefahr. Wenn Spieler wie Jack Dugan und Cole Fonstad wieder wie am Fließband scoren und durch die Breite, die auch der Sturm haben wird, mehr Entlastung für die erste Reihe aufgestellt werden kann, dann kann die Eingangsfrage sicherlich mit „Ja“ beantwortet werden.
Prognose
In der vergangenen Saison gehörte der Kader der Steelers zu den älteren bzw. erfahreneren der DEL2. Dieses Jahr sieht es ganz anders aus und man stellt den jüngsten Kader der Liga.
Das Potenzial im Sturm kann den Steelers kaum ein Experte absprechen. Die Stabilität in der Abwehr hat durch Neuzugänge wie Tim Bender oder Steven Raabe nicht nachgelassen. Viel wird also von Felix Noack und Keanu Salmik im Tor abhängen. Können die beiden Youngster ihre nächsten Schritte machen und sich weiterentwickeln? Wenn ja, dann muss man mit den Steelers auch in der kommenden Saison ganz klar rechnen
Einen Aufstieg kann es nicht geben. Für das Play-Off-Finale bewerben sich zahlreiche andere Topteams der Liga. Doch ein erneutes Playoff-Halbfinale scheint unter den genannten Umständen nicht unmöglich.
An der Unterstützung der Fans wird es nicht mangeln: Die Dauerkartenverkäufe kratzen am Vereinsrekord und auch der Zuschauerschnitt jagt die Rekordzahlen der Vorsaison.













