Hans Werner Münstermann: „Wir waren selbstbewusst und erfolgshungrig!“Interview mit Krefelder Meister von 1952

Hans Werner Münstermann ist einer von vier noch lebenden KEV-Meisterspielern von 1952. Er erinnert sich noch gut an den Überraschungserfolg vor 70 Jahren.  (Foto: Ralf Konecki)Hans Werner Münstermann ist einer von vier noch lebenden KEV-Meisterspielern von 1952. Er erinnert sich noch gut an den Überraschungserfolg vor 70 Jahren. (Foto: Ralf Konecki)
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Percy Peltzer, Schorsch Pescher, Heinz Dohr und eben Hans-Werner Münstermann wurden am Wochenende beim DEL-Duell der Pinguine zwischen Krefeld und Bremerhaven geehrt: Vor genau 70 Jahren gewann der KEV im Entscheidungsspiel gegen Riessersee mit 6:4 und holte den Titel. Hockeyweb-Mitarbeiter Michael Sender sprach mit dem 90-jährigen Hans Werner Münstermann über den damaligen Erfolg und die Erinnerungen daran.

Herr Münstermann, wie geht es Ihnen?

Hans-Werner Münstermann: Mir geht es normal. Ich bin ja nun schon einige Jahre nicht mehr berufstätig. Jetzt genieße ich den Ruhestand. Früher habe ich ein Planungsbüro für Architektur- und Ingenieurswesen betrieben in Krefeld. Da habe ich große Lagerhäuser sowie Supermärkte geplant und gebaut. Diese Zeit ist vorbei, es ist nun viel ruhiger.

Neben ihrem Beruf haben Sie auch äußerst erfolgreich Eishockey gespielt. 1952 sind Sie mit dem KEV Deutscher Meister geworden. Welche Erinnerungen hegen Sie an diesen historischen Moment?

Münstermann: Das war ein wunderschöner Moment in meinem Leben. Wir hatten eine junge Mannschaft und haben uns gegen die Favoriten durchgesetzt. Der Erfolg hatte natürlich eine Vorgeschichte: Nach dem Krieg hat mein Vater Willi Münstermann den Eishockeysport in Krefeld strukturell ausgebaut. Beim KEV hatten wir durch die Wiederinbetriebnahme der Eishalle eine sehr gute Jugendarbeit und sind 1947 und 1948 zweimal Deutscher Jugendmeister geworden. Während des Krieges hatte die deutsche Regierung ja den Betrieb der Eishalle verboten – die Energie sollte eingespart und anderweitig genutzt werden.

Nach dem Krieg nahm der Eishockeysport so richtig Fahrt auf in Krefeld...

Münstermann: Die Erfolge im Nachwuchs waren der Grundstein für den späteren Erfolg im Seniorenbereich. Wir hatten sehr gute Spieler aus den eigenen Reihen und waren so gut bestückt, dass wir zwei Mannschaften stellen konnten. Es war aber nicht erlaubt, zwei Mannschaften erstklassig ins Rennen zu schicken. Mein Vater hat dann eine Eishockeyabteilung beim KTSV Preußen Krefeld in die Wege geleitet. Preußen hatte damals über 3000 Mitglieder, war also ein Großverein. Dort konnte 1951 die erste Deutsche Meisterschaft in Krefeld gefeiert werden.

Sie waren während dieser Zeit beim KEV. Wie erklären Sie sich den Erfolg von 1952? Was zeichnete die Mannschaft von damals aus?

Münstermann: Die Jugendmeisterschaften hatten uns entsprechendes Selbstbewusstsein gebracht. Wir waren erfolgshungrig und wussten, dass wir Großes erreichen können. Wir kannten uns alle sehr gut und waren eingespielt. Das Mannschaftsgefüge stimmte und das konnten wir schließlich auf dem Eis zeigen.

Am 12. März 1952 gab es das Entscheidungsspiel zwischen dem KEV und dem SC Riessersee. Sie haben in diesem Endspiel den zwischenzeitlichen 4:3-Führungstreffer geschossen.

Münstermann: Ja, wir waren mit Riessersee punktgleich. Das Entscheidungsspiel fand dann in Mannheim auf neutralem Boden statt. Das hatte der Verband so bestimmt. Es war ein enges und unglaublich spannendes Endspiel. Es stand lange unentschieden. Im letzten Drittel haben wir die entscheidenden Tore gemacht.

Wie haben Sie die Meisterschaft gefeiert?

Münstermann: Es war ja schon spät am Abend nach Spielschluss. Wir haben die erste Nacht im Mannheimer Hotel improvisiert und gefeiert. Am Tag darauf ging es weiter ins nahe gelegene Bad Dürkheim. Dort haben wir es uns im Spielkasino bis weit nach Mitternacht gutgehen lassen.

Haben Sie damals mit dem Eishockeyspiel Geld verdient?

Münstermann: Oh nein, das war verboten. Wir waren alle Amateurspieler. Wenn man in irgendeiner Weise Geld mit dem Sport verdiente, wurde man auf Lebenszeit gesperrt. Dieses Risiko ist keiner von uns eingegangen.

Der Eishockeysport hat Sie schon früh fasziniert. Erzählen Sie uns von ihren Anfängen...

Münstermann: Die Begeisterung kam durch meinen Vater Willi. Er hat mir das in die Wiege gelegt. Ich weiß noch, dass es damals keine Eishockeyschlittschuhe in meiner Größe gab, also fing ich mit Eiskunstlaufschuhen an. Unsere damalige erste Mannschaft bestand nur aus Kanadiern, sie bekamen den Spitznamen „German Canadians“. Die kanadischen Spieler haben mir zu Weihnachten einmal Schlittschuhe in Größe 36 von ihrer Heimreise mitgebracht. Eine tolle Geste war das. Solche Schlittschuhe gab es damals in Mitteleuropa nicht zu kaufen.

Verfolgen Sie das aktuelle Eishockeygeschehen noch?

Münstermann: Ja sicher verfolge ich noch, was im Eishockey passiert. Leider steht die Krefelder Profiabteilung momentan sehr schlecht da. Ich hoffe, dass sich das schnell bessert und zumindest der Abstieg vermieden werden kann. Eine andere Sache ist die Nachwuchsarbeit. Die ist schon immer vorbildlich und im ganzen Land angesehen. Das gibt mir auch Hoffnung für die Pinguine. Zu meiner aktiven Zeit hatten wir in Krefeld sehr viele Nationalspieler aus unseren Reihen. Es wäre schön, wenn wieder mehr Krefelder Jungs zu den Leistungsträgern bei den Senioren gehören.


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