DEL-Vorschau 2026/27: Eisbären Berlin

Heute startet die Deutsche Eishockey Liga (DEL) in die neue Saison. Hockeyweb stellt täglich eine Mannschaft vor. Zuletzt geht heute der Blick auf die Eisbären Berlin.
In den vergangenen Jahren haben sich die Eisbären Berlin wieder zu einem der dominierenden Teams der DEL entwickelt. Nach einer von Verletzungspech geprägten Hauptrunde sicherten sie sich am letzten Spieltag den letzten direkten Viertelfinalplatz. Als Tabellensechster setzten sie sich im Viertelfinale mit 4:2 in der Serie gegen die Straubing Tigers, im Halbfinale ebenfalls mit 4:2 gegen die Kölner Haie und im Finale mit 4:1 gegen die Adler Mannheim durch und feierten damit den Titel-Hattrick.
Mehrere wichtige Persönlichkeiten haben den Verein im Sommer allerdings verlassen. Die Herausforderung wird deshalb darin bestehen, die Siegermentalität trotz einiger Veränderungen aufrechtzuerhalten.
Trainer
Nach drei Meistertiteln mit Serge Aubin (SC Bern) beginnt in Berlin eine neue Ära. Für Éric Dubois (ERC Ingolstadt), der zuletzt als Assistenztrainer beim ERC Ingolstadt arbeitete, ist Berlin die erste Station als Cheftrainer im europäischen Profieishockey. Zu Beginn seiner Trainerkarriere arbeitete er in der kanadischen Juniorenliga QMJHL, unter anderem als Head Coach des Acadie-Bathurst Titan. Ab 2016 verbrachte er neun Jahre in der Organisation der Winnipeg Jets und war als Assistenztrainer der Manitoba Moose tätig.
Unterstützt wird Dubois von Dan Lambert als Associate Coach. Auch im Trainerteam kam es zu Veränderungen. André Rankel, der als Spieler über viele Jahre das Gesicht der Eisbären war und seit 2023 als Assistenz- und Development Coach zum Trainerteam gehörte, wechselte Ende August zum Deutschen Eishockey-Bund. Dort übernahm er das Amt des Bundestrainers der Herren-Nationalmannschaft.
Für Dubois steht eine schwierige Aufgabe bevor. Er übernimmt eine Mannschaft, die zuletzt drei Meisterschaften in Serie gewonnen hat. Gleichzeitig muss er seine Vorstellungen einbringen und dafür sorgen, dass die hohen Ansprüche in Berlin auch unter dem neuen Trainer erfüllt werden.
Tor
Im Tor gehen die Eisbären mit einer neuen Konstellation an den Start und müssen dabei wichtige Abgänge auffangen. Jonas Stettmer (ERC Ingolstadt), der in den vergangenen beiden Spielzeiten mit starken Play-off-Leistungen auf sich aufmerksam machte und 2026 sogar zum MVP (Most Valuable Player) der Finalserie gewählt wurde, gehört nicht mehr zum Kader. Auch Jake Hildebrand (Adler Mannheim), der seit 2023 in Berlin spielte und großen Anteil an den letzten Titeln hatte, verließ den Verein.
Mit Jack LaFontaine (Kansas City Mavericks) wurde ein neuer Torhüter verpflichtet. Der Kanadier bringt Erfahrung aus der AHL, ECHL und NHL mit. Mit den Chicago Wolves gewann er in der Saison 2021/22 den Calder Cup. In der vergangenen Saison erreichte er mit den Kansas City Mavericks das Finale um den Kelly Cup, nachdem sich das Team zuvor die Bruce Taylor Trophy als Meister der ECHL Western Conference gesichert hatte. Für LaFontaine ist Berlin die erste Station in Europa.
Daneben stehen Jonas Neffin (Eisbären Regensburg) und Lennart Neiße im Kader. Neffin soll nach seinen starken Leistungen in der DEL2 den nächsten Schritt in der DEL machen. Der Torhüter kommt bisher auf fünf DEL-Einsätze für die Iserlohn Roosters. Besonders in Erinnerung dürfte ihm dabei der Abend des 13. Dezember 2019 bleiben. Beim Heimspiel gegen den EHC Red Bull München feierte er direkt bei seinem Debüt einen Shutout. In der Saison 2025/26 wurde Neffin sowohl als Spieler des Jahres, als auch als Torhüter des Jahres in der DEL2 ausgezeichnet.
Die Torhüterposition ist damit interessant, aber auch mit einem Fragezeichen versehen. LaFontaine muss zunächst beweisen, dass er die Lücke von Stettmer schließen kann. Neffin bringt großes Potenzial mit, verfügt aber erst über wenig DEL-Erfahrung. Auch LaFontaine muss sich zunächst an die Liga gewöhnen.
Verteidigung
In der Defensive setzen die Eisbären auf eine Mischung aus Kontinuität und Erfahrung. Kai Wissmann, Jonas Müller, Adam Smith, Mitch Reinke, Eric Mik, Korbinian Geibel und Moritz Kretzschmar bleiben wichtige Bestandteile der Abwehr. Hinzu kommt mit Brandon Davidson (HC Kometa Brno) ein erfahrener Neuzugang.
Kretzschmar fällt mit seinen 20 Jahren zwar nicht in die Kategorie der erfahrenen Verteidiger, zeigte aber in den vergangenen Play-offs, welches Potenzial in ihm steckt. Im ersten Halbfinalspiel gegen die Kölner Haie erzielte er beim 6:3-Sieg seine ersten beiden DEL-Tore und avancierte zu einem der auffälligsten Spieler der Partie.
Davidson gilt als Linksschütze, verfügt über umfangreiche Erfahrung im nordamerikanischen Profi-Eishockey und bestritt unter anderem 180 Spiele in der NHL. Mit einer Körpergröße von 1,88 Metern und einem Gewicht von 95 Kilogramm bringt der Kanadier zudem die nötige Physis mit.
Eine zentrale Rolle dürfte erneut Wissmann übernehmen. Der Nationalspieler ist einer der wichtigsten deutschen Verteidiger im Kader und kann sowohl defensiv als auch im Spielaufbau Akzente setzen. Auch Jonas Müller gehört zu den Führungsspielern, die regelmäßig viel Eiszeit bekommen.
Der Abgang von Les Lancaster (Grizzlys Wolfsburg) und die Vertragsauflösung von Markus Niemeläinen verändern die Zusammensetzung der Defensive. Entscheidend wird sein, wie schnell sich die neuen Formationen finden und die gewünschte Stabilität entwickeln.
Angriff
Auch im Angriff hat sich der Kader verändert. Mehrere Spieler haben die Eisbären verlassen, darunter Jean-Sébastien Dea, Blaine Byron, Lennard Nieleck (Adler Mannheim) und Marcel Noebels (Kölner Haie).
Der emotionalste Abschied war dabei der von Noebels. Nach zwölf Jahren in der Hauptstadt und dem Gewinn seiner fünften deutschen Meisterschaft endete seine Zeit bei den Eisbären.
Weiterhin zum Kader gehören Ty Ronning, Lean Bergmann, Patrick Khodorenko, Manuel Wiederer, Markus Vikingstad, Yannick Veilleux, Andreas Eder, Eric Hördler, Leo Pföderl, Liam Kirk und Frederik Tiffels.
Drei Neuzugänge und ein Rückkehrer stehen im Kader für die neue Spielzeit. Gabriel Fontaine (EHC Red Bull München) kehrt zurück. Er war bereits 2024/25 Teil der Eisbären-Mannschaft und am Gewinn der Meisterschaft 2025 beteiligt.
Dazu kommen die U23-Spieler Noel Saffran (Iserlohn Roosters), Rihards Griva (Madison Capitols) und Tobias Krestan (Jönköping U20). Griva verbuchte zuletzt in der United States Hockey League in 49 Spielen 15 Scorerpunkte.
Krestan spielte zuletzt für die U18 und U20 im Nachwuchsbereich des schwedischen Klubs HV71 in Jönköping. Beim NHL Entry Draft 2026 wurde der deutsche Stürmer von den Los Angeles Kings in der siebten Runde an Position 209 ausgewählt. Griva und Krestan sollen als Talente schrittweise an den Profibereich herangeführt werden.
Für die notwendige Torgefahr sollen auch in dieser Saison Ty Ronning, Liam Kirk und Leo Pföderl sorgen.
Auf dem Papier bleibt der Angriff damit eine der größten Stärken der Eisbären. Der Abgang von Marcel Noebels hinterlässt zwar sportlich und menschlich eine Lücke. Berlin verfügt aber weiterhin über genügend Qualität und Tiefe.
Prognose
Die Eisbären Berlin gehören auch in der Saison 2026/27 zum Kreis der Favoriten auf die vorderen Tabellenplätze. Der Angriff ist mit Spielern gespickt, die eine Partie im Alleingang entscheiden können, und auch in der Defensive verfügt Berlin über eine Mischung aus Erfahrung und Entwicklungspotenzial.
Der Trainerwechsel und die neue Torhüterkonstellation bringen allerdings gewisse Unsicherheiten mit sich. Auch die Abgänge von Stettmer, Hildebrand, Lancaster, Niemeläinen und Noebels müssen kompensiert werden.
Éric Dubois übernimmt eine Mannschaft mit enorm hohen Ansprüchen und einer ausgeprägten Siegermentalität. Gelingt es ihm, seine Vorstellungen schnell zu etablieren und gleichzeitig die vorhandenen Stärken zu bewahren, ist den Eisbären auch in der neuen Saison ein Platz weit oben in der Tabelle zuzutrauen. Ob mit dem vierten Titel in Folge tatsächlich ein historisches Novum gelingt, bleibt abzuwarten.















