DEL Favoriten 26/27: Wer wird Meister und wer steigt ab?

Wer holt sich den Meistertitel in der DEL-Saison 2026/27 und welche Teams müssen um den Klassenerhalt zittern? Die große Favoriten-Analyse.
Drei Meistertitel in Serie, ein 24 Jahre andauernder Titelhunger in Köln, ein Königstransfer aus der NHL in München und ein Aufsteiger, der sich mit einer makellosen Play-off-Bilanz aus der DEL2 hochgekämpft hat: Die Saison 2026/27 hat reichlich Stoff für die entscheidende Frage der DEL. Oben kämpfen gleich vier Teams um den Titel, unten droht einem Neuling schon im ersten Jahr der Fall zurück in die zweite Liga. Dazwischen ringt ein Mittelfeld, das enger zusammenrückt als lange Zeit zuvor.
Die Topfavoriten: Wer kämpft um den Titel?
Vier Teams, eine Frage: Wer beendet die Serie der Eisbären Berlin? Oder verlängern die Hauptstädter ihre Dominanz sogar auf vier Titel in Folge?
Genau diese Ausgangslage ist in Berlin alles andere als sicher. Nach drei Meistertiteln nacheinander hat der Verein seinen Trainer und das bewährte Torhüterduo verloren. Serge Aubin, der Architekt der Titel-Serie, zog weiter zum SC Bern. An seiner Stelle steht mit Éric Dubois erstmals ein Cheftrainer-Neuling an der Bande, der sein Handwerk zuletzt als Assistent in Ingolstadt gelernt hat. Auch im Tor beginnt eine neue Zeitrechnung: Jonas Stettmer, im vergangenen Frühjahr zum MVP der Finalserie gewählt, wechselte ausgerechnet zu Ingolstadt. Jake Hildebrand ging nach Mannheim, direkt zu einem der ärgsten Titelkonkurrenten. Für ihn kommt mit Jack LaFontaine ein Neuzugang aus Nordamerika, der sich in Europa erst noch beweisen muss. Und auch der emotionalste Abschied schmerzt: Marcel Noebels, zwölf Jahre lang Gesicht des Vereins, zieht es zu den Kölner Haien, dem Team, das den Berlinern am meisten weh tun möchte.
Während Berlin also mit Fragezeichen ins Rennen geht, wirken die Adler Mannheim wie der Gegenentwurf: Nach dem Finaleinzug der Vorsaison bleibt praktisch der gesamte Kader zusammen, Trainer und Sportmanager Dallas Eakins baut auf Kontinuität und hat gezielt nachgelegt. Mit Hildebrand holten sich die Mannheimer nicht nur einen dreifachen Meistertorhüter, sondern auch einen Seitenhieb gegen den Rivalen aus Berlin. Dazu kehrt mit Brooks Macek ein Offensivspieler nach sieben Jahren KHL zurück, der schon vor seinem Wechsel als Verstärkung galt. Kaum ein Team tritt so geschlossen und ruhig in die neue Saison wie die Adler.
Ruhe ist auch das Stichwort in Köln, allerdings aus einem anderen Grund: Die Kölner Haie hatten die mit Abstand beste Hauptrunde der Liga, 116 Punkte, Platz eins, und trotzdem ist am Ende nur der Titel selbst die Antwort, die zählt. Seit 2002 wartet Köln auf die nächste Meisterschaft, eine der längsten Durststrecken unter den DEL-Traditionsvereinen. Neuer Cheftrainer Thomas Berglund kommt aus Schweden und übernimmt von Kari Jalonen, der nach Finnland zurückkehrte. Und dann ist da noch Noebels, der ausgerechnet aus Berlin kommt und die letzten drei Titel live miterlebt hat, jetzt aber für die andere Seite antreten will.
Die vierte Kraft im Bunde heißt EHC Red Bull München, für die Bullen ist die Meisterschaft nach dem letzten Titel 2023 erneut das erklärte Ziel. Der größte Transfer-Coup der gesamten Liga trägt hier den Namen Dominik Kahun, der nach acht Jahren in NHL und Schweiz zurückkehrt. Verluste wie die beiden jungen Verteidiger Philipp Sinn und Alberts Smits, die beide direkt in die NHL wechselten, zeigen aber auch: München verliert ebenso Talente an Nordamerika, wie es sie von dort zurückholt. Vier Teams, vier verschiedene Ausgangslagen, eine Frage, die sich erst im Frühjahr beantworten lässt.
Die Play-off-Anwärter im breiten Mittelfeld
Unterhalb der Big Four wird es eng. Gleich sechs Teams sehen realistische Chancen auf die direkte Play-off-Qualifikation oder zumindest die Pre-Playoffs, und die Unterschiede zwischen Platz fünf und Platz elf könnten am Ende hauchdünn ausfallen.
Am meisten zuzutrauen ist dabei dem ERC Ingolstadt, der sich selbst offen die Frage stellt, ob nicht sogar ein Einbruch in die Phalanx der Big Four möglich ist. Trainer Mark French geht bereits in seine fünfte Saison, Kontinuität an der Bande trifft hier auf einen prominenten Neuzugang: Jonas Stettmer, frisch gekürter Finalserien-MVP, wechselte direkt aus Berlin ins Tor der Schanzer.
Die Straubing Tigers und die Nürnberg Ice Tigers verfolgen ein ähnliches Ziel mit ähnlicher Ausgangslage: beide wollen endlich wieder direkt statt über die Pre-Playoffs in die K.-o.-Runde einziehen, beide setzen dabei auf einen neuen Torhüter als Schlüsselposition, Jakub Skarek in Straubing, Luis Janett in Nürnberg. Die Fischtown Pinguins Bremerhaven wollen trotz des Verlusts zweier Offensivkräfte nach Slowenien erneut um die Top 6 mitspielen, während die Schwenninger Wild Wings offen zugeben, dass es für die direkte Qualifikation eng werden dürfte und die Pre-Playoffs das realistischere Ziel sind. Die Augsburger Panther schließlich sehen sich selbst noch nicht tief genug besetzt für die Spitzengruppe und peilen vor allem die Pre-Playoff-Plätze an. Sechs Teams, ein enges Rennen um die verbleibenden Play-off-Tickets.
Zwischen Aufbruch und Abstiegssorgen
Drei Vereine trennt nur eine schmale Linie vom Mittelfeld auf der einen und dem Abstiegskampf auf der anderen Seite.
Die Löwen Frankfurt haben eine dramatische Vorgeschichte: Platz 13, 196 Gegentore, eine Vorsaison zum Vergessen. Tom Pokel, der während der Spielzeit von Tom Rowe übernahm, geht nun erstmals eine komplette Saison als Cheftrainer an, mit einem spürbar verjüngten und verstärkten Kader. Ob es reicht, über die erste Play-off-Runde hinauszukommen, bleibt allerdings selbst für die Frankfurter Vereinsführung fraglich. Einen Platz unter den besten sechs Teams sieht man vorerst außer Reichweite.
Bei den Grizzlys Wolfsburg geht es um nichts weniger als die Rückkehr zur alten Stärke, nach Jahren, in denen der Anschluss an die Spitzengruppe zunehmend verloren ging. Mit nur 156 erzielten Toren war die Offensive zuletzt eine der schwächsten der Liga, seit März 2026 soll Trainer Tyler Haskins das Ruder herumreißen. Realistisch gilt aktuell ein Platz zwischen sechs und neun, mehr als ein vorsichtiger Schritt nach vorn.
Und dann sind da die Iserlohn Roosters, für die es in beide Richtungen gehen kann. Trainer Stefan Nyman bleibt im dritten Jahr an Bord, sein Kader gilt als jung und entwicklungsfähig. Gelingt der erhoffte Sprung, ist die Rückkehr in die Top Ten möglich. Läuft es dagegen nicht, warnt der Verein selbst, kann aus dem Kampf um die Play-offs schnell der Kampf um den Klassenerhalt werden.
Der Abstiegskandidat
Ganz unten steht mit den Krefeld Pinguinen der einzige echte Abstiegskandidat der Liga, wobei "unten" hier vor allem eine Frage der Erwartungshaltung ist. Als Aufsteiger aus der DEL2 müssen sich die Krefelder in einer für sie völlig neuen Liga beweisen, und die Statistik lehrt DEL-Aufsteiger meist das Fürchten. Anders als die Dresdner Eislöwen, die zuletzt prompt wieder abstiegen, bringt Krefeld aber ein Argument mit, das für Selbstvertrauen sorgen dürfte: den DEL2-Titel, geholt mit zwölf Siegen in zwölf Play-off-Spielen, ohne eine einzige Niederlage. Cheftrainer Thomas Popiesch, der den Verein bereits seit Sommer 2024 führt und genau diesen Aufstieg eingetütet hat, bleibt an Bord. Verstärkt wurde der Kader unter anderem mit dem ehemaligen NHL-Spieler Tanner Kero und DEL2-Topscorer Max Newton. Ob die perfekte Bilanz aus der zweiten Liga auch nur ansatzweise in der DEL zu wiederholen ist, wird sich schon in den ersten Wochen zeigen.
Was sagen die Buchmacher?
Auch die deutschen Wettanbieter sehen in den Eisbären Berlin trotz des Umbruchs weiterhin den klaren Favoriten auf die Meisterschaft. Bei bet-at-home führt der Titelverteidiger die Meister-Quoten mit 3,20 deutlich an, vor dem EHC Red Bull München (4,50). Bemerkenswert ist Rang drei: Dort folgt nicht Köln oder Mannheim, sondern der ERC Ingolstadt mit einer Quote von 6,00, noch vor den Kölner Haien (7,00) und den Adler Mannheim (7,50). Die Buchmacher trauen den Schanzern den selbst ins Spiel gebrachten Sprung in den Kreis der Topfavoriten also tatsächlich zu.
Danach folgt ein deutlicher Schnitt: Ab Rang sechs, angeführt von den Fischtown Pinguins Bremerhaven (17,00), gilt kein Team mehr als ernsthafter Titelkandidat. Auffällig am unteren Ende: Die Krefeld Pinguine notieren trotz ihres Status als Abstiegskandidat mit 80,00 sogar vor den Iserlohn Roosters und Löwen Frankfurt (beide 100,00), den beiden Teams mit der geringsten Meister-Chance laut Markt.
Team | Quote |
|---|---|
Eisbären Berlin | 3,20 |
Red Bull München | 4,50 |
ERC Ingolstadt | 6,00 |
Kölner Haie | 7,00 |
Adler Mannheim | 7,50 |
Fischtown Pinguins | 17,00 |
Straubing Tigers | 20,00 |
Grizzlys Wolfsburg | 33,00 |
Schwenninger Wild Wings | 40,00 |
Nürnberg Ice Tigers | 50,00 |
Augsburger Panther | 65,00 |
Krefeld Pinguine | 80,00 |
Iserlohn Roosters | 100,00 |
Löwen Frankfurt | 100,00 |
Fazit
Vier Teams mit vier verschiedenen Geschichten kämpfen um den Titel, angeführt vom Titelverteidiger, der trotz Umbruchs weiter der zu schlagende Gegner bleibt. Dahinter drängen gleich sechs Vereine so eng zusammen, dass die Play-off-Plätze bis zum letzten Spieltag offen bleiben dürften.
Und ganz unten steht mit Krefeld ein Aufsteiger, der beweisen muss, dass der perfekte DEL2-Frühling auch in der höchsten deutschen Spielklasse etwas wert ist. Wer am Ende Meister wird und wer absteigt, das dürfte die DEL-Saison 2026/27 zu einer der spannendsten seit Langem machen.














