Bitte mit Anstand durch die Corona-Krise – und vor allem miteinanderKommentar zum Fall Timo Pielmeier

Timo Pielmeier musste das Team des ERC Ingolstadt verlassen. (Foto: dpa/picture alliance/Fotostand)Timo Pielmeier musste das Team des ERC Ingolstadt verlassen. (Foto: dpa/picture alliance/Fotostand)
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Die Klubs der Deutschen Eishockey-Liga müssen sich Gedanken darüber machen, wie sie mit dem Ausfall der Play-offs der vergangenen Saison umgehen – und mit dem verspäteten Saisonstart der Spielzeit 2020/21, für die noch lange nicht klar ist, ob sie in vollen Stadien gespielt werden kann. Es ist den Machern der Klubs sicher nicht vorzuwerfen, dass sie bei aller Saison- und Zukunftsplanung nicht mit einer Pandemie gerechnet und sich darauf vorbereitet haben. Das hat niemand von uns.

Eine Konsequenz, die die DEL gezogen hat, ist der eingeforderte Gehaltsverzicht der Spieler, die auf 25 Prozent ihrer zugesicherten Bezüge verzichten sollen. Dieser Teil des Gesamtgehalts soll in einen variablen Gehaltbestandteil umgewandelt werden – je nachdem wie sich die wirtschaftliche Lage des betreffenden Klubs entwickelt. Das klingt legitim und ist es in weiten Teil wohl auch. Nun hat es nach dem Ex-Berliner Austin Ortega, der sich inzwischen TPS Turku in Finnland angeschlossen hat, einen weiteren Spieler erwischt, der dem Verzicht nicht zustimmen wollte und dafür aus dem Kader geflogen ist. Und gerade der Umgang mit Timo Pielmeier, Meistertorhüter des ERC Ingolstadt aus dem Jahr 2014 und Nationalspieler, macht fassungslos. Denn der ERC setzte seinen Goalie nicht nur vor die Tür. In der Erklärung dazu hieß es: „Alle übrigen Spieler haben die Tragweite dieser Maßnahme verstanden und sich solidarisch mit dem Club gezeigt. Lediglich unser dienstältester Spieler steht in dieser existenzbedrohenden Krise nicht Schulter an Schulter mit seinem Arbeitgeber und seinen Kameraden. Wir sind darüber sehr enttäuscht und sehen auf dieser Basis keine Möglichkeit, ihn als Teil unseres Teams wieder aufs Eis zu schicken.“

Und das ist gelinde gesagt eine Frechheit. Und das aus mehreren Gründen.

Zum einen ist Timo Pielmeier wie oben bereits erwähnt nicht „irgendwer“ – wobei die oben zitierte Passage auch beim jüngsten Viertreihenspieler ein „No Go“ wäre. Diese Sätze lassen jeden Respekt für die Situation des Spielers vermissen. Wie wäre es denn gewesen, lieber ERC, wenn man gesagt hätte: „Wir haben uns leider nicht einigen können. Das macht uns traurig, aber wir wünschen Timo alles Gute für die Zukunft.“

Kein DEL-Profi verdient in seiner Karriere so viel, dass er danach die Füße hochlegen könnte. Dass nicht jeder sofort Hurra schreit, wenn es ans Geld geht, dürfte da klar sein. Zudem gestalten sich Verträge bei den 14 Klubs durchaus unterschiedlich. Es gibt Jahresverträge – es gibt aber auch Verträge nur über eine gewisse Anzahl von Monaten, die dafür aber beispielsweise eine Spielerwohnung enthalten. Andere Spieler wiederum müssen selbst für ihre Wohnung aufkommen. Alle dieser Spieler mit dem 25-Prozent-Verzicht über einen Kamm zu scheren, ist zumindest wenig durchdacht. Der Versuch, den Verzicht in der DEL-Lizenzierung zu verankern, könnte unter Umständen rechtlich schwer zu halten sein. Die Klubs haben es dennoch umgesetzt – weil es eben auch eine Frage ihres Überlebens ist.

Und das ist der Punkt: Die Spieler brauchen eine funktionierende Liga, die Liga und damit die Klubs brauchen aber auch die Spieler. Wie aus Spielerkreisen zu hören ist, gab es Klubs, die ihre Spieler ins Boot geholt haben, die Situation erklärt, an Zahlen belegt haben. Und diese Transparenz fördert freilich die Einsicht und die Zustimmung zu einem Verzicht. So etwas ist ein vorbildlicher Umgang miteinander. Kommt dieser Vorgang – freilich ohne die Zahlen, aber in seinem Umgangston – an die Öffentlichkeit, fördert dies das Ansehen des Klubs, der Liga und der gesamten Sportart.

Der Ton in der Erklärung zum Fall Pielmeier ist für das Gegenteil geeignet.

Das lässt freilich den Gedanken zu, ob sich die DEL nicht noch weiter professionalisieren sollte. Der Aufsichtsrat der Liga besteht aus Klubvertretern. Dass sich eine Institution, egal ob im Sport oder anderswo, selbst beaufsichtigt, kann mindestens zu Irritationen führen. Vielleicht wäre es an der Zeit, sich darüber Gedanken zu machen, ob sich nicht Personen finden lassen, die gewillt sind, der Liga auf solchen Positionen zu „dienen“, um die Glaubwürdigkeit zu erhöhen.

Nochmal: Die Pandemie betrifft uns alle. In allen Bereichen. Durch diese Krise kommt man nur gemeinsam, aber sicher nicht gegeneinander.