0,041 Tore zum Olympia-Bronze Deutschlands40 Jahre nach Innsbruck 76

Moment für die Ewigkeit: Kapitän Alois Schloder (links) und Lorenz Funk nehmen die Bronzemedaille entgegen.Moment für die Ewigkeit: Kapitän Alois Schloder (links) und Lorenz Funk nehmen die Bronzemedaille entgegen.
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Die sympathischen Underdogs von damals erzählen in der Dokumentation "0,0041 - das Eishockey-Wunder von Innsbruck", die heute um 17.00 Uhr im Bayerischen Fernsehen ausgestrahlt wird, wie der Triumph die Männer verändert hat.

Der vor einem Jahr verstorbene Eishockey-Journalist Horst Eckert erinnerte sich im Jahr 2010 im Gespräch mit dem Hockeyweb-Redakteur Oliver Koch an dieses „Wunder“.

Zweite Olympia-Medaille seit 1932 gewonnen

Eigentlich fing das Projekt Olympia 1976 in Innsbruck gar nicht gut an. Nach der durchwachsenen Vorbereitung reiste die DEB-Auswahl international eingestuft als „Kanonenfutter“ nach Österreich.

Dann erlebten sie im Olympischen Dorf schon die erste Pleite. Die DEB-Offiziellen hatten nur 18 statt 23 Spieler gemeldet.

Normal ist, dass die erlaubten 23 gemeldet werden, und streicht dann kurz vor der Nomimnierungsfrist fünf heraus. Der damalige Bundestrainer Xaver Unsinn wollte kurzfristig noch Verteidiger Horst Peter Kretschmer statt einen Stürmer melden. Das ging nicht, weil die Funktionäre, so ist es überliefert, statt der Mannschaft wohl nur ihre eigenen Interessen im Kopf hatten. „Wo gibt es etwas geschenkt, kann ich bei der Eröffnungsveranstaltung vorne mitmarschieren und wo bin ich untergebracht?“ Xaver Unsinn soll stinksauer gewesen sein.

Dann der erste Lichtblick. Um in die Medaillenrunde zu kommen, ging es erst einmal in die Qualifikation. Ein 5:1 gegen die Schweiz brachten Außenseiter Deutschland unter die sechs besten Teams. Kanada, Schweden und die DDR hatten gar nicht gemeldet. Trotzdem war es ein heißes Turnier.

Die Unsinn-Boys hielten sich gegen alle Erwartungen prächtig. „Nur“ 3:7 gegen die Sowjetunion, ein beachtliches 4:7 gegen die favorisierten Tschechen. Dem 3:5 gegen Finnland folgten noch zwei Siege. 7:4 gegen die Polen und dann 4:1 gegen die USA. Ernst „Gori“ Köpf Senior schoss das 4:1.

Wieder war die Mannschaft von den Offiziellen her nicht gut vorbereitet. Keiner wusste, wie viele Tore sie brauchten, umeine Medaille zu gewinnen. Die Spieler forderten Unsinn auf, den Keeper herauszunehmen - doch der Xaver blieb ruhig. „Ich hatte im Bauch so ein Gefühl dass ich das nicht machen soll“, erinnert er sich im Nachhinein. Nach dem 4:1 waren fast alle überzeugt, dass es nicht reicht.

Grabesstimmung in der Kabine

Es wurde gerechnet und gerechnet, aber niemand wusste den Schlüssel dieser Rechnung. BILD-Reporter Bob Neuber kam als erster Gratulant in die Kabine. Keiner glaubte ihm. Dann kam Miroslav Subrt, Schiedsrichter und später IIHF-Vizepräsident. „Gratuliere, ihr habt Bronze“, brüllte der Tscheche in die Kabine. „Mensch war das ein Jubel“, erinnerte sich Erich Kühnhackl. „Wir standen mit den Russen, die natürlich Gold bekamen und den Tschechen, die Silber bekamen auf dem Treppchen.“

Seht hier die komplette Dokumentation des Bayrischen Rundfunk (Link)

Und so sah die „Bronze-Rechnung" aus:

Deutschland, Finnland und USA hatten je vier Punkte. Nun zählten die Spiele untereinander.

Deutschland gegen Finnland 3:5 und gegen USA 4:1 = 7:6 Tore. 7 geteilt durch 6 ist 1.166.

Finnland gegen Deutschland 5:3 und gegen USA 4:5 = 9:8. 9 geteilt durch 8 = 1.125

USA gegen Deutschland 1:4 und gegen Finnland 5:4 = 6:8 (negatives Verhältnis).

Also lautete die Rechnung: Deutschland 1.166, Finnland 1.125. Deutschland war genau 0.041 Tore besser!


Endstand:

1. UdSSR
2. CSSR
3. BR Deutschland
4. Finnland
5. USA
6.Polen


Das deutsche Team:

T Weishaupt, Erich (Berliner SC)

T Kehle, Anton (EV Füssen)


V Berndaner, Ignaz (SC Riessersee)

V Auhuber, Klaus (EV Landshut)

V Kießling, Udo (EV Rosenheim)

V Thanner Rudolf (EV Füssen)

V Völk, Josef (EV Füssen)

V Metz, Stefan (Berliner SC)


S Kühnhackl, Erich (EV Landshut)

S Köpf sen., Ernst (Berliner SC)

S Funk sen., Lorenz (Berliner SC)

S Hinterstocker, Martin (EV Rosenheim)

S Schloder, Alois (EV Landshut)

S Philipp, Rainer (Bad Nauheim)

S Köberle, Walter (Düsseldorf)

S Boos, Wolfgang (Düsseldorf)

S Reindl, Franz (SC Riessersee)

S Vozar,Ferenc (Berliner SC)