Die Zahl der oberliga-reifen Standorte ist begrenztKommentar zum Aus des EHV Schönheide

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Denn der Eishockey-Standort Schönheide wollte in diesem Jahr sein 80-jähriges Bestehen feiern. Doch aus der Party wird nun eine Trauerfeier: Der EHV Schönheide hat einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens gestellt und scheidet aus dem Spielbetrieb der Oberliga Süd aus.

Schon als die Wölfe vor einem Jahr in die Süd-Staffel wechselten statt in der neu geschaffenen Oberliga Nord anzutreten, staunten viele nicht schlecht. Die Idee war freilich reizvoll. Im Süden wurde Schönheide gebraucht, die Wölfe hatten die Chance, auf Vereine zu treffen, gegen die sie noch nie gespielt hatten. Und die Fahrten in der Nord-Staffel sind auch weit. Also rein ins Abenteuer. Aus dem Abenteuer wurde nun ein Desaster. Schon in der vergangenen Saison waren die Wölfe chancenlos. Und auch in diesem Jahr war es nicht anders. Nur ein Sieg in regulärer Spielzeit, ein weiterer in der Verlängerung – und ansonsten nur Niederlagen. Sportlich war die Oberliga Süd eine Nummer zu groß für den EHV Schönheide. Und finanziell ganz offenbar auch.

Es gibt ein Gegenbeispiel für den EHV Schönheide – und das heißt Tornado Niesky. Der kleine Verein aus der Nähe von Weißwasser erklärte früh, dass er nach der – nebenbei bemerkt völlig richtigen und notwendigen Oberliga-Reform, die die Oberliga Nord hervorbrachte – nicht mehr in der dritthöchsten deutschen Eishockeyliga würde spielen können. Niesky zog sich in die Regionalliga Ost zurück. Es war eine Entscheidung der Vernunft. Finanziell hätte Tornado die Oberliga nicht mehr stemmen können. Zudem hatte Niesky noch das Freiluftstadion, das nun in eine Halle umgebaut wird. Vielleicht nicht schön für die Nostalgie, umso wichtiger aber für den Verein.

Dieses Beispiel zeigt: Es gibt Standorte, die sich die Oberliga nicht – oder noch nicht oder derzeit nicht – leisten können. Die Oberliga ist keine reine Amateurliga. Sie ist aber auch keine reine Profiliga. Sie ist die notwendige Liga dazwischen. Selbst die Ratinger Ice Aliens haben im vergangenen Jahr auf einen Aufstieg verzichtet. Eine Frage der Vernunft. Eine Frage, die in Ratingen, wenn die Aufbauarbeit dort weiter betrieben wird, bald auch anders beantwortet werden könnte.

Was bedeutet das für die Oberliga? Welche Vereine kommen für die 3. Liga in Frage – gerade im Süden, wo die Staffel kleiner ist als die Nord-Gruppe. Vielleicht lohnt der Blick in den Norden. Es gibt regelmäßig Leute, die immer wieder behaupten, die Tilburg Trappers, der Oberliga-Meister aus den Niederlanden, hätte nichts in der Oberliga verloren. Es sei ja eine deutsche Liga. Dabei ist der Eishockeysport bekannt für seine internationalen Ligen. Auch hier in Europa. Das vermeintliche Argument: man würde ja den deutschen Nachwuchs nicht fördern. Doch das Süd-Beispiel Schönheide zeigt einmal mehr, dass es gar nicht so viele Vereine gibt, die für die Oberliga in Frage kommen. Im Norden wollte im vergangenen Jahr exakt niemand (!) aus den Regionalligen West, Nord oder Ost in die Oberliga Nord aufsteigen. Ohne Tilburg wäre die Liga einfach nur um eine Mannschaft kleiner. Eine Mannschaft allerdings, die sportlich stark ist, die den deutschen Nachwuchs in den anderen Teams fordert und nicht irgendein harmloser Gegner ist, der in der Liga überfordert ist. Eine Mannschaft, die am Sonntag von sieben Fanbussen (!) nach Duisburg begleitet werden wird. Dieser Verein hilft also der deutschen Oberliga-Struktur ungemein.

Was das mit der Oberliga Süd zu tun hat? Vor der Saison stand kurz der Einstieg des EC Red Bull Salzburg II im Raum. Sicherlich hätte dieses Ausbildungsteam nicht einmal ansatzweise so viele Fans wie Tilburg, hätte aber den Vorteil, dass man den deutschen Nachwuchs fördert – weil in den letzten Jahren – und auch aktuell – immer mehr deutsche Spieler die Ausbildungsmöglichkeiten in Salzburg nutzen. Die Salzburger spielen derzeit in der neuen, ebenfalls internationalen Alps Hockey League. Aber wer weiß, vielleicht könnten sie sich ja doch für die Oberliga Süd erwärmen.

Fakt ist, dass man für die Oberliga kreative Lösungen braucht. Ein Team aus den Niederlanden im Norden könnte ein Vorbild für eine Mannschaft aus Österreich im Süden sein, wenn es keine deutschen Vereine gibt, die sich in der Lage sehen, die 3. Liga finanziell zu stemmen.

So könnte die Struktur der Liga gestärkt werden. Und das hilft am Ende den deutschen Oberligisten und den bei ihnen spielenden Nachwuchskräften. Schön wäre es freilich, wenn es genügend oberliga-reife Vereine in Deutschland gäbe. Aber das Eishockey-Leben ist nun einmal kein Wunschkonzert.


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