Ottawa Senators beenden die NHL Global Series mit zwei SiegenEin Reisebericht zu den Spielen in Stockholm

Zum ersten Mal seit 2011 fanden am zurückliegenden Wochenende wieder offizilelle NHL-Meisterschaftsspiele in Europa statt. (Foto: Andreas Hetzler)Zum ersten Mal seit 2011 fanden am zurückliegenden Wochenende wieder offizilelle NHL-Meisterschaftsspiele in Europa statt. (Foto: Andreas Hetzler)
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Unter dem Motto: „Wir sind alle Eishockey-Fans“ trat die Gruppe, die sich sonst nur in Nordamerika zum Eishockeyschauen trifft, den kurzen Fußmarsch zum ersten von zwei NHL-Spielen an, die an diesem Wochenende auf europäischem Boden stattfanden.

Den Colorado Avalanche und den Ottawa Senators war es vorbehalten, die ersten regulären NHL-Saisonspiele seit 2011 in Europa auszutragen. Die Teams und der Spielort dieser als „NHL Global Series“ bezeichneten Veranstaltung war nicht zufällig gewählt. Beide Kapitäne, Gabriel Landeskog auf Seiten der Avalanche und Erik Karlsson von den Senators, sind im Raum Stockholm geboren.

Alexander Kerfoots Probleme mit dem Handy und einem Sandwich

Bereits am Freitagmorgen wurde bekannt, dass der 19-jährige Avalanche-Rookie Alexander Kerfoot die Nacht in einem schwedischen Krankenhaus verbringen musste. „Ich war abends alleine unterwegs und wollte mein defektes Handy zur Reparatur bringen“, berichtete er. „In der Zwischenzeit aß ich ein Sandwich und schon kurz darauf bekam ich eine allergische Reaktion darauf. Ich wurde ins Krankenhaus eingeliefert und behandelt. Ich konnte mich weder mit den Schwestern, die nur Schwedisch sprachen, verständigen, noch einen Teamoffiziellen anrufen. Mein Telefon war immer noch bei der Reparatur. Als ich dann das Hotel erreichte, halfen sie mir, zurück dorthin zu kommen. Mittlerweile habe ich auch ein neues Handy.“

Am Abend schoss Kerfoot, dessen Einsatz kurz vor Spielbeginn noch fraglich war, das zwischenzeitliche 2:2. Er konnte allerdings die 3:4-Niederlage der Avs nicht verhindern. Offiziell eröffnete Avalanche-Legende Peter Forsberg die „NHL Global Series“, indem er den Puck einwarf. Neil Yapukov brachte Colorado in Führung, doch schon 20 Sekunden später erzielte Fredrik Claesson auf Zuspiel von Erik Karlsson den umjubelten Ausgleich. Während der ebenfalls erst 19 Jahre alte und aus Nashville verpflichtete Verteidiger Samuel Girard seinen Einstand beim Stanley-Cup-Sieger von 1996 und 2001 mit einer Vorlage belohnte, blieb Matt Duchene bei seinem Debüt für die Senators glanzlos. Er lief nach seinem Wechsel von Colorado nach Ottawa mit der ungewohnten Trikotnummer 95 auf. Allgemein merkte man beiden Teams an, dass sie eine längere Spielpause hatten und nicht richtig in ihr System fanden. Der Funke sollte in diesem Spiel noch nicht recht auf die Ränge überspringen. Einzig die beiden Maskottchen „Bernie“ und „Spartacat“ sorgten für amüsante Momente. Die meisten schwedischen Spieler auf Seiten der „Avs“ waren verletzt (Patrick Nemeth und Anton Lindholm) oder abwesend (Carl Soderberg wartet in Denver auf die Geburt seiner Tochter). So blieb einzig Gabriel Landeskog als „Hometown-Hero“. Landeskog kaufte über 90 Tickets, um Freunde und Verwandte in die Halle einladen zu können. Als Dank kochte ihm seine Mutter im heimischen Hause ein deftiges Abendessen.

Drei Schweden bei den Senators

Ottawa bot derweil mit Erik Karlsson, Johnny Oduya und Fredrik Claesson gleich drei schwedische Helden auf. Jede Aktion und jeder Scorerpunkt wurde frenetisch bejubelt, ansonsten reagierte das Publikum eher verhalten. Mark Stone traf nach 59 Sekunden in der Verlängerung und sicherte den „Sens“ so einen „Auswärtssieg“.

Während am Samstagvormittag die beiden Teams schon wieder in der Arena trainierten, nutzten viele Fans aus aller Welt die Gelegenheit, Stockholm zu erkunden. Ob im Abba- oder Vasa-Museum, am Königlichen Schloss, in der „Tunnelbana“ oder auf einer der zahlreichen Brücken, überall sah man diverse NHL-Logos auf Mützen, Pullovern oder Trikots.

Vier Punkte für Ottawa

Am Abend waren die Gegebenheiten vertauscht. Die Ottawa Senators waren der Gastgeber und luden die Avalanche zu einem Tanz ein. Daniel Alfredsson, seinerseits Legende der Ottawa Senators, wurde die Ehre zu teil, das traditionellen Eröffnungsbully unter den Augen von Nicklas Lidström, Mats Sundin und Gary Bettman einzuwerfen.

Das Spiel war im Vergleich zum ersten Aufeinandertreffen am Vortag schneller, energischer, aber auch kurioser. Blake Comeau nutzte einen Konter bei eigener Unterzahl zur 1:0-Führung durch die Beine von Mike Condon, der an diesem Abend das Startrecht vor Craig Anderson erhielt. Im zweiten Abschnitt waren gerade zwölf Sekunden gespielt, als Mike Hoffman den Puck tief ins Avalanche-Drittel spielen wollte. Der Puck landete genau auf der Kante und sprang aus kuriosem Winkel durch die Schoner von Avalanche-Backup Jonathan Bernier. Die abermalige Führung durch Alexander Kerfoot glich Mark Stone aus. Senators-Verteidiger Dion Phaneuf lenkte einen Schuss des Schweizers Sven Andrighetto unhaltbar für Mike Condon ins eigene Gehäuse ab. Für Condon war im Anschluss der Arbeitstag beendet, Craig Anderson spielte die restlichen 29 Minuten und lies keinen Puck mehr passieren. Johnny Oduya und abermals Mike Hoffmann sorgten für die weiteren Tore zum 4:3-Sieg der Senators, die damit als Sieger die „NHL Global Series“ beenden und mit vier Punkten im Gepäck den Heimflug nach Kanada antraten.

Die Fans des an beiden Abenden mit über 13.000 Zuschauern ausverkauften Ericsson Globen verhielten sich beim zweiten Spiel euphorischer, stimmten mehrmals eine Laola-Welle an und jubelten den siegreichen Senators noch lange nach Spielende zu.

CHL-Tagung und Fotos mit den Fans

Die deutschen Fans, die bereits in der Vergangenheit mehrmals die Reise zu NHL-Spielen nach Nordamerika antraten, trafen sich nach dem Abschluss der Spiele wieder in der Lobby des Hotels. DEL-Geschäftsführer Gernot Tripke, DEG-Manager Niki Mondt, ERC-Ingolstadt-Beiratsvorsitzender Jürgen Arnold sowie weitere Manager und Vertreter aus Litvinov, Frölunda, Coventry Blaze und anderen Teams trafen sich zu einer Tagung der Champions Hockey League und machten bereitwillig Fotos mit den anwesenden deutschen Fans.

„Wir sind alle Eishockey-Fans“, hallte es nochmal zu später Stunde, ehe sich die Gruppe trennte und jeder seinen eigenen Weg ging. Am nächsten Morgen stand die Heimreise an. Jeder für sich. Bis zum nächsten Mal. Irgendwo. Irgendwo in Europa, wo das nächste Mal die NHL gastiert. Oder doch wieder in einem kleinen Dorf in Moab, Jeffersonville oder Paige.

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