Neuer Torwart, alte Probleme: Die Oilers weiterhin auf der Suche

Auch der Torhüter-Tausch mit den Pittsburgh Penguins scheint die Oilers nach zwei verlorenen Finalserien nicht näher an den Cup zu bringen. Kommt das überraschend?
Vier Tore haben die Edmonton Oilers in ihrem letzten Spiel vor Olympia in der prestigeträchtigen "Battle of Alberta" bei den Calgary Flames kassiert. In dieser Spielzeit sind es bereits 195 - viertschlechtester Wert der Liga, und nur die Anaheim Ducks haben von den 16 Mannschaften, die aktuell auf einem Playoff-Rang stehen, mehr Gegentore zugelassen. Natürlich liegen die Stärken der Oilers unter "McDrai" in der Offensive, aber "Offence wins games, defence wins championships" - zuletzt auch gut an Doppel-Meister Florida Panthers zu sehen.
Deren Defensive wurde bei ihren zwei Cup-Triumphen angeführt von Torhüter Sergej Bobrovsky, vor allem in den letzten Jahren vermutlich der Beste seiner Zunft. Dem hatten die Oilers in den beiden verlorenen Finalserien Calvin Pickard und vor allem Stuart Skinner entgegenzusetzen, "Local Hero" aus Edmonton und oft mit einem langgezogenen "Stuuuuu" von den Rängen gefeiert. Dem direkten Vergleich mit dem Ausnahmekönner "Bob" konnten die beiden aber nicht standhalten.
Und dann kam Mitte Dezember die Meldung, dass die Oilers eben jenen Skinner, Verteidiger Brett Kulak und einen Draft-Pick an die Pittsburgh Penguins im Tausch für Tristan Jarry abgeben. Zwar waren Jarry und die Pens stark in die Saison gestartet, aber: "In den vergangenen Jahren war Jarrys Karriere allerdings von Verletzungsproblemen und auch einer gewissen Inkonstanz gekennzeichnet", schrieb der kicker über diesen Transfer. Rückblende: 2016 und 2017 hatten die Pens den Stanley Cup gewonnen - und warten seither darauf, eine Playoff-Serie zu gewinnen. Oder überhaupt in die Playoffs zu kommen. Ab der Saison 2017/18 übernahm Jarry einen der beiden Plätze im Tor der Penguins.
Nun sollte er es also im Kasten der Oilers richten. Eine Verletzungspause hatte er in seinen knapp zwei Monaten in Alberta schon und spätestens seit einigen Tagen ist die Diskussion um die "T-Frage" nicht unter den Oilers-Fans wieder neu entfacht. In der Sportsnet-Zusammenfassung des Derbys gegen die Calgary Flames haben die Kommentatoren bei jedem der vier Gegentreffer darüber diskutiert, ob der Schuss haltbar war. Und zumindest bei zwei Toren waren sie sich einig, dass Jarry eher unglücklich aussah - gegen die Flames, mit 142 erzielten Toren ligaweites Schlusslicht in dieser Disziplin.
Zugegeben: Es geht bei den fast 200 Gegentoren der Oilers nicht nur um das Torwartspiel, das Abwehrverhalten fängt beim Forecheck am oder hinter dem gegnerischen Tor an und zieht sich über alle Zonen des Spielfelds. Und es gibt auch viele weitere Probleme: Der Neun-Millionen-Dollar-Vertrag für den lediglich soliden Darnell Nurse, der üppige Kontrakt für Evan Bouchard, der zwar spektakulär nach vorne spielt, der aber gerne mal ein paar Ungenauigkeiten in der Defensive einstreut - so auch gegen die Flames, als ihm eine hüpfende Scheibe durchrutschte und die Flames zu einem Konter kamen, den Jarry allerdings stark parierte. Diese Verträge und letztlich auch die der beiden Top-Verdiener McDavid und Draisaitl schränken die Handlungsfreiheit der Verantwortlichen in Edmonton in Sachen Torwartverpflichtung ein.
Umso mehr verwundert es, dass man den vergleichsweise günstigen Skinner für Jarry hergab, der rund doppelt so viel wie "Stu" verdient - weswegen man den stabilen Defesinsivverteidiger Brett Kulak mit gemeinsam mit Skinner ebenfalls nach Pittsburgh schickte. Dafür kam Spencer Stastney aus Nashville, der zwar eine "Low Budget"-Lösung ist, aber bislang noch auf seinen Durchbruch in der NHL wartet.
Die aktuelle Lage der Oilers - "Wir verteidigen einfach nicht gut genug", sagte ein sichtlich frustrierter Draisaitl in Calgary - und die nicht enden wollende Torhüterdiskussion zeigen, dass was immer sich die Verantwortlichen sich bei dem Skinner-Trade gedacht oder erhofft haben, nicht eingetreten ist. Natürlich ist man hinterher immer schlauer, aber so richtig überraschen kann die derzeitige Entwicklung im "Oil Country" nicht.
Aber vielleicht kommt es ja mit einem Neustart nach der Olympiapause alles ganz anders: Jarry stabilisiert sich, Stastney steigert sich zu einer echten Breakout-Saison, die Oilers-Defensive mutiert zu einem Bollwerk - und am Ende steht der erste Cup-Triumph eines kanadischen NHL-Teams seit 33 Jahren. Und dann haben wir es natürlich immer schon gewusst.













