Marco Sturm blickt optimistisch auf die anstehenden NHL-Playoffs

In der Nacht auf Montag starten die Boston Bruins gegen die Buffalo Sabries in die Playoffs. In der Regular Season stehen am Ende glatte 100 Punkte auf dem Bruins-Konto, was zum ersten Platz im Wild Card Rennen der Eastern Conference geführt hat. Marco Sturm sprach ausführlich über den überraschend starken Verlauf der regulären Saison, die anstehende Playoff-Serie gegen die Buffalo Sabres und seine persönliche Entwicklung als Headcoach.
Überraschender Playoff-Einzug statt Rebuild
Eigentlich befanden sich die Boston Bruins in einer Phase des Umbruchs (Rebuild). Dass das Team die reguläre Saison nun mit 100 Punkten auf einem Playoff-Platz abschließt, kommt selbst für den Cheftrainer überraschend. Sturm zeigte sich enorm stolz und glücklich. Die Hoffnung, um die Playoffs mitzuspielen, sei zwar da gewesen, aber 100 Punkte hätten seine eigenen Erwartungen übertroffen. Er lobte dabei vor allem die harte Arbeit seiner Mannschaft über die gesamte Saison hinweg.
Rückkehr der „Bruins-Kultur“
Ein wichtiges Ziel Sturms war es, die traditionelle, physisch harte Spielweise der Bruins zurück in die Kabine zu bringen. Dabei half ihm seine eigene Vergangenheit als Spieler in Boston enorm, da er die Erwartungen der Organisation und der Fans genau kannte. Große Teambuilding-Maßnahmen gab es aufgrund des extrem straffen Terminplans (u.a. 6 Spiele in den ersten 11 Tagen) kaum – lediglich ein Pokerturnier in Las Vegas. Sturm setzte stattdessen auf direkte, klare Ansprachen. Unterstützt wurde er von Führungsspielern wie Charlie McAvoy und David Pastrnak, die die Kultur noch kennen, sowie gezielten Neuverpflichtungen wie Tanner Jeannot für mehr Härte.
Die anstehende Playoff-Serie gegen die Buffalo Sabres
In der ersten Playoff-Runde treffen die Bruins auf die Buffalo Sabres. „Buffalo ist schneller wie wir, sie sind technisch besser wie wir, aber wir sind einfach robuster, stabiler und haben mehr Erfahrung“ lobt Sturm den Gegner, dem er die Favoritenrolle zuweist. Dennoch rechnet er sich gute Chancen für sein Team aus.
Taktisch wird es für Boston entscheidend sein, sich nicht auf das schnelle Spiel der Sabres einzulassen. Stattdessen liegt der Fokus voll auf Disziplin, struktureller Stabilität und jener physischen Härte, die Boston insgesamt robuster macht. Ein klares Faustpfand sieht der Cheftrainer dabei auf der Torhüterposition: Mit Jeremy Swayman verfügen die Bruins über den deutlich erfahreneren Rückhalt, der in einer engen Playoff-Serie den Ausschlag geben soll. Um zudem nichts dem Zufall zu überlassen, investiert Sturm aktuell extrem viel Zeit in die Vorbereitung auf dieses Duell. Im Gegensatz zum schnellen Rhythmus der regulären Saison stapeln sich nun Papiere, Analytics und Videostudien zu diesem einen Gegner, sodass er Buffalo mittlerweile in- und auswendig kennt.
Kader-Fokus: Pastrnak, Reichel und Hagens
Was das eigene Personal betrifft, ruhen große Hoffnungen auf Starstürmer David Pastrnak. Für Sturm gehört „Pasta“ eindeutig zu den besten zehn Spielern der Liga und ist genau der Mann, der in den Playoffs den entscheidenden Unterschied machen muss und wird. Eine interessante Rolle nimmt zudem Lukas Reichel ein. Der Deutsche wurde gezielt als Verstärkung für die Kadertiefe geholt, um das Team mit seiner Schnelligkeit und Übersicht zu bereichern. Nach einer regulären Saison mit Höhen und Tiefen kommt es für Reichel nun in der extremen Drucksituation der Playoffs vor allem darauf an, die fehleranfälligen Kleinigkeiten richtig zu machen – ein essenzieller Reifeprozess für seine weitere Entwicklung. Komplettiert wird der Blick auf den Kader durch das hoch gehandelte Top-Talent James Hagens. Der Draft-Pick spielt aktuell in der dritten Reihe und verdiente sich ein ausdrückliches Sonderlob des Trainers für seine furchtlose, extrem konstante und nahezu fehlerfreie Spielweise.
Der Traineralltag und persönliche Auszeichnungen
Der Alltag als Headcoach in der NHL ist kräftezehrend. Sein Arbeitstag beginnt oft schon um 6:00 oder 6:30 Uhr und endet am späten Nachmittag. Hinzu kommen die vielen Reisen und die hohen medialen Erwartungen in Boston (drei bis vier Interviews am Spieltag), an die er sich erst gewöhnen musste. Auf eine mögliche Nominierung für die „Jack Adams Trophy“ (Trainer des Jahres) gibt Sturm nichts: „Mich interessiert das, muss ich sagen, eigentlich gar nicht. Für mich ist entscheidend, dass ich persönlich weiß und vor allem meine Spieler hier, die Organisation, dass die wissen, was ich für Arbeit mache hier. Meine tägliche Arbeit. Und das ist für mich das Wichtigste.“
Einschätzung zu anderen deutschen Spielern in den Playoffs
Gefragt nach dem deutschen Spieler, dem er den längsten Weg in den diesjährigen Playoffs zutraut, nannte Sturm den Stürmer Nico Sturm (Minnesota Wild). Minnesota habe sich zur Trade Deadline gut verstärkt. Wenn sie die schwere erste Runde bestehen, sei viel möglich. Leon Draisaitl (Edmonton Oilers) schätzt er aufgrund einer Verletzung aktuell nicht bei 100 % ein, andernfalls wäre Edmonton einer seiner großen Favoriten gewesen.













