Fabienne Peter ist die erste Transfrau im Schweizer EishockeySIHF passte Reglement an. Die 33-Jährige spielt nun bei den Damen des EHC Basel

Fabienne Peter: Nach abgeschlossener Geschlechtsangleichung produziert eine Transfrau kein Testosteron mehr.  (Fotos: Sven Thomann)Fabienne Peter: Nach abgeschlossener Geschlechtsangleichung produziert eine Transfrau kein Testosteron mehr. (Fotos: Sven Thomann)
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Es gibt Menschen, die sind im falschen Körper geboren. Was früher mal als albern hingenommen wurde, ist im Jahr 2018 als durchaus ernste Aussage zu betrachten. Der Wunsch nach einer Geschlechtsangleichung ist längst keine Unmöglichkeit mehr. Fabienne Peter (33) aus der Schweiz wurde bei der Geburt dem männlichen Geschlecht zugewiesen. Dass ihre Geschichte in der Öffentlichkeit großen Anklang findet, kann durchaus damit zu tun haben, dass sie den Nationalsport Nummer 1 in der Schweiz ausübt: Eishockey. Genauer gesagt als Transfrau. Beim EHC Basel.

Fabienne hat zwei Kinder

Fabienne steht voll im Leben. Ist verheiratet, hat zwei Kinder und war in ihrem früheren Leben Mechatronik-Ingenieur. Jetzt ist sie studierte Pädagogin. Mit ihrer Frau bildet sie ein lesbisches Paar. Die Gattin stand bei der Entscheidung, die Geschlechtsangleichung durchzuführen, voll hinter ihr. Die Kinder will sie verständlicherweise bewusst aus den Medien raushalten. Sie kämen aber mit der Situation sehr gut zurecht und spielen auch weiter mit Mama Eishockey.

Freunde und Verwandte hat sie nach und nach informiert. „Meine Offenheit hat bei vielen für Verständnis gesorgt“, gibt sie zu Protokoll. Das tat ihr gut und verstärkte sie in ihrer Entscheidung. Zwischenzeitliche Zweifel waren schnell durch ihre Familie eliminiert worden.

Fabienne fühlte sich schon früh unwohl in der eigenen Haut. Einen bestimmten Aha-Moment gab es allerdings nicht. Es war eher ein schleichender Prozess. Fabienne fühlte sich schon in den Jungen-Umkleidekabinen vor und nach dem Hockeytraining zusehends unsicher.

Schweizer Verband ändert Regularien

Und jetzt? Wo kann sie als begeisterte Eishockeyspielerin und Transfrau Eishockey spielen? Das lief erstaunlicherweise ziemlich schnell! Sie machte sich im Internet schlau und ihr Klub, der EHC Basel, machte den Kontakt zum Schweizer Verband klar. Das „Internationale Olympischen Komitee“ (IOC) besagt, dass Transgender-Menschen nach einem Jahr mit gewissem Hormonwert an Wettkämpfen teilnehmen dürfen. „Swiss Ice Hockey“ hat daraufhin die Regularien zur Lizensierung von Spielerinnen geändert und an den Olympischen Verband angeglichen. Fortan dürfen in der Schweiz „Transgender-Frauen“ in den Damenligen spielen. Während mindestens eines Jahres müssen sie dazu nachweisen, dass sie einen gewissen Testosteron-Wert mittels Hormone nicht mehr überschreiten. „Ich freue mich sehr, dass ich den Sport, den ich liebe, weiter ausüben darf“, sagt sie.


Bikini statt Badehose

Jetzt ist Fabienne mit den EHC Ladies in der dritten Leistungsklasse unterwegs. Und sie fühlt sich pudelwohl in der Kabine. Selbst der Gang ins Freibad war dieses Jahr eine Erlösung. Bikini statt Badehose. „Ich fühle mich mega-wohl in meinem Körper. Schon als Mann suchte ich mir im Sport meistens weibliche Vorbilder“, sagt sie der Basler Zeitung.

Ohne Testosteron viel schwächer

Gibt es denn auch Nachteile? Sie merke schon aufgrund der weiblichen Hormone, dass sie nicht mehr die Gewichte stemmen kann, die sie als Mann gestemmt hat. Auch Liegestütze gehen nicht mehr so leicht von der Hand wie früher. Das weibliche Hormon Östrogen muss Fabienne ein Leben lang einnehmen. „Ich bin überrascht, wie groß der Unterschied ist. Ohne Testosteron bin ich viel schwächer“, erklärt sie. Das sind aber Umstände, die sie gerne in Kauf nimmt. Die Bürokratie ist auch noch Thema. Da war es beim Eishockeyverband etwas einfacher. Wenn sie „Staatspost“ bekäme, wird sie noch mit „Herr“ angeschrieben. Den amtlichen Eintrag muss sie noch per Gerichtsentscheid anfordern.

Wenn man das alles Revue passieren lässt, muss man schon den Hut ziehen. Job, Studium, Frau und Kinder. Dann nimmst eine Geschlechtsangleichung. Und alles, was noch als Hürde vor ihr steht. Am Ende des Tages aber stehst sie auf dem Eis - und ist einfach nur glücklich. Starke Aktion, Fabienne!

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