Eispiraten Crimmitschau erleben durchwachsene SaisonEispiraten rückten erst am letzten Spieltag auf Platz 13

Danny Naud der Cheftrainer der Eispiraten Crimmitschau. (Foto: dpa/picture alliance)Danny Naud der Cheftrainer der Eispiraten Crimmitschau. (Foto: dpa/picture alliance)
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Kurz nach Ende der Saison 2018/19 stand fest, dass Coach Daniel Naud und die Crimmitschauer Dauerbrenner André Schietzold, Dominic Walsh, Ole Olleff, Patrick Pohl und Vincent Schlenker, aber auch Adrian Grygiel und Patrick Klöpper mit neuen Verträgen ausgestattet werden, nachdem die Crimmitschauer Eishockeymannschaft in der vorherigen Saison das zweite Mal in Folge im Viertelfinale stand.

Somit war bereits ein solides Grundgerüst für die neue Saison geschaffen und seitens der Geschäftsführung war klar, dass die Defensive stark verbessert werden sollte. Dieses Vorhaben erwies sich jedoch schwieriger als erwartet, denn das Ganze glich den Torturen der Vorjahre, da nach den ersten Vertragsabschlüssen lange Zeit nichts passierte. Zwar entstanden zwischenzeitlich viele Gerüchte, aber richtig zufrieden war man mit den Neuzugängen wie David Kuchejda, Michael Bitzer sowie Austin Fyten oder such Lukas Vantuch anfangs nicht.

Man blickte nicht zwingend mit voller Vorfreude in die neue Saison, da man vor dem Hintergrund der auf dem Papier deutlich verstärkten Konkurrenz wie den Tölzer Löwen, den Dresdner Eislöwen und dem vermeintlich starken Aufsteiger, dem EV Landshut, nur widerwillig glauben konnte, dass die Eispiraten ein drittes Mal den Play-Downs entrinnt.Zunächst machten sich die Eispiraten alle Ehre und starteten nach durchwachsenen Vorbereitungsspielen mit einem überzeugenden 6:2 bei den Heilbronner Falken in den Saisonauftakt. Doch schon zwei Tage später sollte die gute Anfangsstimmung verschwinden und die Eispiraten in eine Niederlagenserie hineinrutschen, denn neben Bayreuth freuten sich auch Kassel, Bad Nauheim, Dresden und Ravensburg über wertvolle Punkte gegen die Westsachsen.

Nach nur sechs Spielen brannte in Crimmitschau die Rote Laterne. So hätte man den Saisonstart nicht erwartet und auch die Neuzugänge waren zum aktuellen Zeitpunkt noch keine wirkliche Bereicherung, ebenso aber auch nicht die Leistungsträger der Vorsaison. Chancen blieben größtenteils ungenutzt und auch die Überzahlspiele konnten seltenst genutzt werden.

 

Nach dem ersten Tiefschlag fanden die Eispiraten wieder den richtigen Weg und es folgten punktebringende Spiele gegen den Tabellennachbarn Bayreuth, der erste Heimsieg der Saison gegen die Tölzer Löwen und es folgten zwei Siege der besonderen Art. Neben einem Sieg gegen die Bietigheim Steelers mit dem ersten großen Erfolg von Michael Bitzer und dem 500. Spiel von André Schietzold erreichte man auch den Sieg im ersten Heimspiel der Landshuter in ihrem neuen Stadion. Immerhin 13 Punkte konnten nach diesen aufregenden zwölf Spieltagen auf das Crimmitschauer Punktekonto verbucht werden und es gab auch Neuigkeiten aus dem Kader der Pleißestädter. Julian Talbot konnte den Sieg in Niederbayern und Schietzolds Eintrag in das „Goldene Buch der Crimmitschauer Eishockeygeschichte“ nicht mehr miterleben, da er die Mannschaft verließ und somit wirkte der Kader erneut recht unvollständig. Nach dem 12. Spieltag verflog der Erfolg jedoch schon wieder und man musste sich eine erneute Niederlagenserie gefallen lassen. Den Höhepunkt des Ganzen erreichte das Spiel gegen Bad Nauheim mit einem Endstand von 3:8, der an dieser Stelle bereits den Weg in Richtung der meisten Gegentreffer bis zum Ende der Hauptrunde ebnen sollte.

Allmählich verflog die Hoffnung auf die Playoffs und die Kritik an Team und Trainer wurde immer deutlicher, nachdem das Team die Rote Laterne mit in die Länderspielpause nahm und die zuvor mühsam erspielten Erfolge verfliegen ließ. In dieser Zeit verließ Patrick Klöpper die Mannschaft nach seiner Vertragsauflösung und wurde wenige Zeit später als Neuzugang in Kassel präsentiert. Das Leistungstief der Mannschaft und die immer gleiche systematische Ausrichtung ließen darauf schließen, dass Coach Daniel Naud seinen Rücktritt bekannt geben müsse, doch dies passierte nicht – und somit blieb es seine Aufgabe, die Mannschaft wieder aus Kurs zu bringen und zu motivieren.

 

Im Spiel gegen die Huskies präsentierte Crimmitschau den Stürmer Mitch Wahl und verbreitete neue Hoffnung, endlich den ersehnten Torjäger gefunden zu haben. Doch auch weiterhin war die Lage bei den Westsachsen angespannt und die Rote Laterne sowie eine niedergeschlagene Stimmung schien keinen Lichtblick zuzulassen, allerdings sollte man sich hierbei täuschen. Zum ersten Spiel nach der Pause gelang den Westsachsen ein Erfolg und auch die weiteren Spiele wirkten vielversprechend für die Mannschaft und die Fans. Auch durch den Rückschlag gegen die Tölzer Löwen, welche sich für das gewonnene Hinspiel revanchierten, ließen die Westsachsen sich nicht beirren und erzielten in den weiteren Spielen wichtige Punkte. 

Nach einem 0:4 gegen die Steelers landete man in Crimmitschau nach sechs Spielen zwar wieder eine Nullrunde, doch spätestens nach den wohlverdienten und überzeugenden Siegen bei den Löwen Frankfurt und den damaligen Tabellenführer aus Nordhessen stand fest, dass die Eispiraten Crimmitschau das Zeug zum Punkten haben: Mit 20 Punkten aus 10 Spielen wurde dies ganz klar ersichtlich.

 

Ty Wishart feierte seine Rückkehr und schnell wurde klar, dass eine defensive Stütze wie er dem Team fehlte. Ende November verließ zudem Martin Kokes die Mannschaft, nachdem dessen Vertrag nicht verlängert wurde. Dank dieser starken Phase der Mannschaft kämpfte man sich fast an die Pre-Playoffs heran und ging bestärkt in das Rückspiel des Home-to-Home-Wochenendes, allerdings sollte das 1:4 gegen die Nordhessen nur der Beginn einer Serie an Niederlagen und Erfolgslosigkeit sein.

Eine „tolle“ Bescherung gab es kurz vor dem Weihnachtswochenende: Zunächst waren da die alles andere als erfreulichen Nachrichten über die längerfristigen Ausfälle von Alex Wideman und Carl Hudson und auch die Ausrichtung des Teams schien alles andere als konkurrenzfähig und motiviert. Die Westsachsen begaben sich direkt auf den bereits bekannten Weg des letzten Tabellenplatzes und boten den Zuschauern aus Eishockeysicht ein dürftiges Weihnachtswochenende, bei der die Niederlagenserie weiterging.

Noch im alten Jahr erzielte man null Punkte in den 0:5- und 0:6-Spielen gegen Freiburg und Bayreuth und auch in das neue Jahr startete man, wie man das Vorjahr beendete. Den Pleißestädtern gelang es nicht einen einzigen Punkt zu erzielen und somit erreichte man zum zweiten Mal seit 1990 einen historischen Negativwert, mit acht Spielen in Folge und null Punkten abzuschließen. Bereits in der Saison 2008/2009 erzielte man eine solche Serie erstmals.

 

Während Trainer Danny Naud zunehmend unter Kritik stand, setzte die Führung auf Kontinuität an der Bande. Die Serie punktloser Spiele wurde mit einem Punkt beim Spiel gegen Landshut zumindest unterbrochen, was die Stimmung mit der neuen Niederlage in Folge nicht besserte. Aufgrund der langwierigen Verletzungen wurde in Crimmitschau eine Kontingentstelle frei, welche durch den Tschechen Tomas Knotek besetzt wurde. Knotek hinterließ jedoch keinen bleibenden Eindruck und verließ nach dem Landshut-Spiel bereits wieder das Team um Trainer Daniel Naud.

 

Indessen schien die Unterbrechung der Niederlagenserie gegen Landshut einen Anstoß für die Eispiraten Crimmitschau gegeben zu haben, denn nach den Landshutern zogen auch die nächsten gegnerischen Mannschaften ohne Punkte von dannen und brachten wertvolle Punkte auf das heimische Konto. Die Niederlage im Penaltyschießen gegen Bad Nauheim sollte die Erfolgssträhne nicht stoppen, denn auch gegen die Dresdner Eislöwen konnte man punkten.

Nach 43 Spieltagen und 16 von 18 möglichen Punkten aus sechs Spielen war man endlich nicht mehr Tabellenletzter und es fehlten nur sechs Punkte für den ersehnten, aber doch optimistisch anzusehenden Platz 10. Auch die Mannschaft schien sich mittlerweile aufeinander abgestimmt und eingespielt haben und das merkte man auch in der Spielführung und den Leistungen - aber auch die Konkurrenz erwachte aus dem Tiefschlaf und es war ein langer Atem notwendig, um die Niederlagenserie um Weihnachten wieder aufzuholen.

Dieser schien erneut kurz zu stocken, aber Heilbronn, der zwischenzeitliche Spitzenreiter Freiburg, die Steelers im Rückspiel und auch Landshut bekamen nochmals die volle Kraft der Eispiraten zu spüren. Dennoch rutschten die Westsachsen wieder auf den letzten Tabellenplatz und die Liga wurde immer enger und unberechenbarer. Der Abstand zu den Pre-Playoffs wurde immer weniger und in den 13 Spielen zwischen dem 37. und 49. Spieltag schienen die Crimmitschauer mit 27 von 39 Punkten die wohl beste Saisonphase zu erleben.

Gerade weil die Spiele immer weniger wurden und der Druck immer weiter stieg, ging plötzlich alles ganz schnell. Die Frankfurter Löwen erlebten ebenso eine Erfolgssträhne und standen kurz vor Platz 1. Deswegen zeigten sie vollen Einsatz und zwängten die Eispiraten mit einem Ergebnis von 7:1 am Frankfurter Ratsweg in die Knie und besiegelten somit das Schicksal der Eispiraten, gegen den Abstieg zu spielen – als seien die Eispiraten zur falschen Zeit am falschen Ort gewesen, hatte man die Löwen doch selber Anfang Dezember mit einem 1:4-Sieg am Ratsweg in die Krise geschickt, bevor diese die Trendwende in ihre letztlich erfolgreiche Saison einleiteten.

Umso schmerzhafter war noch einmal das 2:7-Heimderby gegen die Lausitzer Füchse, als man merkte, dass die Kräfte der Eispiraten schwanden. Immerhin war die Luft eben noch nicht komplett raus und das zeigten die Crimmitschauer in ihrem letzten Spiel bei den Bayreuth Tigers, welche bei einem Sieg die Chance auf den Einzug in die Pre-Playoffs gehabt hätten. Doch scheinbar war der Druck auf den Schultern bei den Oberfranken zu groß und es gelang den Eispiraten, durch eine aufmerksame Defensivarbeit und gute Chancenverwertung den Spielstand von einem 0:2 in einen 4:2-Auswärtssieg zu verwandeln. Somit konnte am letzten Spieltag die Rote Laterne an den EV Landshut abgegeben werden und die Eispiraten erspielten sich ihren Gegner für die bevorstehenden Play-Downs aus eigener Hand.

Normalerweise stünde an dieser Stelle nun der Bericht der Abstiegsrunde und Crimmitschau würde um den Klassenerhalt kämpfen, doch in der so schon verrückten Eishockeysaison 2019/20 kam alles noch viel verrückter, denn am 10. März 2020 gab die DEL2 bekannt, die Saison aufgrund der Corona-Epidemie mit sofortiger Wirkung vorzeitig zu beenden. Die Ligen einigten sich untereinander darauf, dass es keine Meister gibt und es auch keine Auf- und Abstiege geben soll. Somit steht für die Eispiraten Crimmitschau der Klassenerhalt fest und auch in der kommenden Saison 2020/21 spielen die Westsachsen wieder für die DEL2.

Mit 22 von 52 möglichen Siegen und einem Torverhältnis von 153:194 Toren zu Gegentoren war diese Saison sicher nicht die Beste für die Eispiraten Crimmitschau und auch das Powerplay blieb Großteils ungenutzt, das Unterzahlspiel zählte zu den schwächsten der Liga. Erst zum Ende merkte man, dass die Mannschaft um Trainer Daniel Naud sich stetig weiter einspielte und sich immer weiter aufeinander abstimmte. Die Eispiraten Crimmitschau standen in der Strafzeitentabelle auf Platz 3 der Saison und überzeugten vor allem gegen Ende mit guten Spielzügen und einer ausgewogenen Offensive sowie Defensive.

Auch die anfänglichen Bedenken bezüglich des Kaders verflogen schnell, denn Neuzugang Michael Bitzer beispielsweise war unter den Top 5 Goalies der Hauptrunde zu finden und Austin Fyten ist Crimmitschaus Topscorer und unterstützte die Mannschaft somit massiv.

Betrachtet man die positiven Zeiten der diesjährigen Hauptrunde, bietet sich eine gute Vorlage, um in der kommenden Saison daran anzuknüpfen und aus den Fehlern dieser Saison zu lernen: Neben dem zweitschwächsten Überzahlspiel stellten die West-Sachsen die schwächste Unterzahl-Formation ligaweit. Hauptaugenmerk für die kommende Saison dürfte also auf der Verpflichtung von Spielern, die die „Special Teams“ der Crimmitschauer wieder besonders machen, liegen.