Was macht eigentlich... John Tripp?Spieler, Trainer, Funktionäre von einst

John Tripp in Diensten der Kölner Haie (Foto: Carsten Schürenberg - www.stock4press.de)John Tripp in Diensten der Kölner Haie (Foto: Carsten Schürenberg - www.stock4press.de)
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Hockeyweb: Hallo John Tripp, was machen Sie gerade und wie geht es Ihnen?

Tripp: Hallo! Mir geht es entsprechend gut, trotz der allgemeinen Situation. Ich bin zu Hause in Kanada und genieße die Zeit. Dennoch fehlt mir der Sport aktuell und ich bereite mich auf die neue Saison vor.

Hockeyweb: Sie haben Ihre aktive Karriere als Spieler in Crimmitschau beendet und wurden sogleich Trainer dort – wie würden Sie Ihre ersten Erfahrungen als Trainer in Deutschland beschreiben?

Tripp: Das war eine gute Zeit dort und ich erinnere mich gerne daran, denn ich hatte meine aktive Karriere gerade erst beendet und ich bin den Eispiraten dankbar, dass ich dort meine erste Erfahrung als Trainer sammeln konnte, auch wenn wir nicht so erfolgreich spielten; dennoch hatten wir eine gute Truppe zusammen und es war eine gute Erfahrung.

Hockeyweb: Ihre letzte Station war die des Head Coaches von Serbien und Sie sollten in der Olympia-Qualifikation ran – mit immerhin zwei Siegen! Wie kam es zu dieser Anstellung?

Tripp: Ja, das war eine tolle Geschichte. Wir hatten Kontakt und ich sollte das serbische Eishockey weiterentwickeln und ich muss sagen, die Qualität dort ist überraschend gut. Man muss sich das so vorstellen, dass ich die Spieler vorher nicht persönlich kannte. Diese wurden über den Verband eingeladen und ich hatte das Team über einen gewissen Zeitraum beisammen und versuchte, das Beste aus der Situation zu machen. Man kann die Qualität sicher nicht als Eishockeyhochburg bezeichnen, aber es gibt dort Potenzial und ich würde gerne dort weitermachen, wenn es die Situation zulässt!

Hockeyweb: Derzeit ruht der Puck – wie verbringen Sie die Zeit ohne den Eissport?

Tripp: Ich habe natürlich jetzt viel mehr Zeit als vorher und kann mich in aller Ruhe vorbereiten und die Zeit mit meiner Familie genießen, da ich sonst natürlich sehr viel unterwegs bin, dennoch hoffe ich, dass es bald wieder losgeht!

Hockeyweb: Als Spieler wurden Sie für die NHL sogar zwei Mal gedraftet – auch ziemlich ungewöhnlich, aber: Wie schafft man das?

Tripp: Ja, das war eine schöne Erfahrung und das schafft man nicht so oft. Und gleich zwei Mal gedraftet zu werden, ist schon merkwürdig. Die Colorado Avalanche haben mich 1995 gepickt, doch es hat nie wirklich geklappt und so kam der Vertrag nicht zustande. Zwei Jahre später waren es dann die Calgary Flames, die zuvor schon interessiert waren und es war endlich soweit. Dennoch sollte ich nie für die Flames spielen.

Hockeyweb: Sie hatten das Glück, für namhafte NHL-Teams im Anschluss zu spielen: die New York Rangers und die L.A. Kings. Welche Franchise gefiel Ihnen besser und wie erlebten Sie diese Zeit?

Tripp: Das kann man nicht sagen. Ich hatte einfach Glück für zwei tolle NHL-Franchises zu spielen und habe mir meinen Traum von der NHL Karriere erfüllt. Die Stimmung im Madison Square Garden ist schon besonders, denn es ist ein sehr traditionsreicher Standort, auch wenn ich mehr Spiele für die L.A. Kings absolviert habe. Ich möchte diese Erfahrung nicht missen und bin sehr stolz darauf. Ich habe mit vielen guten Spielern trainiert und dort auch sehr viel gelernt. Sie haben viel mit mir gesprochen und mir einiges mit auf den Weg gegeben.

Hockeyweb: Und danach ging es für Sie ab nach Deutschland in die DEL, wo Sie auch in stimmungsvollen Arenen spielen konnten: Hamburg, Köln, Mannheim, Ingolstadt und Hannover. Welche Erfahrungen verbinden Sie mit Ihrer Zeit hier? Gab es so etwas wie ein Lieblingsstadion?

Tripp: Die Zeit in Köln war sicher sehr besonders. Leider gibt es den Standort in Hamburg (die Freezers) nicht mehr. In Hannover war ich ja nicht so lange, obwohl ich versprach, dass ich sogar für fast umsonst spielen würde. Danach bekam ich dann das Angebot der Haie – und dort hatte ich auch eine sehr gute und erfolgreiche Zeit.

Hockeyweb: Zum Abschluss von der Multifunktionshalle in ein „offenes Stadion“, den Crimmitschauer Sahnpark. Ich erinnere mich noch an den Lockout und Wayne Simmonds, der von der Stimmung dort schwärmte. Ging es Ihnen auch so und spricht man in Nordamerika über die Fans in Deutschland?

Tripp: Auf jeden Fall! Die Spieler sprechen darüber und genießen die Zeit auf dem Eis. Das ist sicher etwas, was den Sport in Deutschland ausmacht! So etwas haben wir in Nordamerika nicht und wir sitzen dort die ganze Zeit. Klar, man genießt den Sport, aber die Begeisterung fehlt. Und da sind Stehplätze wirklich eine super Erfindung und machen den Unterschied aus. Zumindest, was die Atmosphäre betrifft.

Hockeyweb: Auch eine Karriere im deutschen Nationaltrikot haben Sie erreichen können, u.a. mit der Heim-WM 2010, dem Halbfinale und dem Zuschauerrekord. Aber: Was war „Ihr“ persönlich größter Erfolg?

Tripp: Das war wirklich unglaublich! Ich war auf dem Eis dabei, damals „auf Schalke“, als wir das Team aus den Vereinigten Staaten beim damaligen Weltrekordspiel besiegt haben. Und das Turnier verlief für uns damals auch einfach erfolgreich - immerhin mit dem vierten Platz. Auch später durfte ich noch gegen Kanada, mein Heimatland, spielen. Ich hatte eine tolle Zeit mit den Jungs und bin wirklich sehr froh, ein Teil der Mannschaft gewesen zu sein.

Hockeyweb: Kommt denn ein Job als Head-Coach in der DEL für Sie in Frage, bzw. wie sind Ihre Pläne für die Zukunft?

Tripp: Ja, warum nicht, wenn alles passt. Aber vorher möchte mir noch eines wünschen: Aktuell sind es für das Eishockey schwere Zeiten und ich habe gehört, dass viele auch auf Gehalt verzichten, um Ihren Beitrag zu leisten. Das finde ich ein gutes Signal und ich möchte einfach, dass wir uns zusammen helfen und unterstützen. Hoffentlich klappt es bald wieder, dass der Sport losgeht. Wenn es die Situation wieder erlaubt, möchte ich wieder nach Gmünden (in Österreich) reisen. Dort wohnt meine Tante, sie ist 94 und sie heißt Helga. Tante Helga. Ich habe kürzlich mit iIhr gesprochen und ich will sie auf jeden Fall noch einmal besuchen.

John Tripp, vielen Dank für das Interview und dass Sie sich die Zeit genommen haben! Alles Gute für Ihre Zukunft!