TuS Wiehl gewinnt in Berlin die Deutsche Meisterschaft im Para-EishockeyBewerbung um B-WM

Die Para-Eishockey-Teams beim letzten Saisonspieltag in Berlin. (Foto: Rolf Lux)Die Para-Eishockey-Teams beim letzten Saisonspieltag in Berlin. (Foto: Rolf Lux)
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Para-Eishockey ist paralympische Disziplin, bei der die Teilnehmerinnen und Teilnehmer über dreimal 15 Minuten auf kleinen Schlitten der schwarzen Hartgummischeibe hinterherjagen. Wie beim Eishockey wird um jeden Zentimeter Eis gekämpft, es gibt erlaubte und unerlaubte Störmanöver mit Checks oder den auch zur Fortbewegung dienenden Schlägern. Mit den Spikes am Ende ist es eine unglaubliche Energieleistung, die Koordination bei gleichzeitiger Übersicht für die anderen vier Mitspieler und natürlich den Gegnern zu behalten. Krachend knallen die Schlitten aufeinander und nicht nur in engen Spielen kochen die Emotionen gegenüber den beiden Schiedsrichtern oder auch nicht nur verbal dem Gegner über, da kann schon mal eine Faust im Gesicht des anderen landen. Es ging an diesem letzten Wochenende der Para-Eishockeymeisterschaft auch darum, sich gut vor dem Publikum zu präsentieren und bis zur letzten Minute der Saison alles zu geben. Im „P9“ an der Glockenturmstraße gaben also alle Beteiligten ihr allerbestes – ob mit einer Beeinträchtigung oder ohne.

So soll es auch im November 2019 zugehen, wenn es nach dem Willen von den Anwesenden geht. Denn für diesen Zeitraum wird die Ausrichtung der Para-Eishockey WM der B-Gruppe in Berlin anvisiert. Bezirksstadträtin Heike Schmitt-Schmelz war 2018 genauso wie dieses Jahr zugegen, entwickelte damals zusammen mit Bundestrainer Andreas Pokorny und ECC-Vorstandsmitglied Gregor Kemper diese Idee. Nun standen die Bezirksstadträtin, der Bundestrainer, der LSB-Präsident Thomas Härtel zusammen mit dem Präsidiumsmitglied des Deutschen Behindertensportverbandes Lars Pickardt (auch Mitglied des Nationalen Paralympischen Komitees und Vorsitzender der Deutschen Behindertensportjugend) und dem Präsidenten des Behinderten- und Rehabilitations-Sportverbandes Berlin, Özcan Mutlu, auf dem Eis und warben noch einmal öffentlich für dieses Ereignis.

Heike Schmitt-Schmelz (Bezirksstadträtin Jugend, Familie, Bildung, Sport und Kultur und somit Hausherrin Eishalle), Lars Pickardt (Präsidiumsmitglied des Deutschen Behindertensportverbandes, des Nationalen Paralympischen Komitees und Vorsitzender der Deutschen Behindertensportjugend), Andreas Pokorny (Cheftrainer Nationalmannschaft Para-Eishockey), Thomas Härtel (Präsident Landessportbund Berlin), Özcan Mutlu (Präsident Behinderten- und Rehabilitations-Sportverband Berlin) - nicht die angegebene Reihenfolge

Aktuell baut Luca Pokorny in Iserlohn ein Para-Eishockeyteam auf, um schon bald in der Liga mitzuspielen. Der Sohn des Bundestrainers Andreas Pokorny sagte zum Ziel einer Ausrichtung der Para-Eishockey-B-WM, dass es dazu der Unterstützung aller vorhandenen Clubs brauche und natürlich die Gegebenheiten in der Eishalle P9 am Glockenturm umgestaltet werden müssten, angefangen vom Besteigen der Eisfläche bis über gläserne Banden und aber auch die Gastronomie sollten dem Ereignis entsprechend ausgerichtet sein. Außerdem sollten alle Berliner Eishockeyclubs nach einer Zusage die Werbetrommel rühren und das Vorhaben unterstützen. Der Unterstützung aller anwesenden Prominenten und Verantwortlichen dürften sich also die Protagonisten auf dem Eis gewiss sein – dieses wurde auch durch die Präsenz unmittelbar vor allen Spielen deutlich. Hier gab es eine interessante Runde mit den Vertretern des ECC Preussen Berlin, Gregor Kemper und Sven Krey. Auch Katarina Witt unterstrich noch einmal den Stellenwert der Unterstützung mit ihrer gleichnamigen Stiftung.

Einige hundert Zuschauer sahen ein sehr einseitiges Match zwischen den gastgebenden Angry Birds des ECC Preussen und den Hannover Ice Lions. Die Niedersachsen dominierten das Spiel, ließen defensiv keine Treffer zu und schlugen dafür eiskalt in der Offensive zu. So konnten sich die Hannover Ice Lions über einen 7:0-Erfolg freuen und selbstbewusst in das Spiel am Sonntag gegen die Bremer gehen. Denn die Weserstars aus der Hansestadt verloren ihre Partie am Abend gegen die favorisierten Pinguine, der TuS Wiehl siegte deutlich mit 9:1 und bestätigte somit die Erwartungen.

In der Reihenfolge von links - Gregor Kemper (Vorstand ECC, Spartenleiter Para-Eishockey), Heike Schmitt-Schmelz (Bezirksstadträtin Jugend, Familie, Bildung, Sport und Kultur und somit Hausherrin Eishalle), Katarina Witt für die gleichnamige Stiftung, Professor Joachim Breuer für die DGUV, Sven Krey Präsident ECC Preussen Berlin e.V.

Für mögliche kommende Ereignisse beim Para-Eishockey sollte auf jeden Fall viel besser geworben werden, denn am Sonntag am frühen Morgen um 8.30 Uhr verloren sich nur sehr wenige Zuschauer bei auch wieder freiem Eintritt – seien es allgemein Interessierte oder auch Bekannte aus den Teams, viele waren jedenfalls nicht da und doch verpassten sie zumindest spannendere Spiele als am Vortag. Denn bei der Partie zwischen den ERC Hannover Ice Lions und den Weserstars Bremen ging es richtig zur Sache, verbissen geführte Zweikämpfe und Fouls konnte man da sehen. Hören konnte man da auch so einiges und das war vor allem die Stimme von Ice Lion Udo Segreff, der den einen oder anderen Disput hatte durch die aus seiner Sicht falschen Entscheidungen des Schiri-Gespannes. Erst legte Kapitän Jörg Wedde aus Hannover mit dem 1:0 vor, aber die Bremer fanden schnelle Antworten und führten nach 15 Minuten mit 2:1. Das „Derby“ ging in die zweite Runde und hier konnte Eislöwe Torsten Ellmer nach einem feinen Pass zum 2:2-Ausgleich treffen, das Spiel wogte nun hin und her mit all seinen Emotionen. Einige Tore später war es dann dem Schiedsrichter zu viel mit Udo Segreff und nach einer Strafe für ihn gab es wegen Meckerns gleich noch eine hinterher, somit war das Spiel für ihn beendet. Gleichzeitig war das aber auch der Startschuss für eine Trotzreaktion, der aktuelle Spielstand von 4:3 für Hannover wurde sogar noch weiter nach oben geschraubt zum letztendlichen 5:3 für die Ice Lions. Ähnlich spannend und mit etwas mehr Zuschauern ging es beim Spiel des Preussen-Teams „Angry Birds“ zu, die Berliner gingen nämlich  gegen den TuS Wiehl unter dem Jubel der anwesenden Preussenfans sogar mit 1:0 in Führung. Es entwickelte sich eine torreiche, abwechslungsreiche und daher auch spannende Partie, bei der am Ende aber die Pinguine vom TuS Wiehl mit 7:6 die Oberhand behielten. Danach gab es wie bei allen anderen Spielen auch ein faires Shakehands unter den Teilnehmern und natürlich auch mit den Schiedsrichtern, die immerhin das gesamte Wochenende in Charlottenburg auf dem Eis standen.

Katarina Witt beim Ehrenbully vor dem Spiel Angry Birds gegen Hannover Ice Lions

Am Ende einer langen Saison sind auch schon Entscheidungen vor diesem letzten Spieltag im Berliner „P9“ an der Glockenturmstraße in Charlottenburg gefallen, daher gebührt größter Respekt vor den trotzdem noch gezeigten Leistungen. Als Deutscher Para Eishockey Meister kann sich der TuS Wiehl feiern lassen, auch der Vizemeister ERC Hannover Ice Lions hat gekämpft wie ein Löwe und für einige Unterhaltung gesorgt. Als gute Gastgeber präsentierten sich die Angry Birds von den Preussen, als Dritter zeigte man auch während der Saison eine aufsteigende Tendenz und kann positiv auf diese Spielzeit zurückblicken. Ebenfalls stolz können die Weserstars Bremen sein, die als Vierter in der Meisterschaft auch noch den von „Hockey is Diversity“ gestifteten Fairplay-Pokal empfingen.  

Die Ergebnisse im Überblick:

Sonnabend, 16. März 2019

ECC Preussen Angry Birds – ERC Hannover Ice Lions 0:7

Weserstars Bremen – TuS Wiehl 1:9

Sonntag, 17. März 2019

ERC Hannover Ice Lions – Weserstars Bremen 5:3

ECC Preussen Angry Birds – TuS Wiehl 6:7

DEL PlayOffs

Montag 22.04.2019
Adler Mannheim Mannheim
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EHC Red Bull München München
Mittwoch 24.04.2019
EHC Red Bull München München
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Adler Mannheim Mannheim