Straubing Tigers stehen im Finale – um die Top sechsKampf um die direkte Play-off-Qualifikation

Jeremy Williams erzielte den Siegtreffer für die Straubing Tigers. (Foto: dpa/picture alliance)Jeremy Williams erzielte den Siegtreffer für die Straubing Tigers. (Foto: dpa/picture alliance)
Lesedauer: ca. 6 Minuten

In Straubing war es wieder mal nichts für Herzpatienten, denn die Tigers drehen in den letzten beiden Minuten das Spiel mit zwei irren Spielzügen und lassen den Pulverturm regelrecht explodieren. Stürmer Mike Connolly war mittendrin und sagte: „Das kannst du nicht beschreiben.“

Eishockey-Wahnsinn in unter zwei Minuten

Auch Marco Pfleger fehlen die Worte: „Dann sind Ereignisse geschehen, die kann man eigentlich gar nicht verarbeiten.“ Zweieinhalb Minuten vor Spielende lagen die Hausherren mit einem Tor hinten und Topscorer Jeremy Williams saß in der Sünderbox. Die ersten Fans fanden sich bereits mit der Niederlage ab, doch dann spielt Freddy Eriksson einen Zuckerpass auf Sena Acolatse. Pfleger berichtet: „Wir schießen in Unterzahl das 4:4, was eh schon keiner geglaubt hat, weil die Überzahl spielen. Aber wir haben das gut gemacht. Sena mit einer überragenden Kraftleistung und der Pass mit einer Hand.“ Vermutlich war es der beste Pass, den der Strafbankkönig je gespielt hat. Williams erinnert sich: „Plötzlich hatten wir die Chance, das Spiel auszugleichen. Sena spielt da einen Wahnsinnspass und das ganze Team eine tolle Unterzahl.“ Mike Connolly war mitgelaufen und stand goldrichtig, um den Ausgleich zu machen. Doch das Spektakel ging weiter. Der von der Strafbank kommende „Willy“ schwärmt: „Dann spielt Connolly einen perfekten Pass genau auf meinen Schläger und ich habe ihn über den Schoner rein gemacht.“ Wenn Dan Brown das Buch schreiben und Roland Emmerich es verfilmen würde, würde es wohl genauso ausgehen.

Up und Down und Down und Up

Auch dass die Partie zuvor für beide Seiten einige Ups und Downs parat hielt, passt zu den dramatischen Schlussminuten. Wolfsburgs Coach Hans Kossmann hatte sich sicher einen anderen Beginn gewünscht: „Wir hatten einen schlechten Start gehabt und haben Straubing das Spiel überlassen.“ Demzufolge sagte Straubings Coach Tom Pokel: „Wir hatten einen guten Start. Wir wollten mit Tempo beginnen, das ist uns gelungen.“ Doch dann schwappte das Momentum erstmals: „Nach dem 1:0 hatten wir einige gute Chancen, das 2:0 zu machen, und dann kam der Shorthander.“ Ein Lichtblick für Kossmann: „Mit dem Shorthander haben wir ein bisschen Leben ins Spiel gebracht.“ Mit dem Unentschieden verließen die Teams das Eis zum ersten Mal. Hans Kossmanns Drittelansprache zeigte Wirkung: „Im zweiten Drittel haben wir eigentlich recht gut gespielt und sind in Führung gegangen.“ Doch dann „haben wir viel zu viele unnötige Fehler gemacht.“ Das Momentum wechselte erneut. Tom Pokel: „Im zweiten Drittel waren wir down und hatten dann die gute Antwort.“ Die Hausherren taten sich zunächst sehr schwer, gefährlich zu werden, doch nach den Wolfsburger Fehlern drehten Jeremy Williams und Antoine Laganière mit einem Doppelschlag binnen 59 Sekunden die Partie für die Niederbayern. Nach der zweiten Pause schlugen die Niedersachsen doppelt zu. Sie benötigen nur 53 Sekunden, um das Spiel erneut zu drehen. Dazu sagte Hans Kossmann: „Ins letzte Drittel sind wir wieder gut gestartet, hatten eine sehr gute Phase und haben gehofft, es über die Bühne zu bringen, aber machen Fehler in der Konzentration im wichtigen Moment.“ Nun haderte Pokel: „Wir sind nicht zufrieden mit dem dritten und vierten Gegentor.“ Doch seine Spieler besänftigten ihn: „Die Jungs geben immer die entsprechende Antwort.“ Sie gaben sie spät, aber sie gaben sie.

Mehr geht nicht

Nach dem Spiel stellte Hans Kossmann fest: „Beide Mannschaften wollten eigentlich gut spielen, aber auf der anderen Seite hat man gesehen, die volle Konzentration war nicht immer da. Straubing ist eine gute Mannschaft mit guten Spielern und hat am Ende verdient gewonnen.“ Diesen Sieg erklärte Tom Pokel so: „Es ist wichtig und ein wichtiger Faktor, in diesem Spiel und auch in den Play-offs, die mentale Stärke. Immer wieder und immer mehr sind wir besser in diesem Bereich.“ Einmal Eishockey mit allem: „Alles war drin. Zwei Shorthander, Breakaways. Ich denke, Acolatse hat ein hervorragendes Spiel gespielt, Freddy Eriksson nach der Pause am Sonntag ist gut gegangen, er hat sehr hart gekämpft. Connolly und Williams haben viel verursacht. Ein wichtiger Faktor war, dass wir die Topspieler vom Gegner ausgeschaltet haben. Man muss glauben und der Glaube ist bei uns sehr stark vorhanden.“ Jeremy Williams sagte: „Das war echt aufregend, den Weg zum Sieg zu finden, aber wir haben es geschafft.“ Auch Mike Connolly wirkte geflasht und meinte strahlend: „Wir sind sehr glücklich mit dem Sieg und den Punkten. Das war nicht das, was wir uns vorgestellt hatten, aber wir haben einen Weg gefunden, das Spiel zu gewinnen. Das gibt uns einen Push für das Spiel gegen Ingolstadt.“ Marco Pfleger sagte trocken und es wohl immer noch nicht so ganz glaubend: „Ich glaube, dass wir mehr Glück als Versand gehabt haben. Denn normalerweise, so wie wir uns heute angestellt haben, können wir nicht als Sieger vom Eis gehen. Wir haben so viele Chancen gehabt, dass wir das vorzeitig klar machen, und dann sind wir wieder in Rückstand. Aber wenn man so viel Glück wie wir hat, müssen wir in die ersten Sechs und dann schauen wir weiter.“ Er meinte aber anerkennend: „Egal wie oft der Gegner vorne war, egal wie lange der Gegner vorne war oder wie lange noch zu spielen ist, wir sind immer wieder zurückgekommen. Das macht eine gute Play-off-Mannschaft aus.“ Dabei ärgert es in immer noch ein wenig, dass man einige Chancen in anderen Spielen nicht nutzen konnte: „Wir hatten Chancen, es früher klarzumachen, wir haben uns in diese Situation selbst gebracht, dass wir das in eigener Hand haben. Da können wir beweisen, ob wir eine Play-off-Mannschaft sind. Das ist ein Do-or-Die-Spiel, der Sieger ist unter den ersten Sechs.“

Mit Gebrüll nach Ingolstadt

Doch genau darauf sind jetzt alle heiß. Straubing und Ingolstadt spielen am Sonntag ein Spiel ums Viertelfinale. Mike Connolly erzählt: „Wir wollen in die Top sechs und haben die Mentalität dazu. Da ist alles drin. Wir haben Fehler gemacht und Spiele spät verloren und andere Teams haben Fehler gemacht und wir haben spät gewonnen. Das ist Eishockey. Aber wir fahren nach Ingolstadt, um alles auf dem Eis zu geben.“ Auch Williams will nach oben: „Jeder in den Top zehn kann Champion werden, das ist okay für uns. Aber wenn du unter den ersten Sechs bist, hast du eine kleine Pause. Du kannst dich länger und besser vorbereiten. Wir haben das Ticket für die Postseason gelöst, aber am Sonntag wird es ein Kampf, in dem wir alles geben werden und mit den Fans gegen Ingolstadt um die Top sechs spielen.“ Gegen diese kleine Pause hätte auch Mike Connolly nichts: „Das ist schon sehr wichtig. Du bekommt eine kleine Pause und Zeit, dich vorzubereiten, aber dazu müssen wir in Ingolstadt unser bestes Spiel spielen.“ Für Marco Pfleger ist das aber keine echte Pause: „Ist es eine Woche frei? Spielfrei haben wir, aber trainieren tun wir ja trotzdem. Wir gehen in jedem Fall ein großes Risiko aus dem Weg. Ich war die letzten Jahre in Nürnberg und ich möchte gegen Nürnberg nicht Play-off spielen, denn die wissen, wie das geht. Daher ist es sehr wichtig, dass wir einem Risiko aus dem Weg gehen, weil hinten mit Nürnberg und Berlin zwei Mannschaften dabei sind, die unter die Top vier gehören, vielleicht Final-Kandidaten sind und da sind wir froh, wenn wir denen aus dem Weg gehen.“  Ganz nebenbei geht es bei Jeremy Williams auch noch um den Topscorer der Liga. Hat er das eigentlich im Blick? „Nein, gar nicht. Ich denke da echt das ganze Jahr nicht dran. Ich versuche einfach alles, um dem Team zu helfen. Nach dem aufregenden Spiel heute ist es wichtig, am Sonntag in die Top sechs zu springen und direkt fürs Viertelfinale qualifiziert zu sein. Es ist unglaublich, was passieren kann, wenn man als Team zusammenhält. Es gibt kein besseres Gefühl, als als Team zu gewinnen.“ Ob er und das Team der Tigers dieses Gefühl auch am Sonntag auskosten können, stellt sich am Nachmittag gegen Ingolstadt heraus.

Tore: 1:0 (3:13) Jared Aulin (Sena Acolatse, Fredrik Eriksson), 1:1 (14:48/SH) Sebastian Furchner (Christoph Höhenleitner), 1:2 (24:31) Daniel Sparre (Armin Wurm, Spencer Machacek), 2:2 (30:27) Jeremy Williams (Mike Connolly), 3:2 (31:17) Antoine Laganière (Fredrik Eriksson), 3:3 (46:13) Christoph Höhenleitner (Gerrit Fauser, Björn Krupp), 3:4 (47:06) Jeremy Welsh, 4:4 (58:19/SH) Mike Connolly (Sena Acolatse, Fredrik Eriksson), 5:4 (59:35) Jeremy Williams (Mike Connolly).

Schiedsrichter: Daniel Piechaczek, Andre Schrader; Linienrichter: Gabriel Gaube, Andreas Hofer.

Strafminuten: 8:4 (2:2, 2:0, 4:2).

Zuschauer: 4554.

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DEL Hauptrunde Gruppe

Mittwoch 17.03.2021
Kölner Haie Köln
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Freitag 05.03.2021
EHC Red Bull München München
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Nürnberg Ice Tigers Nürnberg
Augsburger Panther Augsburg
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ERC Ingolstadt Ingolstadt
Samstag 06.03.2021
Straubing Tigers Straubing
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Adler Mannheim Mannheim
Sonntag 07.03.2021
Krefeld Pinguine Krefeld
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Düsseldorfer EG Düsseldorf
Fischtown Pinguins Bremerhaven
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Grizzlys Wolfsburg Wolfsburg
Eisbären Berlin Berlin
- : -
Iserlohn Roosters Iserlohn
Montag 08.03.2021
Schwenninger Wild Wings Schwenningen
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Straubing Tigers Straubing
Adler Mannheim Mannheim
- : -
EHC Red Bull München München
Dienstag 09.03.2021
Düsseldorfer EG Düsseldorf
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Fischtown Pinguins Bremerhaven
Nürnberg Ice Tigers Nürnberg
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Augsburger Panther Augsburg